"Torfabrik 2" heißt der neue Ball für Bundesliga und 2. Liga. Er soll besser sein als sein Vorgänger. Wieder einmal Von Anton Schwankhart
Der Ball ist rund, heißt es. Das ist schnell dahingesagt, stimmt aber nur eingeschränkt. Rund ist er nur, wenn er ruht. Da geht es dem neuen Bundesliga-Ball, der auf den vielsagenden Namen „Torfabrik 2“ hört, nicht besser als seinen Vorgängern.
Jede Saison hat ihren eigenen Ball. Alle Klubs der ersten und zweiten Liga spielen mit dem gleichen Produkt, das sich freilich erst einmal qualifizieren muss. Das geschieht in der Regel beim fränkischen Sportartikelhersteller adidas. Für den Ball ist das kein Vergnügen. Er wird dort aufs Heftigste von Roboterbeinen getreten, erbarmungslos unter Wasser gedrückt und immer wieder gemessen und gewogen. Sein Idealgewicht laut Vorgabe des Weltverbandes FIFA liegt zwischen 420 und 465 Gramm. Mehr oder weniger bedeutet für ihn das Aus. Sein Umfang: 69 Zentimeter bei streng kugeliger Form. Neben der Statur hat der Ball auch ein neues Gesicht. Ein freundliches mit viel Weiß sowie frischem Rot und Blau.
Nostalgische Sportreporter
Natürlich ist er schon lange nicht mehr aus Leder, auch wenn hoffnungslos nostalgische Sportreporter noch immer so tun, als hätte ein Rind für den Ball sein Leben lassen müssen. Auch die „Torfabrik 2“ ist nichts anderes als ein Schaumgebilde, das mit 32 Flicken (Panels) zusammengeklebt wurde.
Am Ende der Quälerei darf die "Torfabrik 2" nicht mehr als 40 Gramm Wasser aufgenommen und höchstens 1,5 Prozent seiner kugeligen Form verloren haben. Um Unwuchten auszumessen, rotiert er so heftig auf einem Plattenteller, dass es dem Beobachter vom Zuschauen übel wird.
Der Gequälte erträgt alles
Der Gequälte erträgt alles ungerührt und bleibt locker in Form. Mats Hummels vom Meister Borussia Dortmund durfte als Erster das fertige Produkt testen. Hummels war vom "Torfabrik 2" begeistert wie jeder Fußballer, dem ein neuer Ball vor die Füße rollt. Spannender sind die Torhüter-Urteile. Die Schlussmänner leiden unter den modernen Flatterbällen und schimpfen mitunter respektlos über die neuen Wunderwerke.
Einem Brasilianer erzählt man von alldem besser nichts. Fußballer aus dem Land des fünffachen Weltmeisters pflegen eine besonders innige Beziehung zum Ball. Natürlich zweifelt kein Brasilianer daran, dass der Ball weiblich ist. Menina, meine Kleine, säuseln sie ihm zu. Alfredo di Stefano, wenngleich Argentinier, hat ihm vor seinem Haus ein Denkmal errichtet. Ein Bronzeball, darunter die Inschrift: „Danke Süße“.
"Torfabrik 2" taugt nicht zur Poesie. Wenn er nach vielen Jahren einmal eher eckig als rund ist und sich voll Wasser saugt, wird ihn der Haushund in den Müll befördern.
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