Samstag, 22. November 2014

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Foto: Marcus Barnstorf

Der Hundezirkus des Bunten Kreises: Behinderte und Nichtbehinderte freuen sich über den Kontakt zu den freundlichen Hunden und vergessen ihre Probleme für kurze Zeit. Von Marcus Barnstorf.

Es ist ein grauer Freitagnachmittag. Ein Tag, an dem man sich eher unter der warmen Decke einmummelt als vor die Türe geht. Ein letzter Termin, dann naht das erholsame Wochenende mit der Familie. „Hundezirkus beim Bunten Kreis“ steht im Kalender. Beim Betreten eines schier endlos scheinenden Gangs kommen mir Fina (12 Jahre) und Annika (5 Jahre) entgegen. Die beiden Hunde wedeln mit ihrem Schwanz, beschnuppern mich und haben sogleich mein Herz erobert.

So erging es auch Jonas. Der zehn Jahre alte Junge leidet an einer angeborenen, unheilbaren Krankheit, bei der sich seine Muskeln mehr und mehr zurückbilden. Davon ist auch seine Atemmuskulatur betroffen. Seine Eltern sind froh um jeden Winter, den er gut übersteht. Jede leichte Infektion kann für ihn lebensbedrohlich werden. Jonas kann nur noch seine Arme und Hände bewegen. Seinen Kopf ohne Stütze zu halten, ist für ihn nicht mehr möglich.

Rausch der Gefühle

Seit gut fünf Jahren besucht er die tiergestützte Therapie des Bunten Kreises. Aufgrund steigender Schmerzen war vor zwei Jahren mit der Hippotherapie Schluss. Dafür trainiert er mit Hunden. Jonas, der aufgrund seiner Behinderung kaum Freunde hat, liebt den Kontakt zu Fina und Annika, aber auch den „Geschwindigkeitsrausch“, wenn ein Hund seinen Rollstuhl über das Freigelände der Augsburger Kinderklinik zieht.

Durch ein Hundezirkusprojekt des Bunten Kreises, bei dem ein behindertes und ein gesundes Kind im Team zusammen mit den Vierbeinern Kunststücke einüben, hat Jonas einen Freund gefunden: Zusammen mit Vincent (12 Jahre) bringt er den Hunden Tricks bei. „Die gemeinsame Arbeit mit den Hunden hat Jonas geholfen, wieder soziale und emotionale Kontakte aufzubauen“, erklärt Sabine Müller, Fachkraft für tiergestützte Pädagogik mit therapeutischen Ansätzen.

"Hunde können Gefühle ausdrücken"

Annika und Fina sind besonders einfühlsam, anpassungsfähig, suchen den Kontakt und genießen jegliche Aktivitäten mit den Menschen. „Hunde können Gefühle ausdrücken und spiegeln Verhalten und Emotionen des Menschen direkt wider“, sagt Sabine Müller. Bei der tiergestützten Therapie werde der speziell ausgebildete Hund als tierischer Interaktionspartner eingesetzt, um individuelle Angebote für Kinder mit Förderbedarf im motorischen, taktilen, kognitiven und sozio-emotionalen Bereich lebhaft zu gestalten.

„Der körperliche Kontakt mit dem Tier stillt das Bedürfnis nach Nähe, Wärme und Geborgenheit“, weiß Sabine Müller. Fina und Annika bieten Gesprächsstoff und Anregung für zahlreiche kreative Ideen. „Hunde motivieren zu Bewegung und Aktion; das Gruppengefühl verbessert sich.“ Und das ganz ohne Krankenschein, denn die anerkannte Therapie wird von den Krankenkassen nicht unterstützt.

Respekt erlernen

Viele ehrenamtliche Helfer unterstützten Sabine Müller während der Zeit, die auf den ersten Blick so gar nicht nach einer klassischen Therapiestunde aussieht. Behinderte und nicht behinderte Kinder und Jugendliche lernen beim Hundezirkusprojekt gegenseitigen Respekt und Wertschätzung. Dabei erfährt Sabine Müller ganz besondere Momente: „Glück ist, wenn ein Kind, losgelöst von Krankheiten, lachen kann.“

So wie der 13-jährige Leon, der das Down-Syndrom hat. Fina und Annika helfen dem „Rabauken“, seine Energie richtig einzusetzen. In Anwesenheit der Hunde wird er sanft und gelassen. „Unsere Kinder haben schnelle und klare Erfolgserlebnisse im Kontakt und im Umgang mit den Hunden“, so Sabine Müller.

Tief beeindruckt verlasse ich den Bunten Kreis, um gemeinsam mit meinem Sohn das Wochenende zu genießen. Glücklich, dass es Institutionen wie den Bunten Kreis in unserer Region gibt.

Auf einen Blick

Seit 20 Jahren betreut der Bunte Kreis Familien mit chronisch, krebs- und schwerstkranken Kindern in unserer schwäbischen Region. „Dank der Hilfe unserer Spender und Förderer können wir jährlich etwa 1600 Familien mit schwer kranken Kindern zur Seite stehen, damit ihnen trotz der Belastungen das Leben gelingt“, sagt Horst Erhardt, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Bunten Kreises in Augsburg.

Case Manager, meist Kinderkrankenschwestern oder Sozialpädagogen, organisieren alle Notwendigkeiten wie ärztliche, pflegerische, therapeutische, soziale, organisatorische und finanzielle Unterstützung. Zudem ist der Bunte Kreis ein kompetenter Ansprechpartner für die

  • Familiennachsorge
  • Pflegenachsorge
  • psychologische Nachsorge
  • soziale Nachsorge
  • seelsorgerische Nachsorge.

Die Idee des Bunten Kreises aus Augsburg findet aktuell 75 Nachahmer im Bundesgebiet. Zusätzlich helfen sich Betroffene und deren Familien in 23 Selbsthilfegruppen gegenseitig.

www.bunter-kreis.de

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