Die Uhr tickt. Die Semester sind gezählt. An deutschen Universitäten gibt es ganz genaue Angaben, wie lange der Student für sein Studium brauchen sollte. Für den klassischen Bachelorstudiengang sind sechs Semester vorgesehen, für den Master vier. Viele Studenten hetzen durch ihr Studium, immer die Regelstudienzeit im Nacken. Noch sechs Semester Zeit, noch fünf, noch vier, noch drei...
Auf die Punkte, fertig, los!
Noch nicht alle nötigen Punkte erobert und plötzlich im sechsten Semester? Wer dann die Bachelorarbeit in weite Ferne gerückt sieht, bekommt schnell Panik. Bin ich nicht schon zu alt, wenn ich ein Jahr länger für meinen Abschluss brauche? Wird mich später überhaupt noch jemand einstellen? Was wird mein zukünftiger Chef denken?
Neue Studien geben geplagten Punktejägern Entwarnung. Die Studiendauer hatte keinen Einfluss auf die spätere Jobsuche. Auch auf das spätere Gehalt konnten keine Auswirkungen festgestellt werden. Teilweise ist sogar das Gegenteil der Fall: Personalchefs stellen lieber Bewerber ein, die mehr Praxiserfahrung mitbringen, selbst wenn sie dafür das ein oder andere Semester anhängen mussten.
Darauf kommt es wirklich an
Wer also zwanghaft die Regelstudienzeit einhält, aber dafür andere wichtige Dinge vernachlässigt, hat weniger Chancen auf einen vielversprechenden Job als jemand, der etwas länger studiert, aber wichtige Erfahrungen gesammelt hat.
Drei Praktika bei namhaften Unternehmen, ehrenamtliches Engagement, ein HiWi-Job und am besten noch ein Auslandssemester in China. Und das alles bitte in sechs Semestern. Den Traumschnitt mit der eins vor dem Komma nicht zu vergessen. Studenten machen sich in dieser Hinsicht oft viel zu viel Druck. Es muss nicht alles sein und ganz und gar nicht im Schnelldurchlauf. Wichtiger ist es, die Studienzeit richtig zu nützen und persönlich zu reifen.
Jeder sollte für sich den perfekten Weg finden. Der eine studiert lieber für ein Semester im Ausland, der andere bevorzugt einen Sprachkurs an der Heimatuniversität. Manch einer legt sein Praktikum in die Semesterferien, ein anderer nimmt sich dafür ein Urlaubssemester. Egal, welche Variante gewählt wird, wichtig ist nur, dass neben dem reinen Studium noch mehr passiert als dass man seine Nase in dicke Bücher steckt.
Vom Erstsemester zum Akademiker in sechs Semestern?
Nur wer am Ende seines Studiums mit beiden Beinen im Leben steht und weiß, was er will, wird Erfolg im Beruf haben. Und ob man so viel Lebenserfahrung gesammelt hat, wenn man neben Hausarbeiten, Klausuren und Referaten nichts anderes gesehen hat, ist fraglich.