Mittwoch, 21. Februar 2018

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In Norwegen gibt es eine Urlaubslandschaft, die dazu angetan ist, Familienstreitigkeiten zu beenden. Denn wenn die einen zum Faulenzen in den warmen Süden möchten und die anderen Natur pur im hohen Norden suchen, ist der „Süden des Nordens“ ein guter Kompromiss. Von Matthias Huthmache

An den norwegischen Gestaden des Skagerrak kommen Wasserratten und Trapper, Gesellige und Eremiten, Biergartenfans und Kulturbeflissene zugleich auf ihre Kosten. Hier lässt es sich baden, surfen, tauchen, wandern, paddeln und radeln. „Riviera Norwegens“ nennen die Einheimischen jenen 200 Kilometer langen Saum, der sich von Sandefjord im Osten bis Kristiansand im Westen am Meer entlangzieht. Das ist etwas übertrieben. Andererseits hat die Natur es in der Tat gut gemeint mit dem „Sørlandet“, dem Südland.

Geschützt zwischen den Höhenzügen nach Schweden hin und der schroffen Gebirgskette der Westküste liegend, bleiben die Sommer hier meist trocken. Die Temperaturen klettern bis auf 27 oder 28 Grad Celsius, und dank des schützenden Schärengürtels erwärmt sich zumindest das Wasser der Lagunen auf 22 bis 23 Grad. Was diese „Riviera“ jedoch viel mehr von dem mediterranen Original unterscheidet, ist die Existenz zweier Welten, die dicht beieinander liegen und doch vollkommen losgelöst voneinander scheinen.

10 Minuten bis zur Einsamkeit

Mitunter sind es nur 10 oder 20 Autominuten, die das Leben der Küstenstädtchen von der Einsamkeit der Wälder trennen. Soeben saß der Besucher noch im Biergarten eines Hafens und hat bei einem Eis das Kommen und Gehen der Fischkutter und Motorboote bestaunt. Und schon kurz darauf kauert er am Ufer eines Waldsees inmitten unberührter Natur. Er hält seine Angel hinaus und wartet, dass die Mahlzeit für den Abend anbeißt. Auf der Straße und dem Wasser Wer diese Welt erkunden will, verlässt die Europastraße E 18, die sich wie ein roter Faden durch die Landschaft zieht, aber kaum mehr als flüchtige Einblicke gewährt.

Er folgt lieber den schmalen Straßen an der Küste und ins Hinterland. Und er steigt gelegentlich vom Auto in ein schwimmendes Gefährt um, denn das Südland lässt sich am besten vom Wasser aus erleben. Touren in den Inselgarten der Küstengewässer gibt es von allen Orten aus, Kanus zur Erforschung des Landesinneren lassen sich bei vielen Touristeninformationen leihen. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich die Küstenorte aneinander. Aus der Ferne schimmern sie wie weiße Farbkleckse im Grau der Felsen und im Grün der Vegetation. Aus der Nähe setzen blühende Gärten und überbordende Blumenkübel bunte Tupfer zwischen die hellen Fassaden, altmodischen Sprossenfenster und verspielten Erker. In den Gassen schwebt eine Geruchsmelange aus frisch gestrichenem Holz, Blütenduft und der salzigen Brise vom Meer.

Reigen der Küstenorte

Der Reigen der Küstenorte beginnt im Osten mit der einstigen Walfänger-Metropole Sandefjord und der Hafenstadt Larvik. Es folgen Brevik und Langesund mit seinen Fisch-, Shanty- und Musikfestivals. Das im Winter etwa 10 000 Bewohner zählende Kragerø verdoppelt im Sommer seine Einwohnerzahl alleine durch Gäste, die mit dem Boot kommen. In Risør findet jedes Jahr am ersten August-Wochenende das „Trebåt-Festival“ statt, wo Touristen hölzerne Boote bewundern können sowie Einblick in die Kunst der Schiffszimmerer, Segelmacher und Seiler erhalten.

Dann folgt Tvedestrand, idyllisch gelegen zwischen zwei steilen Bergrücken. Ganz anders präsentiert sich Arendal. Das einstige „Venedig des Nordens“ ist alljährlich Ende Juli Schauplatz des norwegischen Laufs zur Off-Shore-WM, der lautstarken Formel 1 zur See. Kristiansand lockt dann mit städtischem Flair und entsprechenden Attraktionen: Der „Dyreparken“ ist eine Mischung aus Zoo für Jung und Alt sowie Erlebnispark für die Kleinen. Wer noch keinen Elch, Luchs oder Wolf zu Gesicht bekommen hat, kann das hier nachholen. 

Und wo bleibt die Ruhe? Zu finden ist sie beispielsweise auf Jomfruland. Die „Insel der Jungfrauen“ entstieg in grauer Vorzeit den Fluten vor Kragerø und bietet schattige Buchenwälder, Sandstrände, ein paar Gehöfte und einen Leuchturm, aber so gut wie keine Autos.

www.visitnorway.com

www.sorlandet.com

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