Dienstag, 2. September 2014

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Foto: Marcus Merk

Stille Tage im Kloster Oberschönenfeld oder Glaubenskurs in Meitingen – über spirituelle Angebote haben schon viele zurück ins Leben gefunden, wenn ihnen der Alltag über den Kopf wuchs. Von Birgit Waldmann.

„Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg zum Leben.“ (RB Prolog 20)

Stress, Hektik, Erfolgsdruck, Zukunftsängste – viele Menschen sind im Alltag gefangen wie in einem Hamsterrad und überfordert. Die Folgen sind immer öfter nicht nur körperliche, sondern auch seelische Krankheiten. Geld, Erfolg und materielle Dinge, das oberflächliche Glück stehen einer inneren Leere gegenüber. Und selbst, wer sich in einer intakten Familie oder einem Freundeskreis gut aufgehoben fühlt, stellt sich manchmal die Frage nach dem Sinn des Lebens – besonders bei Krankheit.

Oase der Erholung

Diesen Menschen möchte das Kloster Oberschönenfeld bei Gessertshausen im Landkreis Augsburg eine Oase sein. „Die Tür steht offen, das Herz noch mehr“ lautet der Wahlspruch des Zisterzienser-Ordens, der die 1211 gegründete Abtei heute noch führt. „Die Menschen kommen zu uns, sie suchen einen Ruhepol und inneren Frieden in einer immer hektischer werdenden Zeit, wollen zu sich kommen oder auch wieder den Weg zu Gott neu finden“, erzählt Äbtissin Gertrud Pesch.

Seit 28 Jahren ist die aus der Eifel stammende Ordensfrau in Oberschönenfeld, seit vier Jahren leitet sie die Abtei in den Westlichen Wäldern, der insgesamt noch 21 Schwestern angehören. „Wir haben eine gute Beziehung zu den Mitmenschen in der Umgebung, denn wir Zisterzienserinnen leben einerseits zurückgezogen von der Welt, aber in der Welt und sind offen für alle“, sagt sie.

Angebote zur Einkehr

Das Kloster bietet seit über 20 Jahren neben stillen Tagen im Gästehaus sowie den gemeinsamen Gottesdiensten und persönlichem Gebet in Kapelle und Meditationsraum während des Jahres weitere Möglichkeiten und Seminare zur inneren Einkehr an, wie Exerzitien im Alltag, Oasentage, Einzelexerzitien, geistliche Begleitung oder meditativer Tanz. Die im christlichen Glauben fundierten Angebote werden von den Ordensfrauen durchgeführt sofern es deren klösterliches Leben oder die Zeit ermöglicht, aber auch von auswärtigen Geistlichen und sonstigen Referenten.

„Die Angebote sind für alle Menschen offen. Immer mal wieder finden sich auch Gäste ein, die keiner Konfession angehören. Sie fügen sich gerne in die klösterliche Ordnung und so manch einer – manch eine – entdeckte für sich somit die Existenz Gottes in seinem /ihren Leben“, freut sich die Äbtissin. Durch die Auflösung eines ehemals dem Kloster angegliederten Altenheims, das zum Gästehaus umgebaut wurde, kann sie den Besuchern, die über die Homepage aus ganz Deutschland kommen, auch angemessene Unterkünfte bieten.

"Unser Wirken hat innere Ausstrahlung"

Doch was ist das Geheimnis des Ortes? Warum bringt ein Aufenthalt im Kloster den Menschen mehr Zufriedenheit als ein Urlaub im Wellnesshotel mit allen Schikanen? Während man dort allenfalls die Seele baumeln lässt, erfährt dieselbe in Oberschönenfeld eine geistliche, herzliche Atmosphäre, wo sie in Stille, Gebet und vielleicht einem geistlichen Austausch neue Kraft und Orientierung schöpfen kann. Hier wird den Menschen ein anderes, erfüllteres Leben vorgelebt. „Unser Wirken hat innere Ausstrahlung, weniger äußere“, sagt Äbtissin Gertrud Pesch.

Sie ist davon überzeugt, dass die Menschen diese Atmosphäre der geistlichen Geborgenheit mit Umsorgung und kontinuierlichem Gebet brauchen. „Wir bieten den Suchenden oder Ausgebrannten ein geistiges Umfangen hier im Kloster oder um es mit Zisterziensermönch Aelred von Rievaulx zu sagen: Umfange die ganze Welt in einer einzigen Umarmung deiner Liebe. Allen öffne dein liebendes Herz.“

Kurse für den Glauben

Neben Klöstern bieten heute auch andere Institutionen Möglichkeiten, zur inneren Ruhe, zum Glauben zurück oder einen Sinn im Leben zu finden. Zum Beispiel die Pfarreiengemeinschaft (PG) Meitingen. Zum zweiten Mal bietet sie im Herbst einen Glaubenskurs an – Thema „Vater unser. Mit Gott kommunizieren? Warum eigentlich nicht?“. Pfarrhelferin Carmen Leimer erklärt warum: „Wir sind eine sehr große PG mit drei Pfarreien und über 6000 Katholiken. Mit den Glaubenskursen wollen wir Menschen erreichen, die sich nicht für länger binden, sondern sich einmal nur für einige Abende Zeit nehmen wollen für ihren Glauben oder die Frage nach dem tieferen Sinn im Leben. Denn leider erreichen wir die Menschen nicht mehr über die herkömmlichen Angebote wie Gottesdienste oder Andachten. Mit den Kursen eröffnen wir nun andere Möglichkeiten, sich mit seinem Glauben auseinanderzusetzen.“

Die Menschen, die an diesen Kursen teilnehmen, tun es aus den unterschiedlichsten Gründen, zum Beispiel weil sie sich länger nicht mehr mit ihrem Glauben beschäftigt haben oder ihn wieder vertiefen wollen, zum Beispiel auch, weil sie Eltern von Erstkommunionkindern oder Firmlingen sind. „Viele merken aber auch, dass ihnen etwas fehlt in ihrem Leben oder dass etwas verloren gegangen ist, nämlich der Sinn des Lebens, die Grundlage auf der man sein Leben aufgebaut hat. Manchmal kommt auch nur etwas ins Wanken, so dass man wieder Halt sucht, den der Glaube an Gott geben kann.“

Nachfrage steigt

Ihrer Meinung nach steigt die Nachfrage nach solchen Angeboten und nach dem ersten Glaubenskurs im vergangenen Jahr seien sie oft auf weitere Kurse dieser Art angesprochen worden. Esoterik, gleich gleich welcher Art, kann diese Lücke nicht füllen. Carmen Leimer: „Die Menschen suchen nach Halt und Sicherheit in einem immer unsteteren Leben. Wir kommen gar nicht mehr zur Ruhe und zum Nachdenken über das, was wirklich wichtig ist.“ Es sei denn, man gibt sich einen Ruck und nimmt sich einmal Zeit dafür – egal wo.

Termine

Am 12. März findet in der PG Meitingen ein Glaubensabend mit dem Thema „Ja, ich glaube! – ein Glaubensgespräch“ statt.

www.abtei-oberschoenenfeld.de

www.pg-meitingen.de

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