Samstag, 20. Dezember 2014

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Foto: Diagentur dpa

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Nicken, lächeln, weitermachen: Mit genügend Gelassenheit funktioniert das. Doch oft fehlt sie einem, besonders in Beziehungen. Ein Stück näher kommt ihr, wer seinem Partner erklärt, wie er tickt - und wann er austickt.

Sind die Wolken in der Beziehung noch rosarot, will man alles vom anderen erfahren. Jedes Detail zählt, kein Thema wird ausgespart. Ist diese Phase vorbei, werden die Gespräche weniger, die Freunde des anderen sind nicht mehr so interessant, und den Mund will man sich auch nicht mehr fusselig reden. Ist das Gleichgültigkeit, Gelassenheit oder der ganz normale Alltag?

«Gleichgültigkeit kann es in der Liebe nicht geben», sagt Dariush Barsfeld, Psychologe in Darmstadt. Denn Menschen, die einem egal seien, liebe man nicht. Mit der Gelassenheit sieht es da schon anders aus. «Wenn man beispielsweise die Freunde des neuen Partners oder der neuen Partnerin kennengelernt hat, bei der freitäglichen Joggingrunde mitgelaufen ist und bei einem offiziellen Termin dabei war, ist möglicherweise die Neugier gestillt», ergänzt Jörg Wesner, Paarberater in Hamburg.

Mit Gleichgültigkeit habe das aber nichts zu tun, sondern mit Vertrauen und Vertrautsein. «Man hat einfach nicht mehr das Bedürfnis, alles mit dem anderen gemeinsam machen zu müssen», sagt Wesner. In diesem Stadium falle es leichter, gelassener mit Vorlieben oder Hobbys des anderen umzugehen - auch wenn man sie selbst nicht teilt.

Dies sei aber auch gar nicht nötig: «Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass zwei Menschen als Paar völlig verschmelzen und eine perfekte Ergänzung bilden», sagt Barsfeld. «Jeder bleibt ein Individuum, mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen.» In diesem Punkt könne man Beziehungen mit Freundschaften vergleichen: «Von einem Freund erwarte ich auch nicht, dass ich alles mit ihm teilen kann und dass er mir die Wünsche von den Augen abliest.»

Für die Psychologin und Buchautorin Felicitas Heyne bedeutet Gelassenheit, vom anderen nicht zu erwarten, dass er alle Ansprüche erfüllt. «Ich selber muss mich um meine Bedürfnisse kümmern, nicht mein Partner.» Wer das verinnerlicht habe, könne in der Regel sehr viel gelassener reagieren.

Nicht immer ist aber Gelassenheit drin, wo Gelassenheit draufsteht. Oft werden damit verletzte Gefühle übertüncht, etwa wenn der Partner den Kneipenabend mit Freunden dem gemeinsamen Kinobesuch vorzieht. «So ein 'Dann eben nicht' oder 'Wie du meinst' gaukelt nur vor, dass es einem egal ist», sagt Heyne. Doch genau dann wird es für eine Partnerschaft bedrohlich. «Die Rollladen gehen runter, und der Austausch zwischen den Partnern ist unterbrochen.»

Meist habe die vorgespielte Gelassenheit etwas mit einem selbst zu tun. «Ich werde dann an einem wunden Punkt getroffen, der gar nichts mit dem Partner zu tun hat», sagt Heyne.

Um solchen Enttäuschungen vorzubeugen und eine echte Gelassenheit zu gewinnen, hilft nur eins: «Reden, reden, reden - auch wenn das banal klingt», sagt Barsfeld. Paare würden, abgesehen von der ersten Verliebtheitsphase, zu wenig über ihre Gefühle und Bedürfnisse reden, dafür mehr über die Alltäglichkeiten. Doch wer dem anderen nicht erkläre, was ihn stört, zwinge ihn zum Raten. Missverständnisse sind so kein Wunder.

Oft sei es selbst gar nicht leicht, die eigenen Mechanismen zu verstehen. Doch wer durchschaut, warum er in der einen Situation ganz entspannt reagiert, in der anderen dagegen aufbraust, kann seinem Partner besser erklären, wie er tickt. So lässt sich mancher Aufreger umschiffen.

Außerdem raten die Psychologen zu einer gesunden Portion Pragmatismus. «Warum soll man sich aufregen, dass die Partnerin jeden Freitag mit den Freundinnen ausgeht, wenn man den Abend selbst gern mit Freunden verbringt oder auch mal allein ist?», fragt Barsfeld. Entscheidend sei, wie stark ein solcher Konflikt tatsächlich die Beziehung beeinträchtigt. «Manchmal entspricht es nur nicht den Normen, aber das Paar ist trotzdem ganz zufrieden damit, wenn es ehrlich ist.» (dpa)

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