Samstag, 23. August 2014

24. Februar 2012 13:35 Uhr

Otto Rehhagel

Handschläge und Anekdoten

Wie das Trainer-Urgestein Otto Rehhagel versucht, bei Hertha BSC Berlin vor dem Spiel am Samstag in Augsburg neuen Optimismus zu erzeugen. Von Steffen Rohr

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Otto Rehhagel spricht beim Training des Fußballbundesligisten in Berlin mit Raffael.

Er hat zuletzt die Familien-Chronik der Krupps gelesen und alles aufgesogen, was er anlässlich des 300. Geburtstages von Friedrich dem Großen in die Finger bekam. Die Bücher hat er erst mal zur Seite gepackt. „Jetzt“, verkündet Otto Rehhagel, „bin ich 24 Stunden am Tag für Hertha BSC da.“ Er will selbst Geschichte schreiben und mit der Mission Klassenerhalt seiner 40-jährigen Trainerlaufbahn ein weiteres Kapitel anfügen.

Knapp elfeinhalb Jahre nach seinem Abschied aus Kaiserslautern kehrt Rehhagel am Samstag in Augsburg mit 73 Jahren und 200 Tagen auf die Bundesliga-Bühne zurück – als zweitältester Trainer, der je einen Klub in Deutschlands Eliteklasse betreut hat. Nur Fred Schulz, der Ende der 70er Jahre Werder Bremen trainierte, war seinerzeit mit 74 Jahren älter.

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Rehhagels Anti-Aging-Programm

Wer Rehhagel in seiner ersten Trainingswoche in Berlin beobachtet, ahnt, dass er das cleverste Anti-Aging-Programm hat, das es gibt: Er genießt seinen Beruf. Spielformen mit vielen Abschlüssen, ein Athletik- und Schnelligkeitsparcours, dazwischen etwas Fußball-Tennis: Der Altmeister setzt auf Abwechslung – und gefällt sich zumeist in der Rolle des Beobachters, der den Assistenten René Tretschok und Ante Covic Spielraum lässt.

Auf der Geschäftsstelle begrüßte er zum Dienstantritt, anders als seine Vorgänger, jeden Mitarbeiter per Handschlag, die Mannschaft schwor er mit einer Mischung aus eindringlichen Worten und aufmunternden Anekdoten auf das gemeinsame Ziel ein. Rehhagel gibt den Stimmungsaufheller für das Team, das seit Dezember – seit dem öffentlich ausgetragenen Krach zwischen Manager Michael Preetz und dem eine Woche vor Weihnachten geschassten Markus Babbel – von einer bleiernen Müdigkeit befallen scheint. „Er versucht, positive Stimmung reinzubringen“, sagt Levan Kobiashvili. „Negative hatten wir lange genug.“

Nach einer Serie von elf Liga-Spielen ohne Sieg sei es „fünf vor zwölf“, warnt Rehhagel, der die internen Disziplin-Regeln verschärft und mit Schulz, Brooks, Kargbo und Kiesewetter vier Talente zurück zur U 23 geschickt hat. Den Kader verschlanken, die Konzentration erhöhen – das ist die Maxime des Trainer-Methusalems, der sich selbst zwar „keine Altersmilde“ bescheinigt, aber sagt: „Früher war ich an der Seitenlinie ein wandelnder Vulkan, heute muss ich mehr Souveränität ausstrahlen.“

FC Augsburg als Belastungstest

Das Spiel in Augsburg wird zum ersten Belastungstest der Beziehung zwischen dem in eine Winterdepression abgerutschten Hauptstadt-Klub und dem betagten Anführer. Mit Maik Franz (Kreuzbandriss), Christian Lell (Muskelbündelriss) und Andreas Ottl (Rot-Sperre) fehlen Rehhagel beim Comeback drei Leitfiguren. Umso wichtiger wird sein, dass er die nach nur einem Treffer in sechs Pflichtspielen 2012 verunsicherte Offensiv-Abteilung in Schwung bringt.

Für ihn ist, wie auch für seine Vorgänger, Raffael die zentrale Figur. Rehhagel hat sich den Brasilianer in dieser Woche geschnappt und ihm von Messi erzählt. „Den kennst du doch“, meinte der Trainer zum Spielmacher. „Das ist ein Superspieler, aber er ist immer für die Mannschaft da. Das musst du auch, du bist besser als viele andere.“

Raffael kannte Messi schon länger. Jetzt kennt er auch Otto Rehhagel.

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