Dienstag, 29. Juli 2014

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Foto: Andrea Warnecke (dpa)

Kraftfahrer finden im Fachhandel jede Menge Zusatzstoffe für ihren Wagen. Die Additive für Sprit und Öl versprechen mehr Motorleistung, weniger Verbrauch oder sollen eine reinigende Wirkung haben. Unabhängige Experten raten ab.

Noch in den 90er Jahren war es unter Motorradfahrern und Hobby-Autotunern angesagt, Ölzusätze in den Motor zu schütten. Diese Additive ließen die Maschine angeblich durch eine hauchdünne Schicht Teflon auf Zylinderwänden, Kolbenringen, Nockenwellen und Kurbelwellenlagerung besonders leicht laufen. Damals warben die Hersteller solcher Mittel hemmungslos mit Verbesserungen im zweistelligen Prozentbereich - der wahre Nutzen war für den Otto-Normalfahrer nicht zu überprüfen. Zusätze für Sprit und Öl, die eine Wohltat für den Wagen sein sollen, gibt es auch heute noch in Hülle und Fülle. Aber was taugen sie wirklich?

Die Werbeversprechen der Hersteller sind segensreich, wenn auch etwas zurückhaltender als noch vor 20 Jahren: So gut wie alle versichern die hohe Wirksamkeit bereits bei einer Anwendung der bis zu 50 Euro teuren Additive. In der Regel handelt es sich um flüssige Stoffe, die dem Kraftstoff oder dem Motoröl beigemengt werden.

Weniger Verschleiß?

Mit den Ölzusätzen lassen sich angeblich Ölschlämme im Motor beseitigen. Oder sie sollen die Reibung und damit den Verschleiß verringern. Im Beipackzettel anderer Produkte wird eine bessere Beschleunigung und direktere Gasannahme versprochen. Die unterschiedlichen Spritzusätze sollen zum Beispiel die Motorventile von Ablagerungen befreien, die Einspritzpumpe entschlacken, den Katalysator oder Dieselpartikelfilter von Rückständen befreien oder den Kraftstoffverbrauch reduzieren.

«Bis dato hat kein Fahrzeughersteller die Verwendung freigegeben», warnt ADAC-Technikexperte Carsten Graf allerdings vor dem Einsatz solcher Additive. Denn verursachten die «Wunderwässerchen» Schäden am Fahrzeug, könne das den Verlust der Garantie oder einen abgelehnten Kulanzantrag zur Folge haben.

Kopf siegt über die Technik

Über die Wirksamkeit der Zusätze herrscht unter unabhängigen Experten Einigkeit: «Bei den allermeisten Produkten ist die psychologische Wirkung beim Fahrer deutlich stärker als die technische beim Fahrzeug», sagt Götz Michelmann vom Institut für Fahrzeugtechnik und Mobilität des TÜV Nord. «Wenn das funktionieren würde, wären die Verbindungen längst in handelsüblichen Motorölen oder im herkömmlichen Sprit enthalten», verweist der Techniker die Effektivität der Zusatzstoffe ins Reich der Fabel.

Es gebe zum Beispiel nur wenige teflonhaltige Ölzusätze, die die Reibung der Motorkomponenten um kaum messbare Größenordnungen mindern können. «Die ohnehin nicht spürbare Mehrleistung und die in winzigem Maße höhere Haltbarkeit des Triebwerks sind die Kosten und Umstände definitiv nicht wert», so Michelmann.

Besser: Öl regelmäßig wechseln

«Wer hochwertige Markenöle verwendet und die Wechselintervalle einhält, braucht für seinen Fahrzeugmotor keine weiteren Öl-Additive», ist Thomas Schuster von der Sachverständigenorganisation KÜS überzeugt. Der Ingenieur rät Laien, sich bei der Wahl des Motoröls von Werkstätten oder im Fachhandel beraten zu lassen. Denn die Öle müssen den Vorgaben des Fahrzeugherstellers und den technischen Anforderungen eines Fahrzeugmodells entsprechen. Vollsynthetiköle können bei älteren Fahrzeugen beispielsweise Dichtungen angreifen und Öllecks verursachen. Expertenrat sei daher unverzichtbar.

Auch Zusatzstoffe, die den Sprit aufpeppen sollen, hält Schuster für überflüssig: «Die modernen Treibstoffe enthalten bereits Additive, die die Verbrennung im Motor optimieren und das Kraftstoffsystem von Ablagerungen freihalten sollen.» Technisch sei damit bereits für optimalen Verbrauch gesorgt. «Der Hauptfaktor für den Spritkonsum eines Fahrzeugs sind der rechte Fuß des Autofahrers und die Gashand des Bikers», betont er.

Sprit sparen lernen

Der ADAC empfiehlt daher statt obskurer Wundermittel den Besuch eines Spritspartrainings. Bei den meist eintägigen Veranstaltungen erlernen die Teilnehmer einen Fahrstil, durch den sie den Kraftstoffverbrauch ihres Fahrzeugs um bis zu 20 Prozent verringern können. Die regelmäßige Kontrolle des Reifendrucks und der Verzicht auf unnötigen Ballast im Autokofferraum sind laut dem ADAC ebenfalls probate Mittel, um den Spritverbrauch zu zügeln.

Die Verwendung von Öl- und Spritzusätzen halten Fahrzeugtechniker wie TÜV-Experte Michelmann hingegen für Esoterik: «In der Hauptsache dient das dem Umsatz des Herstellers statt dem Wohl des Fahrzeugs oder dem Spritsparen.» (dpa)

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