Mittwoch, 21. Februar 2018

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Köstliche Unkrautvertilgung: Beim Kräuterseminar in Benediktbeuern darf nicht nur fleißig gezupft und gepflückt werden: Der Klostergarten sorgt auch für ungeahnte Geschmacks-Erlebnisse. Von Dietmar Denger, tmn

Echt bitter, was Erika Ledermüller da schon wieder unter den Obstbäumen des Klostergartens hervorholt. Und köstlich zugleich: Schafgarbe, Gänseblümchen und Spitzwegerich. Äußerlich angewendet wird der Spitzwegerich traditionell bei Reizungen der Haut, erklärt Ledermüller. Also etwa dann, wenn die Brennnessel sich beim Pflücken im Kräuterseminar im Kloster Benediktbeuern auf ihre uncharmante Art gewehrt haben sollte. 

«Dabei sind Brennnesseln toll, wachsen fast das ganze Jahr über und haben 25 Mal mehr Vitamin C als Kopfsalat», erzählt die Kräuterpädagogin. «Im Frühjahr kann man die jungen Pflanzen ganz verwenden, später nimmt man die oberen Sprossen.»

Ein Kräuterseminar erschließt eine Welt, die man im Alltag buchstäblich mit Füßen tritt. Eingebettet in die Postkartenidylle der Bayerischen Voralpen liegt die ehemalige Benediktiner-Abtei, in der heute der Salesianer-Orden mit verschiedenen Fortbildungseinrichtungen tätig ist. In deren Kräuter- und Obstgarten haben die 40 Kräuterpädagoginnen des Tölzer Lands die idealen Anschauungsobjekte für ihre Seminare. Dabei darf geschnuppert, gefühlt, aber auch probiert werden. Eine Krabbelgruppe für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. 

Vital und fit mit Wildkräutern

An diesem Abend hat sich Erika Ledermüller einen Salat vorgenommen. «Salat ist die einfachste Form, um mit Wildpflanzen zu experimentieren und sie in eine gesunde Ernährung einzubauen», erklärt Ledermüller. «Nehmen Sie herkömmlichen Salat, Kopfsalat, Eissalat oder was auch immer. Schon mit einer Hand voll Wildpflanzen kann man seinen Vitalstoffbedarf hervorragend ergänzen.» 

Pflücksgefühle sind garantiert, denn viele der Zutaten an diesem Abend wachsen auf wirklich jeder Wiese. «Löwenzahn kommt in meinen Salat, weil er viele gesunde Bitterstoffe enthält, die uns in unserer normalen Alltagskost häufig fehlen, außerdem ist er reich an Vitamin D, C, B.» Für den Anfang reichen wenige Blättchen, «damit sich der Gaumen an die neuen Geschmacksnuancen gewöhnen kann».

Würze im Teller

Salate mit Wildkräutern schmecken deutlich aromatischer und würziger. «Das liegt daran, dass sie neben einem viel höheren Vitalstoff- und Mineralstoffgehalt auch viel mehr bioaktive Pflanzenstoffe enthalten, Bitterstoffe zum Beispiel», erzählt die Expertin. Die fördern die Produktion von Magen- und Gallensaft, wirken appetitanregend und verdauungsfördernd.

Einmal im Monat veranstalten Erika Ledermüller und ihre Kolleginnen im Frühjahr und Sommer Schnupperseminare, auf Anfrage auch längere Veranstaltungen, bei denen dann gekocht wird. Zweck der Veranstaltungen sei es, Menschen für Kräuter zu interessieren und zu sensibilisieren. «Nicht nur sehen, riechen und schmecken ist uns dabei wichtig, sondern auch das Schützen und Erhalten.» Anscheinend mit Erfolg: «Viele Seminarteilnehmer lassen inzwischen beispielsweise Brennnesseln in ihrem Garten wachsen.» 
 

Infos zum Kloster Benediktbeuern:

Anfahrt: Das Kloster Benediktbeuern liegt etwa eine Stunde südlich von München, am besten zu erreichen über die A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen.

Führungen: Schnupperführungen (eine Stunde) zum Thema Kräuter von Mai bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat. Mit Kaffee und Kuchen 12,50 Euro. Seminare mit anschließender Zubereitung, wie im Beitrag beschrieben, auf Anfrage. Anmeldung im Kräuter-Erlebnis-Laden im Kloster Benediktbeuern, Tel.: 08857-88734. 

Information: Tölzer Land Tourismus, Tel.: 08041/50 52 06, www.kloster-benediktbeuern.de

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