Es sollte der große Schritt Richtung Halbfinale werden. Aber das erste «Playoff dahoam» in der Basketball-Historie des FC Bayern München mündete in einer herben Enttäuschung.

Statt im zweiten Viertelfinalspiel der Best-of-five-Serie gegen die Artland Dragons auf 2:0 zu erhöhen, kassierten die Bayern vor den Augen von Präsident Uli Hoeneß und rund 6500 Zuschauern eine bittere 84:92 (30:49)-Niederlage. Vor dem dritten Spiel in Quakenbrück steht es nun 1:1, der Kampf um den Halbfinal-Einzug ist wieder völlig offen.
«Wir haben uns sehr schwergetan, ins Spiel zu finden», haderte Bayern-Coach Dirk Bauermann nach der Partie. Als sein Team nach desolater erster Halbzeit mit 19 Punkten zurücklag, hatte der frühere Nationaltrainer noch versucht, das Ruder rumzureißen. «Zusammenstehen und das Ding noch gewinnen», rief er den Fans über das Hallenmikrofon zu. Zwar spielten die Münchner anschließend besser, zum Sieg reichte es aber nicht mehr.
Das lag ausgerechnet am kleinsten Spieler auf dem Parkett. Dragons-Guard David Holston, der seinen Gegenspielern mit 1,70 Meter Körpergröße teilweise nur bis zur Brust ging, wuselte sich immer wieder durch die Bayern-Abwehr, und war mit 21 Punkten bester Schütze des Spiels. «Es ist sehr schwer, einen sehr kleinen Spieler zu verteidigen», erklärte FCB-Profi Bastian Doreth. Bauermann erkannte: «Er war nicht der einzige, der uns wehgetan hat.»
Immerhin könnte Holston den Münchnern mit einer unschönen Szene im letzten Viertel noch einen Gefallen getan haben. Nach einem Korb der Gäste schlug er Bayern-Kapitän Steffen Hamann im Weggehen mit der Hand ins Gesicht, so dass Hamann zu Boden ging. Nach Rudelbildung und kurzer Unterbrechung wurde Holston disqualifiziert. Ihm droht nun eine Sperre. «Um ehrlich zu sein, interessiert mich das überhaupt nicht», sagte Bauermann. Auch Dragons-Coach Stefan Koch versuchte, einer möglichen Sperre seines Top-Spielers nicht allzu viel Bedeutung beizumessen. «Wenn es zu einer Sperre kommt, werden wir sicherlich auch ohne ihn eine Chance haben.»
Die Münchner bemühten sich unterdessen, der erfolglosen Aufholjagd im letzten Viertel etwas Positives für die weiteren Playoff-Spiele abzugewinnen. «Die Mannschaft hat eine große Moral bewiesen», sagte Bauermann. Jared Homan, mit 17 Punkten noch bester Bayern-Akteur, gab gleich die Marschroute aus. «Wir müssen dahin zurückkommen, was wir im ersten Spiel gezeigt haben.» Im niedersächsischen Quakenbrück hatten die Bayern noch mit 82:68 gewonnen. Um dies zu wiederholen, müssen sich die Münchner aber gewaltig steigern. (dpa)
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