Sonntag, 23. Juli 2017

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Warum Terschelling eine Insel der Schatzsucher ist, erfahren Sie hier. Von Andreas Heimann

Hille liebt den Strand von Terschelling. Er kommt jeden Tag hierher. Und manchmal auch nachts. Eigentlich sogar am liebsten dann. Hille van Dieren ist jetzt 70. Er könnte bei Sturm im Bett liegen bleiben. Aber nein, bei Windstärken von 10 oder 11 hält ihn nichts im Haus. Sturm aus Nordwest ist das Beste, was einem Jutter passieren kann, wie die modernen Strandräuber genannt werden. Dann sind die Chancen gut, dass auf den Schiffen vor der Küste etwas über Bord geht und angespült wird. Hille könnte den Gedanken nicht ertragen, in solchen Momenten nicht dabei zu sein.

 

Hille hat im Lauf seines Lebens etliche Schätze mit nach Hause gebracht - und beim Wracktauchen an die Oberfläche geholt. Für seine einzigartige Sammlung hat er sein Elternhaus in Formerum zu einem Museum umgebaut. Es ist sein Lebenswerk. „Hier in diesem Zimmer bin ich geboren worden“, erzählt Hille und zeigt auf ein Foto seiner Familie. Beim Wracktauchen hat er mal die Uniform des Kapitäns entdeckt, mal einen Sextanten, mal jede Menge Porzellan.

Das Strandgut ist noch kurioser. Zur Sammlung gehören Rettungsringe, Teddybären, Spielzeugpuppen, Tennisschläger, Zigarettenstangen und ein überdimensionaler Vibrator. In einer eigenen Vitrine zeigt Hille rund 200 Flaschenpostbriefe. Der Strand von Terschelling ist tatsächlich gigantisch. Die westfriesische Insel vor der holländischen Küste ist gut 30 Kilometer lang, der Strand noch länger. Bei Midsland aan Zee ist gar kein Ende zu sehen. Der Osten der Insel ist ein Naturreservat, De Boschplaat, ein wichtiges Brutgebiet für Seevögel.

Über den Muschelteppich

Das östlichste Dorf heißt Oosterend. Die Dünenkette, die zwischen der Nordsee und dem Dorf liegt, ist von hier gut zu sehen. Sie schützt die Insel davor, überspült zu werden.

Auch Flang Cupido zieht es regelmäßig ans Wasser. Der Insulaner, Sohn eines Seemanns, sucht dort nach Schätzen für die Küche. Er hat ein Kochstudio in Hoorn, einem der östlichen Inseldörfer. Und er legt Wert auf regionale Produkte. Was sich in der Nordsee vor Terschelling finden lässt, zeigt Flang Touristen bei seinen Wattexkursionen.

Mit Gummistiefeln, Jeans, Windjacke, Schirmmütze und einem halben Dutzend Eimern für die Austernsuche steht Flang am Deich und erklärt das Ökosystem Wattenmeer. Die Exkursionsteilnehmer stapfen vorsichtig durch den Matsch und über Tausende von Muschelschalen.

Pazifische Austern finden sich an vielen Stellen, die einheimische Art ist schon vor Jahrzehnten ausgestorben. Mit den Fingern gräbt Flang Herzmuscheln aus, verteilt sie und zeigt, wie sich die Schalen ohne Hilfsmittel öffnen lassen. „Die schmecken gut zu Pasta. Man kann sie aber auch so essen.“ Gesagt, getan - gar nicht schlecht.

In Sachen Austern rät der Wattenmeer-Gourmet lieber zu kleineren Exemplaren: „Man muss die ja auch noch runterbekommen.“ Zurück am Deich wird das gleich ausprobiert. Flang serviert Brot und Weißwein. Er demonstriert, wie man die Auster mit einem Messer aufbekommt. Dann wird geschlemmt und geschlürft.

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