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Egal ob Einfamilienhaus, Schule oder Altenheim: In den vergangenen 20 Jahren sind Tausende energiesparende Passivhäuser in Deutschland entstanden. Dank der Serienproduktion von Bauteilen haben sich inzwischen auch die Kosten deutlich verringert.

Mit der angestrebten Energiewende in Deutschland gewinnt energiesparendes Bauen noch stärker an Bedeutung - die Mehrkosten für die sogenannten Passivhäuser sind nach Angaben des Bauexperten Ludwig Rongen bereits stark gesunken. Dieser Haustyp hat sich aus Sicht Rongens in den vergangenen 20 Jahren zu einer weltweit anerkannten Marke entwickelt. Egal ob als Ein- oder Mehrfamilienhaus, Klinik oder Altenheim - der Standard sei überall umsetzbar, sagte der Professor an der Fachhochschule Erfurt: «Es gibt keine Grenzen mehr - weder in der Größe noch in der Funktion.»

Rongen zeigte sich überzeugt, dass angesichts steigender Energiepreise das Passivhaus in den kommenden Jahren weiter Auftrieb erhalten wird. Inzwischen seien die Mehrkosten im Vergleich zu einem herkömmlichen Neubau stark geschrumpft. Je nach Komfort lägen sie bei etwa fünf bis zehn Prozent der gesamten Baukosten. Denn viele Bauteile wie die dreifach verglasten Fenster würden mittlerweile in Serie hergestellt. «Kosteten diese Fenster anfangs noch das Zweieinhalbfache eines herkömmlichen Fensters, sind es heute nur noch etwa 10 bis 20 Prozent mehr», sagte Rongen. Die stärkere Dämmung erfordere zwar mehr Material, aber keinen zusätzlichen Arbeitsgang.

Bei einem Passivhaus dürfen pro Jahr höchstens 1,5 Liter Öl je Quadratmeter zum Heizen verbraucht werden. Erreicht wird dies etwa mit besonders starker Dämmung von Wänden und Fenstern sowie durch die Rückgewinnung der von Bewohnern und Elektrogeräten abgegebenen Wärme im Belüftungssystem. Nach Berechnungen des Darmstädter Passivhaus-Instituts können so im Vergleich zu einem herkömmlichen Neubau mehr als 75 Prozent an Energie eingespart werden.

Rongen zufolge gibt es in Deutschland und Österreich inzwischen mehr als 25 000 Passivhäuser. Gemessen an der Gesamtzahl der Neubauten sei der Anteil aber noch ausbaufähig. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes entfielen von den im Jahr 2010 mehr als 94 000 erteilten Baugenehmigungen für Wohngebäude nur knapp 500 auf Passivhäuser. Der Großteil waren Eigenheime. Bei Nichtwohngebäuden waren es von knapp 13 000 Baugenehmigungen 24 nach Passivhaus- Standard. Dieser Gebäudetyp wurde nach Angaben der Statistiker 2010 erstmals separat erhoben, Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor.

Der Experte, der selbst an etlichen Passivhaus-Projekten mitgewirkt hat, sprach sich dafür aus, den Standard für einige Gebäudearten gesetzlich vorzuschreiben. «Besonders gut geeignet sind Passivhäuser bei großen Gebäuden mit hoher Belegung wie Altenheime und Schulen», erläuterte er. «80 Personen sind 80 Heizkörper, und ein gesunder Mensch bringt knapp 100 Watt Heizlast.» Zugleich sprach er sich dafür aus, die Extraförderung, die es in einigen Bundesländern neben der KfW-Förderung für solche Gebäude gibt, abzuschaffen und stattdessen in Aufklärung über Passivhäuser zu stecken. Die Bauten rechneten sich inzwischen auch ohne diesen Zuschuss. (dpa)

Infos zum Passivhaus-Standard

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