Montag, 22. Januar 2018

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Sie sind ganz verschieden, diese Inseln im Südwesten Irlands. Sie sind unbewohnt, haben nur sechs oder sogar 600 Einwohner. Eine kann man mit einem kleinen Kahn erreichen, eine über eine lange Brücke und eine andere nur mit Irlands einziger Seilbahn. Und da ist noch ein riesiger kahler Felsen im Atlantik, der schon vor 1400 Jahren besiedelt war und jetzt zum ultimativen Medienstar geworden ist.

Die Reise dorthin ist nicht ganz unbeschwerlich. Der Wind, der gestern in gefühlter Orkanstärke blies, hat sich zwar gelegt. Doch auch bei relativ geringem Wellengang muss man ein wenig seetüchtig sein, um die abenteuerliche 90-minütige Fahrt in einem kleinen Ausflugsdampfer ohne Zwischenfälle zu überstehen. Gerade einmal zwölf Touristen haben Platz auf dem Boot. Skellig Michael – Michaels Felsen – heißt das Ziel, das zwölf Kilometer vom Hafen des Fischerdorfes Portmagee entfernt liegt. 

Etwas Fitness muss man mitbringen

Dass an diesem mystischen Ort die Schlussszene des siebten Star Wars Films „Das Erwachen der Macht“ gedreht wurde, weiß nicht nur in der Region Kerry jedes Kind. Darth-Vader- oder Luke-Skywalker-Fans aus aller Welt pilgern hierher. Tatsächlich können beim Aufstieg über 618 in Stein geschlagene Stufen schon über- oder außerirdische Gefühle aufkommen – trittfest und bei Puste sein muss man bei der Überwindung von 180 Höhenmetern allerdings auch. 

Dort, wo sich Mönche im siebten Jahrhundert zurückgezogen haben, um am vermeintlichen Ende der Welt Gott ganz nah zu sein und sich vor den Überfällen der Wikinger sicher zu glauben, weiß man sich auch heute noch gegen Massentourismus zu schützen. Pro Tag dürfen das Weltkulturerbe Skellig Michael nur 15 Boote anlaufen – macht in Summe also 180 Passagiere – und das nur von Mitte Mai bis Ende September.

Neues Vertrauen dank neuer Gäste 

„Durch Star Wars hat sich für uns vieles verbessert. Es kommen bedeutend mehr Gäste“, sagt Gerard Kennedy, Besitzer des „Moorings“-Hotel-Restaurants in Portmagee. Aber der Sommer sei kurz, und oftmals fielen die geplanten Ausflüge nach Skellig Michael dem unberechenbaren Wetter zum Opfer. Fakt sei, dass durch die veränderte Situation auch junge Leute wieder Vertrauen in die Zukunft der Region gefasst hätten. Dies sei Voraussetzung, um den Exodus in die Großstadt nach Dublin oder gar nach Übersee zu stoppen.

Fern der Hektik

Ihre Heimat zu verlassen, kam für Bridget O’Shea nie infrage. Sie lebt auf der Insel Valentia –nur einen Brückenschlag von Portmagee entfernt – und arbeitet dort im „Skelligs Experience Visitors Center“, wo sich die Besucher auf eine Reise in die Zeit der frühen Mönche aufmachen und mehr über das Vogelparadies der Skelligs erfahren. „Mir gefällt’s auf Valentia. Die Hektik der Ballungszentren brauche ich nicht“, erzählt die junge Frau selbstbewusst. 

Auch John O’Sullivan hat es nie in die Ferne gezogen. Seit 40 Jahren schippert er als Kapitän die „Harbour Queen“ nach Garinish Island und begrüßt jeden seiner Gäste per Handschlag. Garinish wird gern mit der Bodenseeinsel Mainau verglichen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das damals kahle, 15 Hektar große Eiland von privater Hand erworben und in ein Blumenparadies verwandelt. Inzwischen ist es unbewohnt und steht unter staatlicher Verwaltung. 

Stiller Geheimtipp

Wer einen Tag in der Einsamkeit sucht, der ist auch auf Dursey Island, an der äußersten Südwestspitze Irlands, genau richtig. Bewohnt wird die Insel noch von einer Handvoll Leute, für Wanderungen ist sie ein Geheimtipp. Sechs Personen fasst die Kabine, mit der man nach wenigen Minuten die Insel erreicht. Die Anlage aus dem Jahr 1969 hat schon bessere Zeiten gesehen – aber sie erfüllt ihren Zweck.

Zurück nach Portmagee. In Gerard Kennedys Pub wird abends geschwärmt von den Abenteuern der Überfahrt nach Skellig Michael und vom Erwachen der eigenen Macht. Zusammen mit Darth Vader posiert man vor dem Schriftzug „May the craic be with you“ – „Möge der Spaß mit dir sein“. Auch im neuesten Star Wars Film werden Szenen von Skellig Michael zu sehen sein. Auf den Kinostart im Dezember 2017 freut sich Kennedy jetzt schon. Und darauf, dass der touristische Hype in der Region noch möglichst lange anhalten möge. 

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