Samstag, 30. August 2014

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Stress am Arbeitsplatz kann durchaus positiv sein. Fehlt jedoch das Gefühl für Überforderung, kann sich das schnell ändern - bis hin zur Abhängigkeit, warnt Experte Götz Mundle.

Wer mit Stress am Arbeitsplatz nicht richtig umgehen kann, kann nach Ansicht von Experten sogar davon abhängig werden. «Die Menschen suchen Herausforderungen, aber die Frage ist, wie gehen wir damit um», sagt der Ärztliche Geschäftsführer der Oberbergkliniken, Götz Mundle. «Kenne ich meine Grenzen und habe ich noch ein Gefühl dafür, wann es zu viel ist?»

Bedenklich werde es, wenn die Wahrnehmung von Stress verloren gehe, dann könne es zu süchtigen Strukturen kommen, sagt Mundle. «Stress kennt jeder. Er kann bei einem bewussten Umgang zu Sinnerfüllung, Zufriedenheit und Gesundheit führen. Das ist die Herausforderung, die der Mensch braucht, um zu wachsen.» Allerdings nehme die Arbeit in unserer Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein - die Anforderungen würden höher, Multitasking nehme zu. Bei Menschen, die nicht mehr das richtige Gespür für Überforderung haben, könne Stress daher auch ins Gegenteil umschlagen.

Dreh- und Angelpunkt

«Wer denkt, ich kann alle Arbeiten erledigen und für jeden alles machen, der läuft Gefahr, süchtig zu werden», sagt Mundle. Die Arbeit werde dann Dreh- und Angelpunkt im Leben, Beziehungen zu anderen Dingen, zu anderen Menschen und vor allem zu sich selbst verlieren an Wert. «Der Mensch ist 16 Stunden am Tag nur noch Arbeit.» Eine solche Sucht könne selbst zu körperlichen Entzugserscheinungen führen.

Eine Möglichkeit sei, mit den Arbeitssüchtigen zu üben, wieder einmal innezuhalten. «Sie müssen lernen, Pausen zu machen. Durch Achtsamkeit und Meditation lernen sie, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen und in sich hinein zu horchen», sagt Mundle. «Erst dann haben die Menschen wieder ihre fünf Sinne bei sich und sind in der Lage, bewusst zu entscheiden: Das kann und will ich meistern und das nicht.» (dpa)

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