Dienstag, 31. März 2015

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Immer mehr Ältere arbeiten bis kurz vor Erreichen des Renteneintrittsalters. Von den 60- bis 64-Jährigen waren dies 2010 noch 40,8 Prozent - zehn Jahre zuvor erst 19,9 Prozent.

Damit belegt Deutschland in Europa einen Spitzenplatz. Das geht aus einem Bericht über Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt für Ältere hervor, den Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zusammen mit DGB-Chef Michael Sommer und Handwerks-Präsident Otto Kentzler am Dienstag (21. Februar) in Berlin vorlegte.

In der Erwerbstätigenquote von 40,8 Prozent sind nach Angaben von Sommer allerdings auch rund 800 000 Mini-Jobber enthalten - mit steigender Tendenz. Auch die Selbstständigen werden bei der allgemeinen Erwerbstätigenquote eingerechnet.

Quote der älteren Beschäftigten leicht gestiegen

Schaut man nur auf die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, so ergibt sich ein deutlich anderes Bild: Danach sind nur 27,5 Prozent der 60- bis 64-Jährigen noch in Arbeit - während dies von den 15- bis 65-Jährigen insgesamt 52,1 Prozent sind. Allerdings ist auch hier die Quote der älteren Beschäftigten leicht gestiegen.

Im europäischen Vergleich liege Deutschland mittlerweile auf einem Spitzenplatz, sagte von der Leyen: «Das kann aber nur eine Zwischenetappe sein auf dem langen Weg zur vollen Rente mit 67.» Die von der großen Koalition 2006 beschlossene Rente mit 67 wird stufenweise eingeführt und soll ab 2029 für alle ausscheidenden Arbeitnehmern verbindlich werden.

Produktivität nimmt bei älterer Belegschaft zu

Von der Leyen verwies auf eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), wonach die Produktivität eines Betriebes um gut 0,5 Prozent zunimmt, wenn sich der Anteil der 45- bis 50-Jährigen an der Gesamtbelegschaft um einen Prozentpunkt erhöht. Ein zusätzlicher Produktivitätsgewinn wird durch altersgerechte Arbeitsplätze erreicht. Kentzler sagte: «Es gilt die alte Weisheit: Die Jungen können schneller laufen. Die Alten kennen die Abkürzungen.»

Langzeitkonten nach Vorbild der Industrie

Nachholbedarf sieht von der Leyen bei der Einrichtung von Langzeitkonten, mit denen Mitarbeiter größere Arbeitszeitguthaben ausdrücklich mit dem Ziel längerfristiger Freistellungen - oder eines vorzeitigen Ausscheidens - ansparen können. Vorbild für solche Regelungen ist vor allem die Chemie- und Metallindustrie, wo die Tarifparteien entsprechende Regelungen verabredet haben.

Solche Langzeitkonten gibt es laut Bericht inzwischen für 40 000 Betriebe in Deutschland. Dies sind allerdings nur zwei Prozent der Unternehmen. Dabei haben vor allem Großunternehmen die Nase vorn. Von der Leyen sagte: «In Zeiten, in denen sich Arbeit verdichtet und Fachkräfte knapp werden, bieten Langzeitkonten beiden Seiten Vorteile.»

Die Ministerin will künftig alle sechs Monate einen «Fortschrittsreport» zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt für Ältere vorlegen. (dpa)

Bericht des Bundesarbeitsministeriums

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