Mittwoch, 22. November 2017

10. November 2017 06:45 Uhr

Kommentar

Mull, Braun und Brazzo: Der Ärztestreit beim FC Bayern

Wenn man keine Probleme hat, macht man sie sich eben selbst. So wie der FC Bayern, der sich von seinem Arzt trennt. Das zeigt, in welchem Spannungsfeld die Mediziner stehen.

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Hippokrates war der Arzt, dem sie alle vertraut haben. Der Mann hat es sich nicht leicht gemacht. Anstatt es sich in einer Praxis mit Blick auf die Akropolis gemütlich einzurichten, zog er durch die Lande und über die Inseln, um die Menschen zu heilen.

Hierbei unterscheidet er sich von dem rund 2400 Jahre später praktizierenden  Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, von seinen Freunden „Mull“ genannt. Der Mull nämlich reist nicht mit Kälberblut-Präparaten in die entlegensten Ecken dieser Welt, auf dass sich Muskelfasern entzerren. Die Sportler reisen aus fernen Ländern an, um sich von dem 75-Jährigen versorgen zu lassen. Jamaikas Wundersprinter Usain Bolt widmete ihm mal eine olympische Goldmedaille. Mull, so raunen es sich die Athleten zu, könne mit den Fingern sehen.

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Der FC Bayern und seine Ärzte

Jahrelang tauchte er im Auftrag des FC Bayern mit seinen Fingern in die Muskeln der Profis. Dann kam Pep Guardiola. Der Katalane war von den Fähigkeiten des Mediziners nicht restlos überzeugt. Es dauerte ihm zu lange, ehe verletzte Spieler wieder auf dem Platz standen. Wobei wir wieder bei Hippokrates wären. Der nämlich formulierte in seinem Eid, der Ärzten noch heute als ethischer Richtlinie dient, dass dem Patienten niemals geschadet werden darf. Dass er zum Nutzen der Kranken handelt.

Im Profisport tätige Ärzte stehen im Spannungsfeld. Wirklich ausheilen können die wenigsten Verletzungen. Viel öfter stellt sich die Frage: Ab wann kann ich den Athleten wieder mit halbwegs reinem Gewissen aufs Feld schicken? Möglich, dass sich das Müller-Wohlfahrt bald wieder häufiger fragt. Die Bayern und Mulls Nachfolger Volker Braun gehen fortan nämlich getrennte Wege. Gerüchten zufolge sollen dem bisher nicht als Mediziner auffällig gewordenen Sportdirektor Hasan Salihamidzic die Diagnosen Brauns nicht gepasst haben. Die veranschlagten Ausfallzeiten der Spieler waren einfach zu lang. Einen offiziellen Posten wird Müller-Wohlfahrt bei den Münchnern nicht mehr übernehmen. Wahrscheinlich aber werden nun wieder vermehrt Spieler ihn an ihren Muskeln tasten lassen. Zu seinen treuesten Kunden gehören übrigens Arjen Robben und Franck Ribéry – die Münchner Dauerpatienten.

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Das ist der FC Bayern

Der FC Bayern ist der erfolgreichste Fußballverein Deutschlands. Am 27. Februar 1900 wurde der Verein gegründet. Er geht aus der Fußballabteilung des MTV München hervor. Der FC Bayern gewann in seiner Geschichte bislang 26 Mal die deutsche Meisterschaft und 18 Mal den DFB-Pokal. Außerdem waren die Münchner in allen internationalen Wettbewerben erfolgreich. So gewann man fünf Mal die Champions League (ehemals: Pokal der Landesmeister), ein Mal den Pokal der Pokalsieger (1967) und den Uefa-Pokal (1996). In den Jahren 1976 und 2001 gewannen die Münchner den Weltpokal, 2013 die Fifa-Klub-Weltmeisterschaft.

Für den FC Bayern München spielten unter anderem: Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Uli Hoeneß, Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge, Klaus Augenthaler, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Oliver Kahn, Mehmet Scholl und Michael Ballack.

Vorstandsvorsitzender des FC Bayern ist Karl-Heinz Rummenigge. Trainer der Mannschaft ist seit Juli 2016 Carlo Ancelotti.


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