Montag, 24. Juli 2017

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Schläge und Demütigungen sind für viele Frauen in der Europäischen Union an der Tagesordnung. Betroffene wagen es laut der Autorin einer neuen Studie aber oft nicht, sich jemandem anzuvertrauen.

Millionen Frauen sind in der Europäischen Union von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Jede dritte Frau hat derartige Übergriffe schon erlebt. Das geht aus einer Studie der EU-Grundrechte-Agentur (FRA) hervor. Für die Studienautorin Joanna Goodey liegen zu viele Probleme noch im Dunkeln:

Welches Ergebnis der Studie hat Sie am meisten überrascht?

Goodey: Tatsächlich war ich von vielen Ergebnissen überhaupt nicht überrascht. Was mir durch die Studie klar wurde, sind die sehr hohen Zahlen von sexueller Belästigung. Vor allem, dass Frauen in Top-Positionen von so vielen Übergriffen berichteten. Auch das Problem mit Stalking ist sehr groß. Das ist ein Thema, das viele erst langsam anerkennen. Frauen betrifft das oft über einen langen Zeitraum und führt dazu, dass sie ihren Lebensstil ändern müssen. Generell sind viele Probleme versteckt. Frauen reden schon untereinander nur selten und noch weniger offen darüber.

Ein Phänomen sind laut Ihrer Studie Belästigungen im Internet. Wie können Soziale Plattformen dagegen vorgehen?

Goodey: In England gab es einen Fall, in dem eine Frau regelmäßig auf Twitter belästigt wurde. Doch statt darüber zu schweigen, wie der Großteil der Betroffenen, machte die Frau das öffentlich. Twitter stand daraufhin unter großem Druck und machte es leichter, Missbrauch zu melden. Zuvor musste man praktisch jeden Vorfall einzeln melden. Wenn man aber 30 Vergewaltigungsdrohungen pro Tag bekommt, muss das einfacher gehen. Das ist Aufgabe der Internetprovider. Denn das hat nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun.

Welches Bewusstsein gibt es in Europa über die Verbreitung von Gewalt gegen Frauen im Vergleich zu religiöser oder rassistischer Diskriminierung?

Goodey: Das ist ein schwieriger Vergleich, aber die Aufmerksamkeit für diese Themen hat oft einen politischen Hintergrund. Bei Gewalt gegen Frauen denken viele, dass wir uns schon in den 1980er Jahren damit beschäftigt haben und seitdem auch Gleichbehandlungsgesetze haben. Viele fragen sich, wo das Problem liegt. Der Kern der Sache ist aber noch nicht thematisiert worden. Das liegt vielleicht daran, dass wir uns seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vermehrt mit Islamfeindlichkeit beschäftigen. Aber Gewalt gegen Frauen ist kein Problem von Minderheiten. (dpa)

Die Kriminologin Joanna Goodey leitet die Abteilung Freiheit und Justiz in der EU-Grundrechte-Agentur (FRA) in Wien.

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