Mittwoch, 13. Dezember 2017

11. Dezember 2017 16:38 Uhr

Greipel und Cavendish hoffen auf Frustbewältigung

Die Chance auf Gelb ist dahin, die Lust auf einen Tagessieg dafür umso größer. Die Sprintrivalen André Greipel und Mark Cavendish wollen auf der fünften Touretappe nach Marseille ihre Wut über den Chaos-Auftakt auf Korsika bewältigen.

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André Greipel hofft auf den Etappensieg in Marseille.
Foto: Nicolas Bouvy (dpa)

Die erbitterten Sprintrivalen sind im Frust vereint. André Greipel und Mark Cavendish hoffen auf einen neuen Showdown am Mittwoch in Marseille. Die Chance ihres Lebens auf das Gelbe Trikot ist für die ehemaligen Teamkollegen unwiederbringlich vertan.

Aber auf der fünften Etappe der 100. Tour de France bietet sich ihnen immerhin die Gelegenheit, mit einem Tagessieg Frustbewältigung zu betreiben. Während Greipel immer noch seine Rolle bei der Chaosetappe zum Auftakt der Frankreich-Rundfahrt erklären muss, wird der Brite von einer Bronchitis gehandicapt.

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«Die Sache ist abgehakt. Man kann es nicht mehr ändern», sagte Greipel der Nachrichtenagentur dpa mit Blick auf die verpasste Chance auf Gelb am vergangenen Samstag. Während sich sein Landsmann Marcel Kittel im Glanz des Maillot Jaune präsentieren durfte, haderte der 30 Jahre alte Radprofi mit dem Schicksal und den Rennorganisatoren, die mit ihren Entscheidungen das Finale zu einem einzigen Vabanquespiel gemacht hatten.

Unmittelbar nach der Etappe war der Rostocker auf Twitter für den schweren Sturz verantwortlich gemacht worden, den unter anderem Zeitfahrweltmeister Tony Martin mit vielen Verletzungen bezahlen musste. «Auf Twitter gibt es immer viele Leute, die keine Ahnung haben und einen Übeltäter suchen», sagte Greipel. Die Lücke, in die er vorgestoßen war, sei groß genug gewesen, findet der Wahlschweizer immer noch: «Der Fahrer links ist dann immer näher gekommen und ich kann mich ja schließlich nicht auflösen.»

Der Rest war ein Durcheinander von fallenden Radprofis und auf die Straße krachenden Rennrädern. Greipel selbst kam nicht zu Fall, musste aber kurz darauf wegen eines Defekts anhalten. Die Schaltung seine Rades war abgerissen. «Die hat Tony Martin wahrscheinlich immer noch im Rücken stecken», sagte Greipel sarkastisch. «Der ist direkt abgetaucht und hat sie bei seinem Sturz abgerissen.»

Zeitfahrweltmeister Martin war einer der Hauptleidtragenden des Crashs. «André hat Tony umgefahren», sagte der technische Manager von Martins Rennstall Omega Pharma-Quick Step, Rolf Aldag. Als Vorwurf an Greipel will der Ex-Profi das aber nicht verstanden wissen. Vielmehr seien die Rennorganisatoren für das Chaos mit ihren unklaren Entscheidungen in dem dramatischen Finale, als ein Teambus die Ziellinie blockierte, verantwortlich gewesen. «Besser wäre es gewesen, das Feld anzuhalten, den Bus wegzuschaffen und dann das Finale zu fahren», erklärte Greipel im Rückblick.

Doch damit will sich Greipel nicht mehr aufhalten - der Blick geht nach vorne. Am Mittwoch bietet sich auf dem fünften Teilstück von Cagnes sur Mer nach Marseille die nächste Siegchance. Vier kleinere Anstiege auf der 228,5 Kilometer langen Etappe sollten kein großes Hindernis für eine Massenankunft darstellen. «Man kann natürlich nicht sicher sein, aber wir wollen die Möglichkeit nutzen», sagte Greipel.

Gleiches gilt für Mark Cavendish. Der britische Ex-Weltmeister war genau so genervt über den Auftakt auf Korsika wie sein deutscher Dauerrivale. Die Rennleitung hätte ein «Gemetzel» verursacht, sagte er der englischen Tageszeitung «The Mirror». Cavendish plagt sich zudem mit einer Bronchitis herum. «Er hat bis Sonntagabend Antibiotika bekommen», erklärte sein Teamarzt Helge Riepenhof der dpa. «Am Mittwoch sollte er aber seine Topleistung wieder abrufen können.» Greipel oder Cavendish: Mindestens einer von beiden wird in Marseille jedoch weiter Frust schieben. Vielleicht stürzt Marcel Kittel als lachender Dritter mit einem erneuten Coup die Konkurrenten aber sogar in noch tiefere Verzweiflung.

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