Mittwoch, 28. September 2016

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Ein fieser Kommentar in der Konferenz oder die dauernde Bevorzugung von Kollegen: Mobbing durch den Vorgesetzten - das sogenannte Bossing - fängt meist schleichend an. Viele sitzen die ersten Schikanen aus. Dabei ist laut Experten genau das die falsche Strategie.

Meistens fängt es ganz harmlos an: Der Chef grüßt nicht mehr oder verdonnert einen zu Aufgaben, die sonst keiner machen will. Schnell entwickeln sich kleine Schikanen jedoch zu richtigem Psychoterror. In vielen Fällen gehen die Attacken vom Chef aus. Viele sind bei den ersten Vorfällen noch gelassen und versuchen, sie zu ignorieren. Dabei ist es oft besser, gleich in die Offensive zu gehen.

Auch bei Günther Kollenda war der Vorgesetzte der Initiator des Mobbings. Alles begann mit Umstrukturierungsmaßnahmen innerhalb des Betriebes. Die Geschäftsführung wollte Personal abbauen. Als er dabei nicht mithelfen wollte, geriet er selbst in die Schusslinie. «Ab diesem Moment war ich sein Feind. Er machte bei jeder Gelegenheit meine Arbeit schlecht und gab mir Aufgaben, für die ich gar nicht zuständig war.» Zwei Jahre ging das so. Viel zu lange, meint Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie in Berlin. Habe ein Arbeitnehmer das Gefühl, bei seinem Vorgesetzten seit mehr als drei Monaten auf der roten Liste zu stehen, sollte er so schnell wie möglich handeln.

Oft machten Betroffene ihrem Ärger zuerst bei Kollegen Luft oder suchten sich Verbündete. Doch das lässt die Situation häufig nur weiter eskalieren. Hesse rät stattdessen, gleich nach den ersten Irritationen mit dem Vorgesetzten zu sprechen. Dabei mache der Ton die Musik.

Vorwürfe seien fehl am Platz. Fragen wie «Was haben Sie eigentlich gegen mich?» sorgten nicht für ein erfolgreichen Gesprächsverlauf. Hesse empfiehlt eher leichte Demutsgesten. «Sagen Sie lieber, Sie hätten das Gefühl, in seiner Gunst gefallen zu sein. Fragen Sie nach dem Grund dafür.»

Zuerst das Gespräch zu suchen, empfiehlt auch Martina Perreng, Arbeitsrechtlerin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Bringt ein Gespräch unter vier Augen keine Verbesserung, sollten sich Betroffene jedoch Hilfe bei kompetenten Ansprechpartnern suchen. In großen Firmen sei der Betriebsrat die erste Adresse. Gibt es keinen, ist häufig eine Selbsthilfegruppe eine gute Idee.

Bringe auch das nichts, bleibt Arbeitnehmern letztlich nur die Kündung oder der Gang vor Gericht, um Schadenersatz und Schmerzensgeld einzuklagen. «Allerdings sind die Ansprüche vor Gericht nur sehr schwer durchsetzbar», sagt Perreng. Wer sich dafür entscheidet, muss die Schikanen im Detail darlegen können. Sie rät Mobbing-Opfern deshalb dazu, eine Art Tagebuch zu führen, in dem sie alle Vorwürfe notieren.

Auch Günther Kollenda hat sich Hilfe gesucht - und vor Gericht eine hohe Abfindung erstritten. An seinen Erfahrungen hatte er aber noch lange zu knabbern. Er rät deshalb allen, nicht länger als nötig in der Firma zu bleiben. Jeder, der schikaniert werde, leide körperlich und seelisch. Das sei kein Job dieser Welt wert. (dpa)

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