Freitag, 29. August 2014

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Foto: Mascha Brichta, tmn

«Das mache ich, wenn ich Rentner bin»: Mit dem Ende des Arbeitslebens erhoffen sich Senioren, Zeit für die schönen Dinge zu haben. Planlos sollten sie dieses Ereignis aber nicht auf sich zukommen lassen

Fast anderthalb Millionen Menschen gehen jedes Jahr in Deutschland in den Ruhestand. Die meisten Ruheständler sind dann erst Anfang 60, fit, aktiv und haben noch viele Jahre vor sich. Geplant wird diese Phase oft nicht, stattdessen lassen viele ältere Arbeitnehmer den Ruhestand auf sich zukommen - und fallen dann in ein Loch.

Das muss nicht sein, sagt Sigi Clarenbach, Sozialpädagogin an der Evangelischen Akademie Bad Boll. Sie bereitet angehende Ruheständler in Seminaren auf den neuen Lebensabschnitt vor. Geht es nach ihr, sollte die Vorbereitung auf den Ruhestand schon zehn Jahre vorher beginnen.

"Endlich Rente!"

«Die Leute, die heute in Rente gehen, sind fitter, gesünder und offener als früher», sagt Clarenbach. «Sie freuen sich auf die Rente.» So ging es auch Wolfgang Stäbler. Der Service-Ingenieur hatte sich jahrelang bei der Telekom um Probleme der Kunden gekümmert. Mit 62 Jahren ging er in den passiven Abschnitt seiner Altersteilzeit - und fuhr erst einmal mit seiner Frau in den Urlaub. Vorbereitet hat er sich auf den neuen Lebensabschnitt nicht.

Der Absturz kann trotzdem noch kommen, weiß Stephanie Uhlig. Die Personalentwicklerin unterscheidet drei problematische Kategorien von angehenden Ruheständlern. Danach ist Stäbler ein sogenannter Vermeider. Vermeider lassen den Ruhestand ungeplant auf sich zukommen und schalten erst einmal ab.

Nach der Entspannung werden neue Projekte gestartet

Gerade Menschen, die vorher viel gearbeitet und sich über ihre Arbeit definiert haben, finden sich in dieser Kategorie. Nach der Phase der Entspannung kommt der Absturz und die Erkenntnis, dass man in der Firma ersetzbar ist. Dann starten Vermeider schnell neue Projekte.

Bei den sogenannten Übermotivierten beginnt der Aktionismus direkt nach dem Eintritt in den Ruhestand. «Sie wollen im Ruhestand alles machen, was sie vorher nicht machen konnten: Motorrad fahren, Fliegenfischen lernen oder den Jagdschein machen», sagt Uhlig. Der Plan, sich mit all den neuen Möglichkeiten vom Berufsende ablenken zu können, geht nicht auf. Enttäuschung macht sich breit, und wie beim Vermeider kommt die Erkenntnis, dass man nicht mehr gebraucht wird.

Auch nach dem Beruf braucht der Alltag Struktur

Am besten dürfte es denjenigen gehen, die Uhlig Realisten nennt. Er ist noch während seiner Berufstätigkeit in soziale Projekte oder Sportvereine eingestiegen und hat sich eine Struktur für die Zeit nach dem Beruf aufgebaut.

Mitte 50 ist der Zeitpunkt, an dem man sich fragen sollte: Kann ich die nächsten zehn Jahre noch durchhalten? Wo will ich noch hin? «Fünf Jahre vor dem Ruhestand sollte sich jeder Ruheständler überlegen, was ihm die Arbeit außer einem regelmäßigen Gehalt noch bietet», empfiehlt Clarenbach. Ehrenamtliche Aufgaben oder Sport im Verein können neue Quellen für Anerkennung sein.

Zunächst einmal kann aber eine Auszeit sinnvoll sein. Clarenbach empfiehlt direkt nach dem Ausstieg aus dem Beruf eine Ruhephase, um mit dem Berufsleben bewusst abzuschließen. Dann kommt vielleicht das Engagement in einem Verein infrage, das nun ausgeweitet werden kann und weiterhin Halt und Struktur bietet. (dpa)

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