Dank Maria Scharapowa wird man vom Nachbarn für einen Porno-Konsumenten gehalten. Die russische Tennisschönheit häckselt Nerven. Von Anton Schwankhart

Zwei Angler am See. Bewegt der eine nach drei Stunden das rechte Bein, nach weiteren drei Stunden das linke; knurrt der andere: Angeln wir oder tanzen wir Charleston?
Seit uns Boris Becker das Wort „mental“ geschenkt hat, weiß jeder, dass der Kopf über Sieg oder Niederlage entscheidet. Das gilt auch für das Duell zwischen Mensch und Fisch. Wille und Konzentration sind alles. Wer zuerst zuckt, hat verloren. Noch mehr als fürs Angeln gilt das fürs Schachspiel. Viele Sportredakteure haben ein Leben lang vergeblich dafür gekämpft, das bewegungsarme Spiel ins Feuilleton abzuschieben.
Andererseits gestattet auch relatives Verharren großen Einsatz. Besonders dann, wenn er auf die Nerven des Kontrahenten zielt. Zu erwähnen ist hier der Russe Kramnik, der im WM-Duell mit dem Bulgaren Topalow während eines Spiels 50 Mal die Toilette aufsuchte, was Topalows Spielfluss stocken ließ. Wenn Gewalt dem Erfolg dient, scheuen auch Intelligenzler nicht davor zurück. Die Russen Petrosian und Kortschnoi traten sich während ihrer Begegnung so häufig gegen das Schienbein, dass unter dem Tisch eine Trennplatte montiert werden musste.
Am Zielführendsten aber bleibt noch immer der nervende Ton. Der Österreicher Wilhelm Steinitz, erster offizieller Weltmeister, pflegte währen des Spiels aus dem Tannhäuser zu summen, womit jede gegnerische Strategie den Bach runterging. Ja, würde sich Frau Scharapowa während ihres Tennisspiels nur auch mit dezenten Weisen aus ihrer russischen Heimat begnügen. Stattdessen kreischt und stöhnt sie bei jedem Schlag, dass es ratsam ist, die TV-Lautstärke herunterzudrehen, will man vor den Nachbarn nicht als Pornokonsument dastehen.
Ihre Gegnerinnen aber müssen es ertragen, wenn sie mit der Lautstärke einer Kreissäge deren Nervenstränge häckselt. Jekaterina Makarowa war das bislang letzte Opfer der russischen Kreissäge. Zuvor wurde Sabine Lisicki vom Platz gestöhnt.
Wer im Tennis nicht zu Hause ist und die zerstörerische Kraft flirrender Sirenen nicht kennt, stelle sich Folgendes vor: EM-Finale Spanien – Deutschland, Elfmeterschießen. Schweinsteiger läuft an. Spaniens Torhüter Casillas ruft ihm entgegen „Hola Sweini“, ehe er ferkelhaft zu quietschen beginnt. Augenblicklich dreht sich dessen Denken nur noch darum, was er Casillas in seinem armseligen Spanisch entgegnen könnte. „Eviva España!?“ No. Passt hier nicht.
Also Heino. „Schwarz-braun ist die Haselnuss.“ Hat schon oft geholfen – und dann rein mit dem Ball.
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