Donnerstag, 27. November 2014

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Aufklappen, auseinanderfalten, einziehen: Faltcaravans, wie es sie auf dem Caravan Salon zu sehen gibt, sind ein Mittelding zwischen Wohnwagen und Zelt. Nur eines fehlt ihnen: die Toilette.

Sie liegen irgendwo dazwischen: Es sind keine Wohnwagen, aber auch keine reinen Zelte. Die Rede ist von Faltcaravans. Sind sie zusammengeklappt, sehen sie aus wie ein kleiner Nutzanhänger für das Auto mit einem Deckel drauf. Haben sie sich in voller Pracht entblättert, steht der Campingfreund oft vor einem wahren Zeltpalast mit Grundflächen von manchmal mehr als 40 Quadratmetern. Auch Besucher des Caravan Salons in Düsseldorf (27. August bis 4. September) können sich von den Vorteilen der Klapp- oder Zeltcaravans genannten Wohnanhänger überzeugen.

«Diese Mischung ist eine tolle Lösung vor allem für junge Leute mit weniger Geld», sagt Christof Sambel vom Messeveranstalter, dem Caravaning Industrie Verband (CIVD). Die Preise für Faltcaravans starten bei etwa 5000 Euro - ein Mittelklasse-Wohnwagen, der ähnliche Wohnqualitäten biete, sei deutlich teurer. «Vollintegrierte Reisemobile haben keine besseren Betten», sagt der ADAC-Camping-Experte Lothar Angermund. Als Liegefläche dienen in der Regel die aufgeklappten Anhängerhälften.

Ihr Dasein als Zwitterwesen der Camping-Szene bringt für die Klappwohnwagen weitere Vorteile: Gegenüber regulären Wohnwagen sind sie sehr kompakt, zugleich aber komfortabler als Zelte. Ihr Gesamtgewicht liegt deutlich niedriger, weswegen sie auch von kleineren Fahrzeugen gezogen werden können. Das wiederum senkt den Spritverbrauch gegenüber dem herkömmlichen Caravan-Gespann.

«In den 1950er Jahren kamen die Zeltcaravans auf», sagt Jelle Holtkamp vom Hersteller Holtkamper. Auf dem Caravan Salon hat sich die niederländische Firma neben Mitbewerbern wie Camp-let, Trigano, 3Dog Camping und anderen in Halle 15 eingemietet. Am Stand von Holtkamper wird Besuchern auf Wunsch vorgeführt, wie schnell so ein Faltcaravan bewohnbar wird: Deckel auf, Zeltplanen in Position gebracht, ein paar Hebel ziehen, und schon haben die Mitarbeiter das Exemplar mit dem freischwebenden Vordach aufgebaut.

Bis alles installiert ist, also auch Küche und Betten, dauert es nicht lange. «In zwölf Minuten haben wir das schon geschafft», sagt Holtkamp. Regulär finden vier Personen einen Schlafplatz, mit Zusatzzelten komme aber auch eine zwölfköpfige Großfamilie unter.

Das ganze hat seinen Preis: Für knapp 10 000 Euro gibt es den Holtkamper Cocoon S, die luxuriöse Messeneuheit Kyte S Green Edition kostet mindestens 17 995 Euro. Inklusive ist dann ein Ersatzdach, falls das erste auf Dauer durch UV-Strahlung, Nässe und Schmutz Schaden nimmt. «Das Problem ist, dass Dinge heute viel zu schnell weggeschmissen werden», sagt Holtkamp. «Mit dem zweiten Zelt wollen wir die Produkte länger leben lassen.» Auf 20 bis 30 Jahre seien sie ausgelegt.

Eine lange Lebensdauer kann Campwerk für seine Produkte noch nicht nachweisen - es gibt sie erst seit diesem Jahr. Seitdem aber brumme das Geschäft: «Schon im Februar waren wir erstmal ausverkauft», sagt der Firmengründer Michael Krämer am Messestand. Womöglich liegt das am Preis: Der günstigste Zeltcaravan der Firma aus Mühlheim an der Ruhr kostet 4299 Euro. Dafür bekommt der Kunde ein Hauptzelt mit rund acht Quadratmetern Grundfläche, die durch ein Vorbauzelt verdoppelt werden kann. Für die Küche werden noch einmal 999 Euro fällig, und auch die Matratzen kosten extra.

Campwerk setzt einerseits auf niedrige Preise und andererseits auf Flexibilität als Kaufargument: Das Anhängerzelt ist auch ohne Anhänger zu bekommen. Dann kann es auf einem Trailer montiert werden, der schon in der Garage steht. «Wir nennen das unseren Heimwerkerbereich», sagt Krämer, denn passgenau ist die Lösung nicht, und deshalb ist handwerkliches Geschick erforderlich. «Beste Basis sind normale Pkw-Nutzanhänger», erklärt Krämer, «ein bis zwei Tage müssen Sie für die Montage einplanen.»

In der Regel greifen Kunden aber bei Campwerk wie bei den anderen Herstellern zu kompletten Klappcaravans - und das offenbar verstärkt. Genaue Zulassungszahlen haben zwar weder das Kraftfahrt-Bundesamt, noch der CIVD parat. Doch abgesehen von den Herstellern glaubt auch der ADAC an die wachsende Beliebtheit der Zeltanhänger. Für sein Fachmagazin «Freizeit Mobil» (Ausgabe 9/2011) hat der Club Klappcaravans getestet - bis auf SK-Camping waren alle namhaften Anbieter mit dabei -, und wurden für gut befunden. Im Fazit heißt es: «Im Test zeigten sich die rollenden Raumwunder alle durchweg solide und zuverlässig.»

Ein paar Mankos haben die rollenden Klappzelte dann doch: Der Abbau im Regen sei ein Problem, sagt Angermund vom ADAC. Spätestens nach zwei Tagen müssten nass zusammengelegte Klappwohnwagen zum Trocknen wieder aufgebaut werden, sonst drohe Schimmel und Moder. Auch Toiletten sind Mangelware. Nur das mit 25 000 Euro derzeit wohl teuerste Fahrzeug namens Opera habe eine. Auf der Messe ist der Hersteller dieses Klappcaravans, der aufgefaltet an die Oper in Sydney erinnern soll, aber nicht zu sehen.

Wer sich Gedanken über die Lizenz zum Ziehen macht, sei beruhigt: In der Regel reicht für die Klappcaravans der Autoführerschein der Klasse B. Mit einem konventionellen Caravan und einem SUV könne man beim zulässigen Gesamtgewicht dagegen schon über der Grenze liegen, erklärt Viktoria Groß vom Deutschen Camping Club.

«Der Führerschein ist gar kein Problem», betont Hans Jørn Nissen, Chef der dänischen Zeltcaravan-Firma Camp-let. Wenn kleine Autos als Zugfahrzeug dienen, können die Camp-let-Anhänger wie die weiterer Hersteller mit Auflaufbremsen geordert werden. Das ist bei Bergabfahrten eine Hilfe und wenn Gepäck im Zeltcaravan mitreist. In den Camp-let-Fahrzeugen ist dafür laut Nissen reichlich Platz vorhanden: «Acht Kisten Bier passen rein - oder wahlweise ein Tisch und vier Stühle.» (dpa)

Webseite des Caravan Salon

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