Mittwoch, 17. September 2014

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Foto: Amaro-Hof

Nicht jedes Ferkel hat ein glückliches Leben. Im Gegenteil. Auf dem Amaro-Hof, einem Gnadenhof in Rommelsried, hat man hingegen ein Herz für die Glücksbringer - und natürlich auch für andere Vierbeiner. Von Martina Bencec.

Im Westen von Augsburg, im beschaulichen Rommelsried, gibt es einen Hof, wo die Welt für Tiere noch in Ordnung ist, oder besser gesagt: endlich in Ordnung ist. Denn wer hier wohnt, hat zum Teil schon schlechte Zeiten gesehen und hier seine Rettung gefunden.

Doch von Anfang an: Eigentlich ist der Amaro-Hof ein Reiterhof. Seit mehr als 14 Jahren beherbergt Angela Mayr dort eine Pferdeherde im Offenstall direkt am Haus. Darunter den Wallach Rubin von der Trabrennbahn, die Stute Sunny mit einer unheilbaren Pferdekrankheit, Jeronimo, der nach einer Tumorerkrankung hier wieder aufgebaut wurde sowie drei weitere Pferde.

Wer genauer schaut, sieht hier auch viele andere Tiere.

Den Kater Balou etwa, der nach einem Sturz in ein Altölfass nur dank der Pflege durch die Tierfreundin sein Augenlicht behalten konnte, Kater Sergio, der eingeschläfert hätte werden sollen, weil er nicht selber fressen konnte, Kater Shadin, der als Baby starke Hüftprobleme hatte – seine Hinterbeine grätschten immer weg, sowie zwei weitere Samtpfoten.

Dazu der Hahn Paloma und die Hennen Sarah, Aisha, Henriette und Pauline, Enterich Emil, der schon 21 Jahre alt ist, Adonis, Albatros und Simba, die Kaninchen Monty – mit einem teilamputierten Hinterfuß –, Tarik sowie Zora aus dem Tierheim und Sofia, ein Deutscher Riese, der geschlachtet werden sollte. Außerdem sind da noch die Hunde Rufus und Charly.

Reiten ist nicht alles

Wen wundert es bei so viel Tierliebe, dass es auch bei den Kindern, die hier reiten lernen, nicht nur um die Technik beim Traben geht. Sie lernen hier vielmehr, sich in ein Tier hineinzuversetzen, um zu erkennen, wie es fühlt, denkt und kommuniziert. „Für uns sind Pferde keine Sportgeräte“, erklärt Angela Mayr.

Wer hier landet, hat also Schwein gehabt. Das trifft auch für zwei Ferkelchen zu. Von einer Tierschützerin aus einem Maststall bei Dillingen freigekauft, waren sie auf der Suche nach einem guten Plätzchen und landeten so auf dem Amaro-Hof.

Hier wurde für die rosafarbene Mila und den gefleckten Askim ein Gartenhäuschen zum Schweinestall umgebaut, mehrere Tonnen Wandkies und Riesel in den Auslauf geschaufelt, um Stallmatten mit Gefälle verlegen zu können, und Strom für Licht und einen Heizstrahler verlegt. Die Tiere sollten ja auch im Winter eben und trocken stehen können.

Leidenschaft im Schlamm

Doch schon bei der ersten Besichtigung des Geheges nahmen die neuen Bewohner mit Wonne alles wieder auseinander. Offenbar war es ihre Lieblingsbeschäftigung, den Auslauf mit ihren Rüsseln sorgfältig umzupflügen und wie die Goldgräber das ganze Grundstück nach Schätzen wie Würmern und sonstigen Krabbeltieren systematisch Zentimeter für Zentimeter zu durchwühlen.

„Erst hatten wir riesige Mühe, die beiden in den Stall zu bringen“, erzählt Mayr weiter. „Sie wollten auf keinen Fall rein. Aber als sie dann endlich entdeckt hatten, dass da drin nichts Schlimmes auf sie wartete, kuschelten sie sich aneinander und schliefen gleich ein. Seitdem gingen sie bei Dämmerung immer ganz von selbst rein, und verkrochen sich unter einem Haufen Heu.“

Immer in Aktion

Untertags waren die beiden immer in Aktion. Mila verstand schnell, dass man für „brav sitz!“ ein Leckerchen erhält, und Askim legte sich bei „Bauchi kraulen“ sofort flach auf den Boden, wo er alle viere von sich streckte.

„Ich habe viel von ihnen gelernt“, resümiert Mayr. „Zum Beispiel hielten sie ihren kompletten Stall immer sauber. Im Auslauf hatten sie ein Plätzchen ausgesucht, wo sie immer hinsausten, wenn sie mal ‚für kleine Schweinchen‘ mussten.“ Trotzdem: Wer Tiere hält, und sei es auch ein Gnadenhof, muss Verantwortung übernehmen und die Tiere nicht nur retten, sondern auf die Dauer artgerecht unterbringen können. Nur dann ist es Tierliebe. „Nachdem die Ferkel jedoch den vorbereiteten Stall umgepflügt und die Stallmatten herausgebuddelt hatten, gab es keinen befestigten ebenen Boden mehr im Auslauf“, erzählt Mayr, „spätestens im Winter hätte es Probleme gegeben.

Dann kam der Winter

Ein Teil des Auslaufs hätte so gebaut werden müssen, dass er von den kleinen Rüsselnasen nicht hätte umgepflügt werden können. Das wäre aber vor dem Winter nicht zu schaffen gewesen – weder zeitlich noch finanziell. „Traurig musste ich einsehen, dass ich den Ferkeln in der nasskalten Jahreszeit keine artgerechte Haltung bieten konnte. Deshalb suchten und fanden die Vorbesitzerin und ich einen optimaleren Platz für sie.“

Für Angela Mayr steht jedoch fest: Sollte sie je die finanziellen Mittel haben, will sie unbedingt eine Fünf-Sterne-Schweinevilla mit stabilem Auslauf und zusätzlich genügend Platz zum Buddeln und Suhlen bauen, und dann noch einmal ein paar Schweine retten.

Echte Glücksschweinchen

Askim und Mila sind echte Glücksschweinchen. Sie stammen aus einem konventionellen Schweinemastbetrieb und wurden von einer Tierschützerin aus einer Gruppe Ferkelchen freigekauft. Ihnen blieb ein trauriges Schicksal erspart, denn in „normalen“ Schweinemastanlagen leben die Tiere eng aneinander gepfercht auf Spaltenböden. In ihrem ganzen Leben dürfen sie nicht einmal im Freien rennen und sehen nur ein einziges Mal Sonnenlicht, und zwar an dem Tag, an dem zum Schlachter kommen.

Schweinemütter stehen oft jahrelang in grausamer Ständerhaltung. Sie können sich nicht einmal nach ihren Babys umdrehen. Der enge „Kastenstand“ ermöglicht nur eine Auf- und Abbewegung.

Aktiv in der „Schweinerettung“ ist auch der Verein Rüsselheim e.V. aus Allmannshofen (Landkreis Augsburg), der finanziert durch Spenden, Schweine und andere Nutztiere aus Mast- und Zuchtbetrieben freikauft. Er ist gerade dabei, den ehemaligen Mastbetrieb in Buttenwiesen – aus dem auch Mila und Askim stammen – in einen Gnadenhof umzuwandeln.

www.amaroverlag.de

www.ruesselheim.com

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