Mittwoch, 19. Juni 2013

Themenwelten   |   Wirtschaft

Wie werde ich eigentlich ...?

Schifffahrtskaufleute fahren nicht zur See. Sie sitzen in den Büros in den Häfen und überprüfen, welches Schiff welche Fracht geladen hat. Lehrlinge brauchen gute Englischkenntnisse. Denn oft haben sie es mit Kunden im Ausland zu tun.

Detlef Meenke vom Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg bringt es auf den Punkt: «Schifffahrtskaufleute haben den interessantesten der kaufmännischen Ausbildungsberufe.» Denn der Beruf ist nicht nur international, sondern auch vielseitig. Schifffahrtskaufleute steuern die weltweiten Warenströme auf tausenden von Handelsschiffen.

Am 1. August ist eine neue Ausbildungsordnung in Kraft getreten. Schon jetzt liegt die Messlatte für einen Ausbildungsplatz hoch. Das Gesetz schreibt zwar keine bestimmte Schulbildung vor. Doch die Arbeitgeber stellen am liebsten Abiturienten und Bewerber mit Fachhochschulreife ein. «Sie haben bessere Englischkenntnisse», nennt Meenke als Grund. «Englisch ist - in Wort und Schrift - die dominierende Fachsprache des Berufs», sagt auch Alexander Geisler, Geschäftsführer des Zentralverbandes Deutscher Schiffsmakler (ZVDS) in Hamburg.

Gute Berufsaussichten

Die Ausbildung ist in zwei Fachrichtungen möglich: in der Linienfahrt und der Trampfahrt. In der Linienfahrt wickeln die Schifffahrtskaufleute den Frachtverkehr auf Wunsch der Kunden nach festgelegten Schifffahrtsverbindungen ab. «Trampschiffe dagegen verkehren wie Taxis, ohne Fahrplan», erläutert Meenke. Die neue Ausbildungsordnung hat vor allem die Linienschifffahrt reformiert. Dort dürfen nun mehr Betriebe als bisher ausbilden und der Containerverkehr wird stärker berücksichtigt.

Die duale Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, kann aber bei entsprechender Eignung verkürzt werden. Lehrstellen bieten vor allem Reedereien und Schiffsmakler. Die Berufsaussichten seien ausgezeichnet, heißt es in der Branche. Denn der Welthandel wächst weiter. Bewerber sollten sicher stellen, dass sie sich rechtzeitig um einen Ausbildungsplatz kümmern. «Schon mit dem Zeugnis der 12. Jahrgangsstufe bewerben und nicht erst nach dem Abi», rät Meenke.

Der Unterrichtsstoff für die beiden Fachrichtungen ist in den ersten zwei Schuljahren gleich: Analyse der Transport- und Ladungsmärkte, Planung und Steuerung des Güterverkehrs auf den Schiffen und die Abwicklung der Schiffe im Hafen. Die angehenden Kaufleute lernen die entsprechenden Dokumente kennen und werden in der Geschäftskorrespondenz - natürlich in Englisch - unterrichtet. Im dritten Jahr folgt dann die Spezialisierung.

Organisationstalent und gute Umgangsformen

In der praktischen Ausbildung im Betrieb lernen die künftigen Schifffahrtskaufleute nicht nur den Umgang mit Geschäftspartnern, sondern auch mit Behörden und Seeleuten. Sie müssen mit einem Auftraggeber den Preis einer Fracht aushandeln, beim Schiffsausrüster Proviant für einen Stückgutfrachter bestellen, die Betankung eines Kühlschiffes organisieren und eine Ladung Maschinenteile versichern. Computer, Telefon und Fax gehören zum Arbeitsalltag.

«Kommunikationsfähigkeit und gewandtes, verbindliches Auftreten sind dabei wichtige Voraussetzungen für diesen Beruf», sagt Geisler. Es müsse dabei Rücksicht auf die unterschiedlichen Mentalitäten, politischen Orientierungen und Umgangsformen der in- und ausländischen Gesprächspartner genommen werden.

Schifffahrtskaufleute handeln Frachtraten und Lieferzeiten aus. Dazu müssen sie marktgerecht kalkulieren, was mathematisches Verständnis voraussetzt. Unentbehrlich ist auch ihr Interesse für internationale Ereignisse. Wenn in einem fernen Land beispielsweise ein Bürgerkrieg ausbricht, können Häfen nicht angelaufen werden. Dafür muss dann eine Lösung her, welche die Situation entschärft und den Auftraggeber zufriedenstellt.

Die meisten der bundesweit etwa 1000 Azubis gibt es in der Hafenstadt Hamburg, dem Schwerpunkt der deutschen Seeschifffahrt. An dieser Berufsschule erhalten derzeit 606 angehende Schifffahrtskaufleute Unterricht. «Mehr als 45 Prozent von ihnen sind Frauen», sagt Schulleiter Jan Theodor Schlichting. Von den Schülern haben 91 Prozent Abitur.

Im Schiffsmakler- und Reedereigewerbe sind die Ausbildungsvergütungen tariflich festgelegt. Sie beginnen im ersten Jahr mit 630 Euro, steigen auf 730 Euro und erreichen im dritten Jahr 830 Euro monatlich. Viele Betriebe zahlen allerdings mehr. Anfänger können mit einem Einstiegsgehalt zwischen 24 000 und 30 000 Euro jährlich rechnen. Allerdings steigt das Gehalt nach Fähigkeit. «Zum Teil erfolgt eine erfolgsabhängige Bezahlung», meint Meenke. (dpa)

Infos zum Berufsbild von der Arbeitsagentur

Infos zum Berufsbild vom Verband Deutscher Reeder

Verband Deutscher Reeder

Berufsschule Schifffahrt

Zentralverband Deutscher Schiffsmakler

Related content

Facebook Twitter Google Buzz

Mehr Artikel zum Thema

Weitere Artikel

Wie werde ich eigentlich ...?

Wie werde ich eigentlich ...?: Architekt Architekt

Jede Woche ein Entwurf: Das Architekturstudium kann ganz schön stressig sein. Doch wer Nacht- und Wochenendarbeit nicht scheut, hat einen tollen Job: Denn Architekten bestimmen,...

Wie werde ich eigentlich ...?

Wie werde ich eigentlich ...?: Kfz-Mechatroniker Kfz-Mechatroniker

Kfz-Mechatroniker ist jedes Jahr der meistgewählte Ausbildungsberuf bei den Jungs. Angehende Autoschrauber brauchen dabei neben Muskeln auch technisches Know-how. Denn die Arbeit...

Wie werde ich eigentlich ...?

Wie werde ich eigentlich ...?: Metallbauer Metallbauer

Treppengeländer aus Edelstahl, Rollgitter aus Aluminium, Zaunanlagen aus Eisen: Solche Gegenstände entwerfen und montieren Metallbauer. Um den vier Kilo schweren Schmiedehammer zu...

Bilder (3)

Weitere Themen

Praxisumbau Dr. Klug & Kollegen

Praxisumbau Dr. Klug & Kollegen: Umbau und Erweiterung der Zahnarztpraxis abgeschlossen Umbau und Erweiterung der Zahnarztpraxis abgeschlossen

Die neuen Praxisinhaber Dr. Katrin Klug und Sven Klug führen ehemalige Zahnarztpraxis von Dr. Schmidt in Wemding weiter. Nach mehr als viermonatiger Umbauphase ist die Erweiterung...

Online Juni

Online Juni: IT-Service und Vertrieb seit 25 Jahren IT-Service und Vertrieb seit 25 Jahren

Das Computerstudio in Donauwörth feiert in diesem Jahr Jubiläum. Das Unternehmen ist aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung der perfekte Ansprechpartner, wenn es um IT-Fragen geht.

Berufswelt

Berufswelt: Wenn ich groß bin, werde ich... Wenn ich groß bin, werde ich...

Polizist, Feuerwehrmann, oder Stewardess – als Kind scheinen die Berufsziele klar zu sein. Doch je näher man der Entscheidung rückt, desto ungenauer wird die Vorstellung, was man...

Wie werde ich eigentlich ...?


Finanzrechner

Umfrage
Wie legen Sie Ihr Geld an?

Wirtschafts-Quiz
Moneyspecial

Wirtschaftsschaufenster