Samstag, 22. Juli 2017

Themenwelten   |   Reise & Urlaub

Normalerweise sieht man bei einer U-Bahn-Fahrt durch Berlin wenig. Doch unter den Straßen der Hauptstadt verbergen sich spannende Einblicke und tolle Geschichten. Bei einer Fahrt mit dem U-Bahn-Cabrio bekommen Touristen das alles zu Gesicht.

Auf dem U-Bahnhof Berlin-Alexanderplatz schieben sich die Pendler in die Züge, hetzen die Treppen hinauf und hinunter. Immer wieder ertönt das Signal, das anzeigt, dass sich die Türen der Bahnen gleich schließen. Auf Gleis 4 herrscht dagegen gespannte Ruhe. Rund 150 Personen – Touristen, aber auch etliche Berliner – warten.

Oben ohne mit Helm

Auf dem Gleis steht ein Gefährt, das so gar nichts mit den berlintypischen U-Bahnen gemeinsam hat: vorne und hinten eine rote Lok, dazwischen drei große offene Wagen, auf denen Sitze montiert sind. Dach und Seitenwände gibt es nicht. Als „ungewöhnlichste Rundfahrt durch Berlin“ bewerben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Fahrt mit dem sogenannten U-Bahn-Cabrio.

Einsteigen bitte! Vor der Abfahrt gibt es für alle Mitfahrer gelbe Helme und Kopfhörer. Punkt 19 Uhr springt das Signal auf Grün. Zwei Stunden lang fährt die Bahn kreuz und quer durch die Hauptstadt. Zum Start gibt es noch die nötigen Sicherheitshinweise. Am wichtigsten – trotz der gelben Helme, die jeder Teilnehmer tragen muss: „Während der Fahrt bitte nicht aufstehen“, ermahnt die Stimme im Lautsprecher, die sich als „Herr Jäger“ vorstellt und in den kommenden zwei Stunden kaum aufhört zu reden.

Extra für das U-Bahn-Cabrio ist die Beleuchtung in den Tunneln eingeschaltet. Normalerweise ist es hier unten stockdunkel. Blaues Licht weist hin und wieder den Weg zu den Notausgängen. Die Fahrt zeigt auch eindrucksvoll das unterschiedliche Design der U-Bahnhöfe: Mal zieren orangefarbene Fliesen die Wände, mal blaue Platten, mal gibt es flache Decken, mal hohe, manchmal ist die ganze Station einem Motto unterworfen.

So zum Beispiel die Osloer Straße, die komplett in den Nationalfarben Norwegens gehalten ist. Herr Jäger hat natürlich zu jeder Station etwas zu erzählen.

Da ist zum Beispiel der Bahnhof Voltastraße, der fertig war, lange bevor die Strecke es wurde und dann als Kartoffelkeller diente – inklusive Zugang für Pferdefuhrwerke. Dann ist da der Bahnhof Pankstraße, der sich zum Atombunker umfunktionieren ließ. Noch heute sind an den Gleisen die riesigen Schwenktore zu sehen. Im Notfall hätten im Kalten Krieg hier an den Bahnsteigen bis zu 3340 Personen Platz gefunden.

Nach knapp zwei Stunden wird es langsam frisch auf dem offenen Zug. Der Fahrtwind weht kräftig – vor allem auf der Strecke der U9, die fast komplett ohne Kurven gebaut ist und wo bis zu 70 Stundenkilometer erreicht werden. Am kältesten sind aber die Abschnitte, die unter der Spree hindurch führen.

Das Wasser sorgt für konstante Kühlung. Noch ein letztes Mal durch den Kehrtunnel, dann ist der Alexanderplatz schon wieder erreicht. Die nächsten 150 Fahrgäste warten schon am Bahnsteig.

Von Michael Zehender

Weitere Themen

Städtereisen & Kurztrips

Städtereisen & Kurztrips: Fachwerk in Franken Fachwerk in Franken

Vor gut 130 Jahren war Dinkelsbühl ein kleines, verschlafenes Nest in Mittelfranken. In den Ort lockte wenig. Doch dann kamen junge Maler aus München. Von tmn

Urlaub in Europa

Urlaub in Europa: Wo die Macht mit dir ist: Skellig Michael und die Inseln Irlands Wo die Macht mit dir ist: Skellig Michael und die Inseln Irlands

Sie sind ganz verschieden, diese Inseln im Südwesten Irlands. Sie sind unbewohnt, haben nur sechs oder sogar 600 Einwohner. Eine kann man mit einem kleinen Kahn erreichen, eine...

Fernreisen

Fernreisen: Über eine Million Euro für einen Fischmarkt Über eine Million Euro für einen Fischmarkt

Manchmal verspürt Shibata San einen Anflug von Wehmut, wenn er sich seinen Weg durch das Gewusel des Tsukiji-Marktes bahnt. Nach mehr als 80 Jahren soll der wohl größte Fischmarkt...

Bilder (2)


Quiz - Kreuz und Quer
Unbekanntes Kambodscha
Schönes Europa

Reise-Quiz
Reise-Börse