Montag, 21. August 2017

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Warum man bei einer Wanderung durchs Oderbruch auf Ziegen trifft, erfahren Sie hier: Von Inga Dreyer

Die schwarz-weißen Ziegen Aragon und Steffen mit ihren langen Hörnern sind stattliche Erscheinungen. Doch neben ihrem Besitzer fällt das nicht so auf, denn der ist selbst sehr groß. Lange Beine, Ziegenbärtchen – man wird den Eindruck nicht los: Wenn Aragon und Steffen Menschen wären, sie sähen aus wie Mirko Zimmermann. Während eines Urlaubs in der Schweiz hat der gelernte Koch zum ersten Mal Pfauenziegen gesehen.

Das Oderbruch im Osten Brandenburgs liegt etwa 70 Kilometer von Berlin entfernt: ruhig, ländlich, flach. Was die Schweizer Gebirgsziegen in dieser Gegend tun? Klar: Sie wandern. „Am Anfang wurden wir schon belächelt“, sagt Zimmermann. Aber gerade verrückte Ideen bleiben ja im Gedächtnis. „Mir ist es wichtig, meine Heimat näherzubringen und Ecken zu zeigen, die man vom Auto oder Fahrrad aus nicht sehen kann.“

Und das geht am besten zu Fuß und mit Gepäcktransport. Dafür sind Aragon und Steffen zuständig. Morgens hing eine graue Nebelsuppe über den Feldern, nun strahlt der Himmel in herrlichem Oderbruch-Blau. Die Ziegen sind wie zwei von der Leine gelassene Hunde. Zimmermann, Mitte 30, stammt aus dem Bruch. In Hamburg hat er Koch gelernt, doch dann waren die Wurzeln stärker als die große weite Welt.

So erzählt er es. Zurück an der Oder arbeitete Zimmermann in der Gastronomie und betreibt heute seit vier Jahren ein kleines Restaurant in Altreetz, einem der kleinen Oderbruch-Dörfer. Mit seinem Kompagnon David Kluck will er die Gegend touristisch entwickeln, aber auch Anlaufpunkt für Einheimische sein. „Man kann schlecht für die Region stehen und dann nicht präsent sein“, sagt Kluck.

Auf Anfrage organisiert das ungleiche Gespann Wanderungen – Mirko Zimmermann als Oderbruch-Gewächs mit brandenburgischem Witz und David Kluck, der kleine aufgeschlossene Zugezogene aus Frankfurt am Main. Noch immer wird das Oderbruch, im 18. Jahrhundert auf Geheiß Friedrichs II. trockengelegt, durch ein ausgeklügeltes System aus Sielen, Deichen und Schöpfwerken gegen das Wasser verteidigt. „Man würde hier sonst bis zum Bauchnabel im Matsch stehen“, sagt Kluck. Mit den Ziegen geht es hinauf auf den Deich. Der Wind streift durchs Gesicht, die Luft ist klar, kein Auto weit und breit. Stille. Unten der breite Fluss, der zur Ostsee strömt. Der Deich wird zum Laufsteg für die Ziegen. Spaziergänger gucken ungläubig.

Von klein auf geliebt

Zollbrücke ist ein touristisches Zentrum im Miniaturformat mit Restaurants und ein paar Fachwerkhäusern. Vor einer Gaststätte muss Mirko Zimmermann aufpassen, dass die Ziegen nicht die Dekoration abfressen. „Schafe und Ziegen habe ich schon zu DDR-Zeiten geliebt“, erzählt er. So sehr, dass er sich von seinem ersten Taschengeld eine Ziege gekauft hat. Die schlauen und genügsamen Tiere gehören zum Oderbruch. „Sie war schon immer die Kuh des kleinen Mannes.“ Die Wanderung endet auf dem Ziegenhof von Michael Rubin, einem weiteren Unikat der Region. Der Oderbruch-Ranger mit Cowboy-Hut serviert Ziegenkäsekuchen und Filterkaffee.

Er hat einen kleinen Verkaufsraum mit Glasvitrine, in der selbst gemachte Frischkäsekugeln in Öl und bunten Gewürzen liegen. Es ist spät geworden. Luxus sucht man im Oderbruch vergeblich. Aber wer Lust hat, einen eigentümlichen Landstrich zu erkunden, ist dort richtig. „Man muss hier ein bisschen Zeit verbringen, um zu erleben, wie es ist“, sagt Zimmermann. Dann entdecke man die Schönheiten. „Bei schlechtem Wetter ist es am schönsten hier. Es ist so groß, so gewaltig, und es gibt unglaubliche Sonnenuntergänge.“

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