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09. Februar 2012 13:26 Uhr

Schwimmen

Britta Steffen: Lust auf Olympia, Sorge um Nachwuchs

Olympia - das fühlte sich für Britta Steffen trotz Doppel-Golds nicht immer gut an. Auch dreieinhalb Jahre nach dem Coup von Peking sinniert die größte Medaillenhoffnung der deutschen Schwimmer noch über ihren Gefühlszwiespalt der Spiele 2008.

Britta Steffen konzentriert sich bereits auf die Olympischen Spiele in London. Foto: Bernd Thissen dpa

«Wenn ich in alten Tagebucheintragungen von damals lese, steht da: die 100 Kraul werden mein letztes Rennen sein. So schlimm empfand ich das damals», erinnerte sich Steffen an den großen Druck vor ihren Einzel-Rennen. In einem Berliner Café hellt sich ihre Miene aber auf, wenn sie über London spricht. Bei diesen Olympischen Spielen sollen negative Emotionen keinen Platz haben.

«Ich bin frei - das ist Olympia geschuldet. Das ist ein tolles Gefühl», erklärt die 28-Jährige und freut sich jetzt schon auf den Gefühlsrausch im Zeichen der Ringe: «Du fühlst Dich wie auf Drogen, euphorisch, ein Wahnsinnsgefühl.»

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Für den ganz speziellen Olympia-Kick hat die Doppel-Weltmeisterin von 2009 nach dem WM-Debakel von Shanghai einiges umgestellt, nicht nur das zu extreme Krafttraining. Erstmals seit 2006 absolviert Steffen wieder Höhentrainingslager, gleich zweimal ist mehrwöchiges Kachelzählen in der spanischen Sierra Nevada angesagt. «Der Effekt ist bei mir sehr stark», berichtet sie, doch Schlafen unter einem Höhenzelt, wie es einzelne Konkurrentinnen machen, kommt für Steffen nicht infrage: «Darauf habe ich keinen Bock, dann werde ich eben Fünfte.»

Anders als Freund Paul Biedermann verzichtet Britta Steffen auf einen Test im Londoner Olympia-Bad. «Das ist nicht so schlimm, Mystik hin oder her. Das Ringedrehen hat mich in Shanghai auch nicht vor dem Scheitern bewahrt», erklärt sie mit Blick auf ihr Ritual, kurz vor jedem Start das Geschenk ihrer Brüder zu berühren.

Statt im Aquatics Center wird die Wirtschaftsingenieurs-Studentin nach einem weiteren Trainingslager auf Teneriffa vom 9. bis 11. März in Magdeburg starten. Der Auftakt der deutschen EM-Qualifikation ist auch der Abgabetag ihrer Bachelor-Arbeit zum Thema Existenzgründung. Der Master soll dann nach London erfolgen, wenn Steffen eine Karrierefortsetzung als Teilzeitschwimmerin ins Auge fast.

Die Perspektiven des deutschen Schwimmens sieht Steffen nicht allzu rosig. Nationen wie Dänemark seien inzwischen vorbeigezogen. «In Deutschland wächst, bis auf Paul, nicht viel nach. Das ist mit den Strukturen nicht so einfach, selbst an Sportschulen ist nicht immer gewährleistet, dass du zweimal am Tag trainieren kannst.» Der Nachwuchs zeige zwar weiter den notwendigen Biss, auch gebe es immer wieder Ausnahmekönner wie die 18 Jahre alte Vize-Europameisterin Silke Lippok. «Aber ein langfristiger Leistungsaufbau, in dem mehrere an die Spitze geführt werden, der findet aus meiner Sicht so nicht mehr statt», sagt Steffen.

Sie versuche, dem Nachwuchs zur Seite zu stehen, doch dort scheint es Berührungsängste zu geben. «Viele trauen sich nicht so recht, mich anzusprechen. An eine Britta Steffen - da bin ich vielleicht doch zu unnahbar - traut sich nicht jeder ran», berichtet sie von ihren Erfahrungen beispielsweise bei deutschen Mannschaftsmeisterschaften. Zuneigung will Britta Steffen schon differenziert geben und nehmen: «Ehrlich gesagt hab ich auch keine Lust, dass mich jeder so anspricht, als wäre ich eine Freundin.» (dpa)

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EM | Olympia | Schwimmen | Steffen


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