Montag, 24. November 2014

01. Mai 2012 21:41 Uhr

Demonstrationen

Kleinere Randale in Berlin und Hamburg nach relativ ruhigem 1. Mai

Berlin und Hamburg haben anders als in früheren Jahren einen vergleichsweise ruhigen 1. Mai ohne massive Krawalle erlebt. Zwar gab es schon in der Walpurgisnacht in beiden Großstädten vereinzelt gewalttätige Ausschreitungen zumeist linker Gruppierungen.

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Vor dem Axel-Springer-Hochhaus in Kreuzberg flogen Feuerwehrskörper auf die Polizei. Die Demonstranten protestieren in diesem Jahr gegen die Wohnungspolitik und steigende Mieten. Foto: Kay Nietfeld dpa

Und auch bei den traditionellen sogenannten revolutionären Kundgebungen zum 1. Mai flogen am Dienstagabend Steine, Flaschen und Knallkörper gegen Beamte und Gebäude. Insgesamt blieb es jedoch relativ friedlich. In beiden Städten war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz.

In Berlin-Kreuzberg kam es am Dienstagabend schon kurz nach dem Start der Demonstration mit dem Motto «Der Druck steigt - für die soziale Revolution» zu gewalttätigen Ausschreitungen. Demonstranten attackierten Polizeibeamte mit Steinen. Steine und Flaschen flogen auch gegen eine Bankfiliale. Scheiben splitterten. Eine Tankstelle wurde ebenfalls attackiert. Mülltonnen brannten, Knallkörper und Rauchbomben wurden gezündet. Polizisten, die mit einem massiven Aufgebot den Zug eskortieren, zogen sich kurzzeitig hinter einen Lastwagen zurück. Immer wieder rannten Teilnehmer aus dem schwarzen Block an der Spitze des Zuges auf Polizisten zu, schubsten und bedrängten Beamte und zogen sich dann wieder zurück.

Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf rund 10 000. Sie selbst war mit rund 7000 Beamten war im Einsatz.

Ähnliche Szenen spielten sich zur selben Zeit auch in Hamburg ab. Bei der Schlusskundgebung der revolutionären 1. Mai-Demonstration, die unter dem Motto «Keine Alternative zur Revolution!» stand, warfen Teilnehmer Flaschen, Böller und Steine auf Beamte. Zwei Polizisten wurden verletzt, wie eine Sprecherin berichtete. Einige Demonstranten waren vermummt. Rund 1400 Teilnehmer waren zuvor von den St. Pauli-Landungsbrücken über die Reeperbahn in den Stadtteil Ottensen gezogen. Schon dabei warfen einige Demonstranten Böller auf die Einsatzkräfte und zündeten bengalische Feuer.

Am Abend zuvor waren bei der Berliner Antikapitalistischen Walpurgisnacht mit rund 3000 Teilnehmern, die erstmals im alten Arbeiterbezirk Wedding stattfand, ebenfalls vereinzelt Flaschen, Steine und Böller gegen Beamte und Polizeiautos geflogen. Acht Polizisten wurden leicht verletzt. Die Polizei schritt gegen einige Vermummte ein, es gab vier Festnahmen - deutlich weniger als im Vorjahr.

Im Hamburger Schanzenviertel verlief die Walpurgisnacht nahezu ohne Zwischenfälle. Der Polizei zufolge wurden lediglich einige Mülltonnen und Abfall in der Nähe des links-alternativen Kulturzentrums Rote Flora angezündet, aber schnell wieder gelöscht.

Die Protestaktion in Berlin wurde vorzeitig beendet, nachdem etwa 200 schwarz gekleidete Demonstranten eine Menschenkette bilden wollten und die Polizei einschritt. Die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers bezeichnete den Einsatz der Beamten als sehr gelungen. «Das ist ein gutes Zeichen für den 1. Mai.» Die Polizei habe sich nicht provozieren lassen. Das Konzept der Polizei sei aufgegangen, sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) der «B.Z.» (Mittwoch). Die Einsatzkräfte seien besonnen vorgegangen, hätten aber schnell und konsequent gegen Straftäter durchgegriffen.

Die Polizei leitete gegen die vier Festgenommenen Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Widerstandes gegen Beamte ein. 2011 waren in der Nacht zum 1. Mai 58 Randalierer festgenommen worden. 25 Polizisten waren verletzt worden.

Am 1. Mai kamen tagsüber knapp 30 000 Menschen zum traditionellen Myfest im Berliner Stadtteil Kreuzberg zusammen. Die Stimmung war friedlich und entspannt. Laut Polizei zogen aber bis zu 1000 linke Teilnehmer und Vertreter von Kiezinitiativen mit einer Spontandemo durch das Myfest. Sie protestierten gegen steigende Mieten und Verdrängung aus dem Kiez. Zu sehen waren Transparente mit Parolen wie «Schnauze voll von hohen Mieten» und «Wir bleiben alle». Es kam zu einzelnen Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten. (dpa)

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