Donnerstag, 23. Oktober 2014

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Foto: Thomas Geiger (dpa)

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Oldtimer: Schönheiten mit Ecken und Kanten

Als sie im Januar 1953 in einem Hotel in New York enthüllt wurde, konnte es noch keiner ahnen: Heute ist die Chevrolet Corvette eine amerikanische Ikone und einer der meistverkauften Sportwagen der Welt. Dabei war der Anfang alles andere als glorreich.

Draußen ist es nass und bitterkalt. Doch drinnen im Hotel Waldorf Astoria in New York drängt sich die Masse um einen schnittigen Roadster. Wir schreiben den Januar 1953, und General Motors gewährt bei der Wanderausstellung «Motorama» vor 60 Jahren den ersten Blick auf die Chevrolet Corvette.

Gezeichnet von Stilikone Harley Earl ist der offene Zweisitzer mit dem Codenamen XP-122 nicht nur das erste Nachkriegscabrio in Amerika. Mit ihm wollen seine Schöpfer auch zeigen, dass ein Sportwagen aus den USA den Ton auf der Überholspur angeben kann. Denn während die Amerikaner zu dieser Zeit die größten Straßenkreuzer bauen, kommen die sportlichen Autos noch immer aus Europa.

Das wurmt Earl derart, dass er seinen Vorstand schon im Sommer 1952 so lange bearbeitet, bis er die Freigabe für den Wagen bekommt. Allerdings muss er mit dem Geld haushalten und setzt auf eine Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Sie ist billiger als eine Stahlkonstruktion und freut die Fans noch heute. Denn Rost an der Karosserie ist für die Corvette kein Thema.

Das Echo auf den weißen Roadster mit den roten Ledersitzen im Ballsaal des New Yorker Hotels ist so gewaltig, dass Earl endgültig grünes Licht bekommt. Die Corvette geht noch im Sommer in Produktion. Damit beginnt die Geschichte eines der erfolgreichsten Sportwagen der Welt. Die ersten paar hundert Exemplare wurden General Motors aus der Hand gerissen. Doch es gibt noch einmal einen Rückschlag.

Zum einen ist die Produktion der revolutionären Fiberglaskarosse komplizierter als gedacht. Und zum anderen sind die Fahrleistungen der Corvette lange nicht so verheißungsvoll wie ihr Design. Um dem Kostendiktat gerecht zu werden, hat Earl einen Vorkriegssechszylinder aus einem Pick-up eingebaut. Der hat imposante 3,8 Liter Hubraum, leistet aber nur 110 kW/150 PS und bringt das Auto mit Mühe auf 170 km/h - damit ist gegen Europäer wie den Jaguar XK 120 nicht anzukommen. Als die erste Euphorie verebbt, ist erst die halbe Jahresproduktion verkauft. Zwei Jahre nach dem Debüt steht die Corvette auf der Kippe.

Chevrolet reagiert mit neuen Motoren: Ein V8-Motor mit anfangs 4,3 Litern Hubraum und 143 kW/195 PS ermöglicht endlich Fahrleistungen, die zum Design passen. Immerhin sind damit knapp 200 km/h möglich. Der Verkauf zieht wieder an. Von da an wird die Corvette zur amerikanischen Ikone und zum Inbegriff des Achtzylinderautos.

Eine Tour mit einem Roadster aus jenen Jahren ist wie die rasante Reise in eine Zeit, in der die Musik noch aus der Jukebox statt dem MP3-Spieler kommt. So lässt man sich in die winzigen Ledersessel fallen, befördert das ohnehin nie so richtig dichte Stoffdach zurück unter die Klappe und rückt noch einmal die Sonnenbrille zurecht, bevor man den Schlüssel im Zündschloss dreht.

Der Motor ist sofort da und quittiert jeden Gasstoß mit einem heiseren Röhren. Nur das Losfahren ist nicht so ganz einfach. Im Fußraum geht es verdammt eng zu, und der fragile Schaltknauf muss seinen Weg durch die hakeligen Gassen finden. Doch dann ist der erste Gang eingelegt, und es geht vorwärts.

Nach ein paar Minuten verwandelt sich die deutsche Landstraße in einen amerikanischen Highway - zumindest in der Vorstellung des Fahrers. Was dem Auto zu heutigen Sportwagen an Leistung fehlt, macht es mit Leichtfüßigkeit wett: Kaum 1300 Kilo schwer, klein und handlich, wieselt die Corvette um die Kurven, als wäre Fliehkraft für sie ein Fremdwort. Und wem dabei der Nervenkitzel fehlt, der sich im aktuellen Modell jenseits von 300 km/h wie von selbst einstellt, der muss mit dem Oldtimer bei Regen vor die Tür. Ohne jede Fahrwerkselektronik braucht es schon einige Fahrkünste, um die Corvette im Drift um die Ecken zu scheuchen.

Den Rutsch in die Leitplanke sollte man allerdings nicht riskieren, denn die Corvette C1 ist teuer: Frühe Fahrzeuge im gutem Zustand führt Classic Data derzeit mit mehr als 70 000 Euro. Selbst jüngere Modelle mit einer schlechten Bewertung taxiert der Marktbeobachter auf rund 23 000 Euro.

Nachdem die erste Corvette mit dem Achtzylinder doch noch zum Dauerbrenner wurde, hat Chevrolet regelmäßig eine neue Generation aufgelegt und den Sportwagen nie aus dem Programm genommen. Seit der zweiten Auflage als Cabrio und Coupé und fortan nur noch mit V8-Motor erhältlich, fährt die Corvette mittlerweile in der sechsten Generation. In 60 Jahren wurde die Corvette mehr als 1,5 Millionen mal verkauft. Und die Geschichte geht weiter: Mitte Januar zeigen die Amerikaner auf der Motorshow in Detroit die Corvette Nummer sieben. Viele Details sind noch nicht bekannt, aber zwei Dinge stehen fest: Sie wird wieder zwei Sitze und acht Zylinder haben. (dpa)

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