Wetter
Di.
21°C
Wetter
Mi.
22°C

Themenwelten   |   Wirtschaft

Wie werde ich eigentlich ...?

Schifffahrtskaufleute fahren nicht zur See. Sie sitzen in den Büros in den Häfen und überprüfen, welches Schiff welche Fracht geladen hat. Lehrlinge brauchen gute Englischkenntnisse. Denn oft haben sie es mit Kunden im Ausland zu tun.

Detlef Meenke vom Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg bringt es auf den Punkt: «Schifffahrtskaufleute haben den interessantesten der kaufmännischen Ausbildungsberufe.» Denn der Beruf ist nicht nur international, sondern auch vielseitig. Schifffahrtskaufleute steuern die weltweiten Warenströme auf tausenden von Handelsschiffen.

Am 1. August ist eine neue Ausbildungsordnung in Kraft getreten. Schon jetzt liegt die Messlatte für einen Ausbildungsplatz hoch. Das Gesetz schreibt zwar keine bestimmte Schulbildung vor. Doch die Arbeitgeber stellen am liebsten Abiturienten und Bewerber mit Fachhochschulreife ein. «Sie haben bessere Englischkenntnisse», nennt Meenke als Grund. «Englisch ist - in Wort und Schrift - die dominierende Fachsprache des Berufs», sagt auch Alexander Geisler, Geschäftsführer des Zentralverbandes Deutscher Schiffsmakler (ZVDS) in Hamburg.

Gute Berufsaussichten

Die Ausbildung ist in zwei Fachrichtungen möglich: in der Linienfahrt und der Trampfahrt. In der Linienfahrt wickeln die Schifffahrtskaufleute den Frachtverkehr auf Wunsch der Kunden nach festgelegten Schifffahrtsverbindungen ab. «Trampschiffe dagegen verkehren wie Taxis, ohne Fahrplan», erläutert Meenke. Die neue Ausbildungsordnung hat vor allem die Linienschifffahrt reformiert. Dort dürfen nun mehr Betriebe als bisher ausbilden und der Containerverkehr wird stärker berücksichtigt.

Die duale Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, kann aber bei entsprechender Eignung verkürzt werden. Lehrstellen bieten vor allem Reedereien und Schiffsmakler. Die Berufsaussichten seien ausgezeichnet, heißt es in der Branche. Denn der Welthandel wächst weiter. Bewerber sollten sicher stellen, dass sie sich rechtzeitig um einen Ausbildungsplatz kümmern. «Schon mit dem Zeugnis der 12. Jahrgangsstufe bewerben und nicht erst nach dem Abi», rät Meenke.

Der Unterrichtsstoff für die beiden Fachrichtungen ist in den ersten zwei Schuljahren gleich: Analyse der Transport- und Ladungsmärkte, Planung und Steuerung des Güterverkehrs auf den Schiffen und die Abwicklung der Schiffe im Hafen. Die angehenden Kaufleute lernen die entsprechenden Dokumente kennen und werden in der Geschäftskorrespondenz - natürlich in Englisch - unterrichtet. Im dritten Jahr folgt dann die Spezialisierung.

Organisationstalent und gute Umgangsformen

In der praktischen Ausbildung im Betrieb lernen die künftigen Schifffahrtskaufleute nicht nur den Umgang mit Geschäftspartnern, sondern auch mit Behörden und Seeleuten. Sie müssen mit einem Auftraggeber den Preis einer Fracht aushandeln, beim Schiffsausrüster Proviant für einen Stückgutfrachter bestellen, die Betankung eines Kühlschiffes organisieren und eine Ladung Maschinenteile versichern. Computer, Telefon und Fax gehören zum Arbeitsalltag.

«Kommunikationsfähigkeit und gewandtes, verbindliches Auftreten sind dabei wichtige Voraussetzungen für diesen Beruf», sagt Geisler. Es müsse dabei Rücksicht auf die unterschiedlichen Mentalitäten, politischen Orientierungen und Umgangsformen der in- und ausländischen Gesprächspartner genommen werden.

Schifffahrtskaufleute handeln Frachtraten und Lieferzeiten aus. Dazu müssen sie marktgerecht kalkulieren, was mathematisches Verständnis voraussetzt. Unentbehrlich ist auch ihr Interesse für internationale Ereignisse. Wenn in einem fernen Land beispielsweise ein Bürgerkrieg ausbricht, können Häfen nicht angelaufen werden. Dafür muss dann eine Lösung her, welche die Situation entschärft und den Auftraggeber zufriedenstellt.

Die meisten der bundesweit etwa 1000 Azubis gibt es in der Hafenstadt Hamburg, dem Schwerpunkt der deutschen Seeschifffahrt. An dieser Berufsschule erhalten derzeit 606 angehende Schifffahrtskaufleute Unterricht. «Mehr als 45 Prozent von ihnen sind Frauen», sagt Schulleiter Jan Theodor Schlichting. Von den Schülern haben 91 Prozent Abitur.

Im Schiffsmakler- und Reedereigewerbe sind die Ausbildungsvergütungen tariflich festgelegt. Sie beginnen im ersten Jahr mit 630 Euro, steigen auf 730 Euro und erreichen im dritten Jahr 830 Euro monatlich. Viele Betriebe zahlen allerdings mehr. Anfänger können mit einem Einstiegsgehalt zwischen 24 000 und 30 000 Euro jährlich rechnen. Allerdings steigt das Gehalt nach Fähigkeit. «Zum Teil erfolgt eine erfolgsabhängige Bezahlung», meint Meenke. (dpa)

Infos zum Berufsbild von der Arbeitsagentur

Infos zum Berufsbild vom Verband Deutscher Reeder

Verband Deutscher Reeder

Berufsschule Schifffahrt

Zentralverband Deutscher Schiffsmakler

Related content

Facebook Twitter Google Buzz

Mehr Artikel zum Thema

Weitere Artikel
Wie werde ich eigentlich ...?: Butler: Die rechte Hand der High Society

Wie werde ich eigentlich ...?

Butler sind wieder in Mode. Vor allem in England und der arabischen Welt sind sie gefragt. Aber auch deutsche Superreiche haben Bedarf. Die oberste Berufsregel heißt Diskretion.... Von Katlen Trautmann. Mehr...

Wie werde ich eigentlich ...?: Was ein Seiler mit Fußball zu tun hat...

Wie werde ich eigentlich ...?

Ihre Produktpalette reicht vom Netz in Fußballtoren bis hin zum Schiffstau. Trotzdem kennt fast niemand den Beruf des Seilers. Dabei ist die Ausbildung in dem uralten Handwerk ein... Von Katlen Trautmann. Mehr...

Wie werde ich eigentlich ...?: Der steinige Weg in die Grundschule

Wie werde ich eigentlich ...?

Auch beim Lehramt hat sich in der Ausbildung einiges geändert. Wer unterrichten will, muss nach dem Bachelor-Abschluss noch den Master drauflegen. Erst dann folgt das... Von Andreas Heimann. Mehr...

Weitere Themen

Gewerbegebiet Königsbrunn Süd: Von der grünen Wiese zum attraktiven Wirtschaftsplatz

So ist die Lage in Königsbrunn-Süd: Die ehemals „grüne Wiese“ ist hier nicht nur Spielraum für die Entfaltung von Unternehmen, sondern zugleich Sprungbrett in alle Richtungen... Mehr...

25 Jahre Maler Schimpp Höchstädt: Faszination Farbe

25 Jahre Maler Schimpp Höchstädt

25 Jahre Malerarbeit aus Meisterhand – Daniel Schimpp wird Junior-Chef im Höchstädter Familienunternehmen. Mehr...

Fort und Weiterbildung: 38.000 Schüler starteten ins Abitur

Fort und Weiterbildung

Für zehntausende Gymnasiasten geht es in diesen Wochen darum in den Abiturprüfungen ihr Bestes zu geben, um die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. Mehr...

Wie werde ich eigentlich ...?


Mercedes-Benz Augsburg

Umfrage
Wie legen Sie Ihr Geld an?

Wirtschafts-Quiz
Moneyspecial

Anzeige

Wirtschaftssschaufenster