Mittwoch, 1. Oktober 2014

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Foto: Anne Wall

Zu den größten Glücksmomenten im Leben gehört sicher die Geburt eines Kindes. – selbst wenn es nicht das eigene ist. Doch wie steht es, wenn Geburten zum „Tagesgeschäft“ gehören, wie bei Hebammen?

Birgit Waldmann unterhielt sich darüber mit Waltraud Brand-Reindl, die seit 1975 als freiberufliche Hebamme am Josefinum in Augsburg tätig ist und 2007 vom Elternmagazin „Leben & Erziehen“ zur „Hebamme des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

Wie kam es zu der Auszeichnung?

Waltraud Brand-Reindl: Das Magazin forderte damals seine Leser auf, eine Hebamme vorzuschlagen. Das tat dann auch eine Mutter, die alle ihre sieben Kinder bei mir entbunden hat.

Wie viele Kinder ungefähr haben Sie denn mitgeholfen zur Welt zur bringen?

Brand-Reindl: Das waren sicher über 10  000, was nicht nur daran liegt, dass ich seit über 36 Jahren den Beruf ausübe, sondern auch daran, dass das Josefinum eine der größten Entbindungskliniken Deutschlands ist.

Ist eine Geburt dann noch etwas Besonderes oder gar ein Glücksmoment für Sie oder pure Routine?

Brand-Reindl: Nein, Routine keinesfalls, jede Geburt ist etwas Besonderes. Man freut sich mit den Müttern, wenn alles gut gegangen ist. Aber man muss diesen Beruf grundsätzlich mit Liebe machen. Das ist bei mir der Fall. Alles andere, auch das Privatleben, muss dafür zurückstehen, denn man ist rund um die Uhr in Bereitschaft. Es ist eben kein Bürojob, sondern eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe, besonders als freiberufliche Hebamme.

Können Sie Ihren Beruf trotzdem empfehlen?

Brand-Reindl: Ja, wenn jemand bereit ist, vollen Einsatz zu bringen und selbst auf vieles zu verzichten – auch auf eine eigene große Familie. Denn es ist ein so schöner Beruf, der einen erfüllt und glücklich macht, wenn man ihn gerne ausübt. Ein Mittelweg wäre vielleicht eine Anstellung als Hebamme in einem Krankenhaus mit geregelten Arbeitszeiten.

Was hat sich bei Geburten im Rückblick auf Ihre Berufsjahre verändert?

Brand-Reindl: Nun, auf jeden Fall die Zahl der Väter im Kreißsaal. Außerdem sind die Mütter heute stillfreudiger als zu Beginn meiner Berufstätigkeit. Das finde ich gut, denn so bauen sie eine viel engere Beziehung zu ihren Kindern auf. Grundsätzlich sind die Mütter heute im Schnitt älter und die Kinder größer und schwerer geworden. Gebärende dürfen sich heute auch mehr bewegen – früher mussten sie immer liegen. Und nach der Geburt blieben sie zehn Tage in der Klinik, heute können sie das Krankenhaus, wenn sie wollen, nach der Geburt verlassen. Die Nachsorge wird dann in Hausbesuchen von uns Hebammen durchgeführt. Es gab aber auch technische Veränderungen in der Geburtshilfe durch die Einführung des CTG (Aufzeichnungsgerät der Herzschlagfrequenz des ungeborenen Kindes und der Wehentätigkeit bei der Mutter, Anm. d. Redaktion) und der PDA (Periduaralanästhesie, Rückenmarksnarkose, Anm. d. Red.). Insgesamt hat sich viel zum Positiven verändert.

Ein Trend ist heute ja die geplante Geburt, der Kaiserschnitt aus Angst vor Schmerzen oder weil ein Wunschtermin, Beispiel 12.12.12, vorliegt. Können Sie das bestätigen?

Brand-Reindl: Nein, wir hatten keine Anfrage bezüglich dieses letzten Datums. Die Kinder sollen auf die Welt kommen, wann sie wollen, nicht wann die Mütter es möchten.

Zum Abschluss: Was war Ihre erinnerungswürdigste Geburt?

Brand-Reindl: Die meiner eigenen Tochter.

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