Sonntag, 24. September 2017

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Der Skadarsko Jezero ist ein See, der einen Stopp lohnt. Doch Touristen fahren meist auf dem Weg an die Adriaküste Montenegros daran vorbei. Ihnen entgeht einiges...

Mitten im touristischen Niemandsland liegt er, der größte Binnensee des Balkans: blaue Unendlichkeit getupft mit ein paar kleinen Inseln, das Ufer dunkelgrün von Seerosenblättern, alles umgeben von steil abfallenden Bergen - ein Bild von einem See. Am Skadarsko Jezero in Montenegro leben Pelikane und Flamingos fast völlig unbehelligt von Touristen, die hier allenfalls auf der Durchreise vorbeikommen und den Tieren noch nicht den Platz streitig machen.

Die Adria ist für die meisten Touristen attraktiver

Der Tourismusmagnet des kleinen Landes zwischen Kroatien und Albanien heißt Adriaküste - und eben nicht Skadarsko Jezero. Während sich die Urlauber am Strand dicht an dicht von der Sonne braten lassen, liegt nicht weit entfernt die riesige Wasseroberfläche des Sees spiegelglatt da. Kein Segelschiff, kein Ruderboot stört ihre Ruhe. Tiefblau spannt sie sich über 550 Quadratkilometer - so groß wie der Bodensee.

Nur 20 Kilometer bis zur Küste

Der Skadarsko Jezero liegt in der schwül-heißen, fruchtbaren Tiefebene Montenegros, eine halbe Stunde von der Hauptstadt Podgorica und etwa 20 Kilometer von der Küste entfernt. Wer von Podgorica aus auf dem Weg zur Adria ist, kommt an ihm vorbei und sieht ihn noch lange immer wieder zwischen den Bergen aufblitzen. Das führt zu Missverständnissen: So endlos erstreckt sich der See, dass nicht wenige denken, schon das Meer erreicht zu haben.

Der Zug fährt mitten über den See

Mitten über den Skadarsko Jezero, der zu einem Drittel zu Albanien gehört, führt die bislang einzige Eisenbahnstrecke Montenegros. Auf seinem letzten Wegstück vom Norden des Landes bis ans Meer muss der Zug den See überwinden. Statt am Ufer entlang führen die Schienen dabei direkt über das Wasser, vorbei an drei kleinen Inseln mit den Steinruinen ehemaliger Kirchen und den Resten eines Klosters.

Feine Tropfen aus kleinen Kellereien

In der Abendsonne schimmern die zerklüfteten Berge am Ufer leicht violett. Dazwischen sind einige wenige Dörfer zu sehen, die sich an die steilen Hänge klammern. An den Gartenzäunen der Häuser ranken Reben empor. Viele der Bewohner bauen Wein an, den sie vor Ort verkaufen. Wie in einem Freiluft-Schaufenster stehen Flaschen aus der familieneigenen Kellerei auf Tischen und Stühlen in den Vorgärten und laden zu einer Kostprobe des hauseigenen Tropfens ein.

Der See ist ein wahres Paradies für Tiere

Fast überall ist der See von einem großen Gürtel aus sumpfiger Baumlandschaft, Schilf und Seerosen umgeben. Unwirklich wirkt diese Szenerie zwischen Festland und Wasser. Und noch unwirklicher wird sie durch die Tierwelt, die hier zu Hause ist: Hier leben unter anderem Pelikane, Flamingos, Haubentaucher, Kormorane und Reiher - der See ist ein Paradies für Vögel und für alle, die welche beobachten wollen.

Wie in Alcatraz

Als sicher wenig paradiesisch werden die ehemaligen Bewohner der kleinen Insel Grmožur den See empfunden haben. Unter König Nikola I., der 1860 den Thron bestieg, diente die Insel als Gefängnis. Davon zeugen noch heute die hohen, steinernen Mauerüberreste. Nur wer nicht schwimmen konnte, wurde hierher verlegt. Entkam doch einmal ein Insasse, musste sein Wärter die Strafe für ihn absitzen, heißt es. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts leben auf dem ehemaligen montenegrinischen Alcatraz allerdings nur noch Seevögel - und zwar freiwillig. Sie scheinen sich sogar wohlzufühlen.

Informationen:
Tourismusbüro Montenegro, Friedensstraße 7, 60311 Frankfurt, Telefon: 069/24 24 62 12, E-Mail: info-frankfurt@montenegro.travel. (dpa)
Reise-Infos über Montenegro (engl.)

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