Dienstag, 21. November 2017

11. Juni 2012 19:18 Uhr

Foodwatch kritisiert Ferrero

EM 2012: Ein DFB-Fan-Trikot für 500 Kinderriegel

Die EM 2012 könnte zur Kalorienbombe werden: 500 Kinderriegel müsste ein Fan essen, um ein DFB-Fan-Trikot zu bekommen. Deshalb gibt es nun Kritik.

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500 Kinderriegel müsste ein Fan essen, um an ein Fan-Trikot zur EM 2012 zu kommen.
Foto: dpa

Durchgerechnet hat die Zahl die Verbraucherschutzorganisation Foodwach. Sie hat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach aufgefordert, die Zusammenarbeit seines Verbandes mit Ferrero zu beenden. "Ferreros Marketingstrategie zielt darauf ab, Süßigkeiten als sportlich-leichte Zwischenmahlzeiten zu bewerben", erklärte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von Foodwatch. "Es ist unverantwortlich, wenn der DFB dazu beiträgt, dass ein Sportereignis wie die EM dazu missbraucht wird, gerade Kindern möglichst viele Kalorien anzudienen."

5,5 Kilo Zucker und 3,65 Kilo Fett für ein Trikot

Der Deutsche Fußballbund unterstützt Ferrero insbesondere durch Lizenzprodukte wie Sammelbilder der Nationalspieler als Beigabe zu Süßwaren und durch offizielle DFB-Artikel als Prämien: Bei der Aktion „Fan Connection“ können Verbraucher rund um die EM auf zahlreichen Ferrero-Produkten Punkte sammeln und in Prämien tauschen. Foodwatch hat nachgerechnet: Für ein T-Shirt – das so genannte "DFB-Fan-Trikot"  – sind 100 Sammelpunkte erforderlich.

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Um diese zu bekommen, müsste ein Verbraucher beispielsweise 500 Kinderriegel verzehren. Damit hätte er nach Angaben der Verbraucherschutzorganisation 59.000 Kilokalorien, 5,5 Kilogramm Zucker (umgerechnet rund 1.800 Stück Würfelzucker) und 3,65 Kilogramm Fett (so viel wie in 18 Päckchen Butter) zu sich genommen.

Um die Kalorien wieder abzutrainieren, müsste er mehr als 60 Fußballspiele über 90 Minuten absolvieren – oder anders gesagt: Er müsste an allen Spielen der Europameisterschaft teilnehmen, von der Vorrunde bis zum Finale - und das gleich zwei Mal hintereinander.

Foodwach: DFB verstößt gegen eigene Satzung

Durch die Zusammenarbeit mit Ferrero verstößt der DFB nach Ansicht von Foodwatch auch gegen seine eigene Satzung. Dort werde explizit die Förderung gesunder Ernährung aufgeführt. "Da passt es nicht, wenn der DFB im Widerspruch zu seinen gesundheitspolitischen Satzungszwecken den Steilpass für Ferreros Junkfood-Marketing liefert," kritisiert Wolfschmidt und verweist auf das Problem von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern.

Ferrero weist die Kritik an der Werbeaktion jedoch zurück. Auf Anfrage erklärte das Unternehmen schriftlich, dass es im Rahmen der "Fan Collection" bereits Prämien für 45 Punkte erhältlich seien, zum Beispiel eine Cap. Dies gehe bis zu 150 Punkten für eine Digitalkamera. Die Sammelpunkte seien auf insgesamt 17 Ferrero-Produkten angebracht. Zudem laufe die Aktion über einen Zeitraum von sechs Monaten. "Die Produkte sind – je nach Kaufdatum und Produkt – noch länger über das Aktionsende hinaus haltbar, teilweise bis zu über einem Jahr", schreibt Ferrero.

Ferrero: Gesammelt wird meist in Gemeinschaftsarbeit

Gesammelt werde außerdem meistens in Gemeinschaftsarbeit: "Eine Person sammelt und Freunde und Familienmitglieder teilen deren Punkte mit dieser Person", so das Unternehmen. Dies hätten ähnliche Aktionen in der Vergangenheit gezeigt. Zu den Vorwürfen, dass mit der Partnerschaft von DFB und Ferrero besonders Kinder angesprochen werden und Übergewicht ein Problem sei, argumentiert das Unternehmen, dass der Schokoladenmarkt seit mehreren Jahren rückläufig sei.

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