Freitag, 15. Dezember 2017

11. Dezember 2017 16:31 Uhr

Die Umsteiger - Wenn Manager die Sportart wechseln

Bremen, Hoffenheim, neuerdings die HSV-Handballer: Alle setzen in ihren Führungsstäben auf Umsteiger. Neue Ideen und Impulse sollen sie mitbringen. Demnächst könnte ein Umsteiger sogar als Chef auf der Trainerbank sitzen, glaubt der frühere Hockey-Bundestrainer Peters.

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Gestern Fußball, heute Handball - Frank Rost hat die Seiten gewechselt und er ist nicht der einzige.

Während der frühere Torhüter des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV nun wenige Kilometer weiter für die wirtschaftlichen Belange als Geschäftsführer des HSV Handball tätig ist, hat Thomas Eichin den Wechsel vom Eishockey zurück zum Fußball vollzogen. Vom Posten des Geschäftsführers des DEL-Finalisten Kölner Haie ging es für den ehemaligen Profi zu Werder Bremen. Neue Ideen und frische Impulse sollen die Umsteiger mitbringen.

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Rost, der Betriebswirtschaftslehre und Management studiert hat, wird im Hintergrund die Fäden ziehen. Hoffenheims Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung, Bernhard Peters, kann sich aber auch einen Umsteiger auf dem Trainerposten vorstellen. «Ich traue das etlichen Trainern zu», sagte Peters der Nachrichtenagentur dpa. Leistungssport sei «keine One-Man-Show mehr», sondern Teamarbeit von verschiedenen Spezialisten. «Und eine Aufgabe ist es dann, als Cheftrainer die Mannschaft hinter der Mannschaft zu führen. Man muss nicht in jedem Detail ein Fachmann sein», sagte Peters.

Der 53-Jährige war in dieser Hinsicht quasi ein Pionier. 22 Jahre lang war er Trainer beim Deutschen Hockey-Bund. Mit der Nationalmannschaft wurde er Welt- und Europameister. Dann wollte er weg. «Ich habe mir gesagt: Ich will einfach so mit 45, 46, 47 noch mal was anderes machen in meinem Leben, weil ich dann schon über 20 Jahre Hockey gemacht hatte», sagte Peters. Er war Klinsmanns Wunschkandidat als DFB-Sportdirektor, doch aus dem Job wurde nichts: «Das hat sich damals nicht ergeben, weil es noch Ressentiments gegen solche Wechsler gab.»

Vielleicht hat es Frank Rost als Sohn von zwei ehemaligen Handball-Nationalspielern etwas einfacher, sich Respekt zu verschaffen. Schwierig sei die Umstellung jedenfalls nicht: «Die Rahmenbedingungen sind in beiden Sportarten gleich. Nur beim Fußball hängen hinten mehr Nullen dran», sagte er der «Bild»-Zeitung. Trotzdem bringt er aus seiner alten Sport-Heimat gleich eine neue Idee mit: Rost forderte zum Einstand ein Ende der zerfledderten Spieltage in der Handball-Bundesliga. So könne die Serie, ähnlich wie der Fußball, auch im Fernsehen besser vermarktet werden.

Auch Peters findet, dass der Austausch zwischen verschiedenen Disziplinen den Sport für alle attraktiver machen kann: «Ich glaube, dass es einer Sportart wie dem Fußball auch gut tut, hin und wieder mal über den Zaun zu schauen.» 2008 hatte sich der Ex-Hockey-Trainer für eine Regeländerung im Fußball ausgesprochen und hält diese noch heute für sinnvoll: «Der fliegende Wechsel würde den Fußball für die Fans interessanter machen und das Spiel noch handlungsintensiver machen.» Für die Umsteiger mit ihrem Blick von außen gilt das ebenso.

Rost-Interview «Bild»

Peters im «Kicker»

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