Dienstag, 12. Dezember 2017

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Das Kind ist da - und plötzlich sind die frischgebackenen Eltern ziemlich oft allein zu Hause. Wer dann das Bloggen anfängt, ist dank Online-Community nicht mehr ganz so einsam. Vielleicht gibt es deshalb immer mehr Mami- und Papiblogs.

Die Kunst des Windelwechselns oder lange wache Nächte - Mami- und Papiblogs nehmen sich den Alltäglichkeiten des Lebens mit Kindern an. Und genau das macht sie so erfolgreich. «Mütter vor 20 Jahren trafen sich auf dem Spielplatz, beim Abholen aus dem Kindergarten», sagt Gerlinde Gailer, Familien- und Erziehungsberaterin aus Halle. Die Blogs seien eine Erweiterung dieser Treffen und des Austauschs.

Gerade in der Anfangszeit binden die Kinder ans Haus, erklärt Gailer. «Das Bedürfnis, sich mitzuteilen, ist ein großes in dieser Zeit.» Das kann Tanya Neufeldt (41) aus Berlin unterschreiben. «Gerade als Mutter ist man am Anfang unglaublich viel alleine mit den kleinen Kindern», erzählt sie. «Und man denkt sich: "Oh mein Gott, wo ist mein Leben hin?"»

Tanya Neufeldt schreibt unter ihrem Pseudonym Lucie Marshall. Damit hat sie sich eine eigene Bloggeridentität geschaffen. Sich neu zu definieren, sich selbst als Mutter oder Vater wiederzufinden, sei eine wichtige Funktion der Blogs, erklärt Gailer. «Lucie hat viele Teile von mir, ist aber nicht eins zu eins Tanya Neufeldt», sagt die Bloggerin.

Christian Kempe sagt: «Das Vatersein hat sich auf jeden Fall stark gewandelt.» Besonders in den Ansprüchen an den Vater. Heute seien Vätern stärker involviert in die Kinderbetreuung. Kempe, Vater von zwei jungen Mädchen, schreibt in seinem Blog «Papi redet mit» über sein Familienleben und seine Kindheitserinnerungen in Berlin.

Die Mami- und Papi-Blogs sind ein Zeichen für diese gesellschaftliche Veränderung. Statt in den Ratgeber-Büchern einzelner Autoren zu schmökern, lesen Eltern online, was andere in der gleichen Situation bewegt. «Blogs sind sehr offen für neue Impulse», sagt Gailer. Sie seien stets am Trend der Zeit - auch, was Erziehungsthemen angeht.

Die Blogs vermitteln damit viel Handlungswissen, sagt Gailer. «Wenn ich in den Blog gehe, gucke ich: "Was mache ich, wenn mein Kind nicht schläft?"» Die Webseiten seien sehr lösungsorientiert - besonders die von Vätern.

Tanya Neufeldt will gar keine Ratschläge erteilen. «Ich gebe bewusst keine Tipps, sondern es sind Erfahrungswerte, weil auch Lucie vertut sich, so wie ich mich vertue.»

Mut machen, Bestätigung finden - für die Leser der Blogs sei das sehr wichtig, sagt Gailer. «Es geht ganz viel um Sicherheit», sagt die Erziehungsberaterin. «Was ich denke und fühle wird von anderen Müttern und Vätern vielleicht auch so gesehen - das tut gut, dann kann ich ja nicht so falsch liegen.»

Bestätigung für die Leser, Mitteilungsbedürfnis bei den Bloggern und Austausch untereinander. Das sind die Hauptfunktionen der Mütter- und Väterblogs. Aber daneben gibt es noch andere. Für die Blogger kann es eine weitere Motivation sein, so erfolgreich zu werden, dass ihr Online-Projekt Geld abwirft. Bei Tanya Neufeldt ist genau das eingetreten. Aus dem anfänglichen Hobby ist bei ihr mehr geworden: «Lucie ist mein absoluter Fulltime Job», sagt sie. Durch ihre Artikel ist zum Beispiel eine große Tageszeitung auf sie aufmerksam geworden - für sie schreibt Tanya nun eine Kolumne. Und auch ein Video-Projekt ist in der Mache.

Die Einblicke ins Leben anderer Menschen sind ein Grund, warum Leser sich den Blogs zuwenden. «Es befriedigt ein bisschen den Voyeurismus», erklärt Gailer. Blogger Kempe sagt: «Es ist wie Tagebuch lesen von jemand anderem, das macht es so interessant.» Die Leser selbst können dabei ganz anonym bleiben. (dpa)

Papi redet mit

Lucie Marshall

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