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06. Februar 2012 14:55 Uhr

Fußball

Capello kritisiert Verband wegen Terry-Absetzung

Englands Fußball-Nationaltrainer Fabio Capello riskiert im Streit über die Absetzung seines Kapitäns John Terry einen Bruch mit dem Verband.

Fabio Capello (r) würde John Terry gern als Kapitän behalten. Foto: Nic Bothma dpa

«Ich bin überhaupt nicht einverstanden mit der Entscheidung der FA», schimpfte Capello in einem Interview des italienischen TV-Senders Rai. Er habe Verbandschef David Bernstein bereits gesagt, dass der unter Rassismus-Verdacht stehende Terry nicht bestraft werden dürfe, ehe das Gericht seine Schuld festgestellt habe. «Für mich ist Terry immer noch England-Kapitän», stellte Capello kategorisch fest.

Das Boulevardblatt «Sun» titelte daraufhin martialisch: «Illoyaler "Fab" zieht gegen seine FA-Bosse in den Krieg.» Der Italiener hatte seinem Unmut am Rande des Premier-League-Spiels FC Chelsea gegen Manchester United (3:3) Luft gemacht, das Chelsea-Innenverteidiger Terry mit einer Knieverletzung verpasste. Dabei sah der 65-jährige Capello eine furiose Aufholjagd des englischen Rekordmeisters, der angeführt vom doppelten Elfmeter-Torschützen Wayne Rooney noch ein 0:3 egalisierte.

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Die FA hatte dem 31-jährigen Terry, der sich längst vom Saubermann zum Skandalprofi gewandelt hat, ohne Capellos Einverständnis die Binde entzogen. Ihm wird vorgeworfen, im Oktober in einer Liga-Partie den dunkelhäutigen Queens-Park-Rangers-Profi Anton Ferdinand rassistisch beleidigt zu haben. Das Hauptverfahren gegen Terry, der in der Anhörung auf nicht schuldig plädierte, beginnt erst am 9. Juli, nach der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Die FA bestätigte, dass sie derzeit einen «Verhaltenskodex» für seine Spieler ausarbeite.

Capellos Beziehung zu seinem Arbeitgeber habe über das Wochenende ihren «Tiefpunkt» erreicht, schrieb der «Guardian». Nachdem er am Freitag von der Entscheidung entfahren hatte, habe er wütend in seinem in diesem Sommer auslaufenden Vertrag geprüft, ob die FA seine Autorität derart untergraben dürfe, berichtete das Blatt. Am Montag habe ihn FA-Boss Bernstein vor allem wegen des Rai-Interviews zum Rapport zu sich bestellen wollen, hieß es im «Daily Telegraph».

Am Montagabend will Capello dann wohl - eher widerwillig - den voraussichtlich neuen Kapitän Steven Gerrard im Spiel FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur begutachten. Derjenige, der die «Three Lions» beim Test gegen die Niederlande am 29. Februar und während der EM aufs Feld führt, weiß nun, dass er nur zweite Wahl ist.

ManUnited-Verteidiger Rio Ferdinand teilte bereits via Twitter mit, er stehe nicht zur Verfügung. Er ist der ältere Bruder des mutmaßlichen Rassismus-Opfers Anton und als Terrys Partner in der EM-Innenverteidigung kaum mehr vorstellbar. Ferdinand war vor der WM 2010 eingesprungen, als Terry zum ersten Mal die Binde abgeben musste. Der verheiratete Familienvater war damals über eine Affäre mit einem französischen Unterwäsche-Modell gestolpert, das zudem die Ex-Partnerin seines damaligen Teamkollegen Wayne Bridge war. Mit den Worten «Ein Jahr Bestrafung ist genug» hatte Capello Terry begnadigt. (dpa)

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