Mittwoch, 21. Februar 2018

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Auf Mallorca findet jeder sein Paradies – auch Taucher. Ob Barrakudas oder Delfine, Fische gibt es hier viele zu beobachten. Auch Wracktaucher kommen auf ihre Kosten Von Manuel Meyer

Auf der Terrasse hieven die Taucher ihre Pressluftflaschen auf den Rücken. Sie nehmen ihre Schwimmflossen unter die Arme und laufen schwer bepackt eine steile Betontreppe hinunter zum Wasser. Dort wartet bereits das Schlauchboot. Die Taucher sind mit Mathias Günther unterwegs. Ihm gehört die Scuba Activa Tauchbasis in San Telmo, einer Hafenstadt auf Mallorca.

Überzeugt hat den gebürtigen Stuttgarter bei der Wahl des Standorts vor allem der Fischreichtum. „Wir haben hier riesige Barrakudaschwärme. Auf unseren Tauchgängen sehen wir auch regelmäßig große Zackenbarsche, Adlerrochen und gelegentlich sogar Mondfische“, versichert er. Mit etwas Glück trügen seine Gäste im Sommer sogar Seepferdchen, Delfine und Schildkröten in ihre Taucherlogbücher ein, sagt Mathias.

Die Überfahrt zur vorgelagerten Insel Dragonera dauert nicht einmal zehn Minuten. Doch es ist eine Fahrt in eine andere Welt. Das mystische Eiland, das sich mit Dracheninsel übersetzen lässt, ist überwältigend schön. Einst lebten hier Piraten und Schmuggler. Heute bevölkern nur noch kleine Drachenwesen die Insel: Die unzähligen endemischen Echsen sollen der nur vier Kilometer langen und 900 Meter breiten Insel ihren Namen gegeben haben. Eine andere Theorie besagt, er stamme von der Drachenform der Insel, die als Fortsetzung des Tramuntana-Gebirges hier spektakulär im Mittelmeer versinkt.

Nicht weniger eindrucksvoll ist der Ausblick, den die Gäste beim Abtauchen am Cap de Tramuntana an der Nordspitze der Insel haben. Nach nur wenigen Minuten ziehen die ersten großen Barrakudaschwärme dicht an den Tauchern vorbei. Ihre silbrig-blauen Schuppen glänzen und blitzen in den Sonnenstrahlen, die das glasklare Wasser durchstoßen. Zwischen gewaltigen Felsbrocken verstecken sich kleine Tintenfische.

Mathias Günther möchte seinen Gästen die Dragonera-Insel von einer Seite zeigen, die nur wenige Mallorca-Urlauber vom Festland aus zu Gesicht bekommen. Mit dem Boot fährt er auf dem Weg zum südlich gelegenen Cap des Llebeig dicht an den gewaltigen Steilklippen der Nordwest-Küste vorbei. Bis zu 353 Meter ragt die Insel hier in die Höhe. Nervös nehmen die Möwen, Turmfalken und die scheuen Eleonorenfalken, die in den Steilklippen nisten, das Taucherboot wahr. Mathias und seine sieben Taucher zieht es ins Wasser.

Wie die Falken an den Klippen schweben nun die Taucher unter Wasser an den sich im Meer fortsetzenden Steilwänden hinunter. Imposant stürzen die Wände hier 50 Meter fast senkrecht in die Tiefe. Die Felslandschaft ist überwältigend, die Sichtweite ausgezeichnet. Tonnenschwere Brocken liegen übereinander und bilden kleine Tunnel, durch die die Taucher hindurchschwimmen.

Fischen ist hier verboten

Fast die Hälfte der 550 Kilometer langen Küste Mallorcas steht unter Naturschutz. Auch die vorgelagerte Insel Toro nahe der Bucht von Palma ist Meeresschutzgebiet. Hier ist Fischen verboten. „El Toro gehört sicherlich zu den besten Tauchspots an der Westküste Mallorcas“, verspricht Marc Stöneberg, während er sein Boot an einer Boje festmacht.

Der Beweis folgt in sieben Meter Tiefe. Riesige Schwärme von Goldriemenfischen und Stachelmakrelen tummeln sich vor der Stier-Insel. Ab und zu sind Barrakudas und Drachenköpfe dabei. Pfauenfische fressen ruhig in den Neptungraswiesen. An den Steilwänden schauen neugierige Muränen aus Felslöchern.

„Viele Taucher sind überrascht, in unmittelbarer Nähe von Palma de Mallorca so fischreiche und interessante Tauchreviere zu finden“, erklärt Marc, der 2005 in Illetas seine Tauchschule West Coast Divers Mallorca eröffnete. Von seiner Basis aus erreicht er innerhalb von 20 Minuten bis zu 20 Tauchplätze. Nur drei Minuten entfernt befinden sich die Unterwasserhöhlen von Porto Pi. Nur wenige Bootsminuten weiter, in Richtung Palma, erwartet vor allem Wrackfans ein Highlight.

El Dorado für Wracktaucher

Hier liegen gleich vier große Schiffswracks in 24 bis 35 Meter Tiefe. Die Sicht ist schlecht, doch Marc weiß genau, wo der 60 Meter lange Frachter liegt. In 18 Meter Tiefe erreichen die Taucher den Antennenmast. Marc taucht voraus, schwimmt ins Wrack hinein. Es ist ein nahezu mystisches Erlebnis, durch die Laderäume, die engen Gänge und durch die Brücke zu schweben. Große Fischschwärme haben das geheimnisvolle Schiff zu ihrem Zuhause gemacht. Nur wenige Meter daneben liegen auf dem Meeresgrund zwei Frachter und ein Motorsegler.

Bekannt für seine vielen Unterwasserhöhlen ist der Küstenabschnitt zwischen Porto Cristo, Porto Colom und der Cala Figuera. „An der Punta Blanca in der Cala Figuera fühlt man sich im Vergleich zu den riesigen Steinformationen verschwindend klein“, verrät Miquel Pascual vom Tauchzentrum Top Dive in der Nähe von El Arenal. Nicht von ungefähr kommt daher der inoffizielle Name des Ortes: Kathedrale der Steine.

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