Mittwoch, 22. Oktober 2014

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Foto: Helmut Bissinger

Die Stadt Wertingen zeigt in ihrem Radiomuseum eine Ausstellung mit 300 Geräten und weckt Erinnerungen an alte Zeiten. Ob Schellackplatten oder Radios - hier gibt es Nostalgie pur. Von Helmut Bissinger und Erich Wandschneider.

Die meisten Apparate funktionieren noch. Alfred Sigg kramt eine alte Schellak-Platte hervor und legt sie auf einen der Uralt-Plattenspieler: Rudi Schurickes Stimme wird lebendig. „Kein Vergleich mit den Klangqualitäten von heute“, räumt Sigg ein, „aber hiermit unvergesslich“.

Nicht alt - nostalgisch

Im Wertinger Radiomuseum gibt es mittlerweile rund 300 alte Geräte zu bewundern, darunter über zwei Dutzend Plattenspieler. Die meisten Apparate funktionieren noch. Sie sind repariert und wenn Alfred Sigg, der Museumsreferent des Wertinger Stadtrats, bei guter Laune ist, lässt er ein Konzert aus allen Ecken und Regalen losbrechen.

Sigg hat auch seltene Preziosen in der Sammlung. Er zeigt auf ein Brammofon aus den 30er Jahren, das der Wertinger Rudolf Spiegler dem Museum als Dauerleihgabe überließ. Das Zusamstädtchen ist keine Technikerstadt, in der vielleicht Radios produziert worden wären. Aber in Geratshofen, unweit von Wertingen, lebt der heute 71-jährige Heinz Hippele, der schon als Bub von alten Radiogeräten fasziniert war. Der gelernte Kfz-Mechaniker sammelte 70 antike Radiogeräte - alle voll funktionstüchtig. Vor fünf Jahren rief er spontan Alfred Sigg an und bot ihm die Sammlung kostenfrei an. Die Stadt schuf Platz in der Mansarde der früheren Berufsschule. Dort fanden die Radios ihren Platz.

Der Tod ist nicht das Ende

Drei lange Jahre ging dann nichts mehr voran. Das Projekt Radiomuseum lag auf Eis. Heinz Hippele hatte in früheren Jahren guten Kontakt zu einem Meitinger Sammler, Hans Wald. Der hatte 150 Geräte, viele aus den 30er Jahren in seinem Haus zusammengetragen. Der Feinmechanikermeister Wald war 2003 verstorben. Seine Witwe, Berta Wald, trennte sich von den „Schätzchen“, die nun ebenfalls in Wertingen ausgestellt sind.

Als sich herumsprach, dass in Wertingen ein Radiomuseum eingerichtet wird, kamen spontan weitere Geräte dazu - das ist auch heute noch so. Raritäten waren dabei, wie zwei Musikboxen des Wertingers Otto Killensberger und des Langenreicheners Erwin Fischer, aber auch Einzelstücke, Volksempfänger, Plattenspieler aus den 60er Jahren und Hunderte von Schallplatten.

Viele Erinnerungen

Mit den alten Geräten verbinden die meisten Menschen viele Erinnerungen und so gibt es in den Räumen des Museums immer wieder Gesprächsstoff. Im Erdgeschoss der Berufsschule haben Vereine ihr Domizil, hoch oben ist das Radiomuseum untergebracht.

Das älteste Stück stammt aus dem Jahr 1929. Dieser Eumig-Wechselstromempfänger war vor 93 Jahren eine kostspielige Anschaffung, aber damals erlebte das Radiowesen einen ähnlichen Siegeszug um die Welt wie heute ds Internet. Der deutsche Physiker Heinrich Hertz hatte 1866 bis 1888 die elektromagnetischen Schwingungen untersucht.

Lebendige Vergangenheit

In der Folge führte das dazu, dass deutsche Militärs im Ersten Weltkrieg 1917 erste Radioübertragungen organisierten. 1920 wurde in den USA der erste Rundfunksender mit regelmäßigen Ausstrahlungen gegründet und schon 1923 gab es den Deutschen Rundfunk Berlin. Und dann kam die Explosion: Im Jahr 1924 zählte man in Deutschland 90 000 Hörer und 1934 bereits fünf Millionen Hörer.

„Gerade für ältere Besucher wird die Vergangenheit lebendig“, berichtet Alfred Sigg. Wer will, kann in einer alten Wurlitzer-Musikbox sogar einen Heintje-Ohrwurm wählen: „Heidi Bumbeitschi-Bumbum“.

Auf einen Blick

  • Das Museum liegt in der früheren Berufsschule in Wertingen gegenüber dem Grundschuleingang.
  • Das Museum ist nicht dauerhaft geöffnet. Besucher sollen sich im Rathaus (Telefon 08272/84196) anmelden.
  • In Wertingen gibt es noch zwei weitere städtische Museen: das Heimatmuseum im Schloss und das Ofenmuseum der Familie Denzel.

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