Mittwoch, 28. Juni 2017

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Wirtschaftskriminalität, Betrug oder gar Mord: Verbrecher hinterlassen digitale Spuren. Wer in der Lage ist, sie auszuwerten, kann den Täter überführen. Hier sind IT-Forensiker gefragt. Sie sind Informatiker mit detektivischem Gespür.

Phishing, Scamming oder Hacking: Diese Wörter haben manche Menschen noch nie gehört. Dabei sind einige vielleicht bereits Opfer eines Phishing-Angriffs geworden - nämlich dann, wenn Betrüger auf einer gefälschten Webseite Daten wie Passwörter geklaut haben. Manch einer wurde von Scammern im Netz dazu überredet, Geld für eine Wohnung zu überweisen, die es gar nicht gibt. Oder ein Hacker hat sich Zugriff zum eigenen PC verschafft. Die sogenannte Cyberkriminalität hat viele Facetten. Hier kommt der IT-Forensiker zum Einsatz.

Marion Liegl ist so eine IT-Forensikerin. Die 36-Jährige ist selbständig und führt ihre Firma in Gera. Liegl arbeitet vorwiegend für Firmen, die Opfer von Cyberkriminalität geworden sind. Wird das Netzwerk eines Unternehmens angegriffen, ist sie zur Stelle. Liegl beginnt dann, Daten zu sichern.

Der Beruf des IT-Forensikers wird immer wichtiger. Computer, Smartphones, Tablets, Spielekonsolen: Jeder hinterlässt täglich zahlreiche Spuren im Netz - und macht sich damit angreifbar. «IT-Forensiker arbeiten zum Beispiel in Ermittlungsbehörden, Ministerien oder in IT-Sicherheitsabteilungen von großen Unternehmen», erklärt York Yannikos vom Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED) an der Technischen Universität Darmstadt.

Marion Liegl hat an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen den berufsbegleitenden Master Digitale Forensik studiert. Wer einen Bachelor-Abschluss im Fach Informatik mitbringt, braucht dort sechs Semester für das Studium. «Bewerber, die im Erststudium nicht Informatik studiert haben, holen die Grundlagen in einem zusätzlichen Einführungssemester nach», erklärt Studiengangsmanagerin Lydia Nietzold.

Voraussetzung ist außerdem mindestens ein Jahr Berufserfahrung in einem einschlägigen Fachgebiet wie Informatik oder polizeiliche Strafverfolgung. Was viele nicht wissen: IT-Forensiker brauchen Kenntnisse in Jura. Denn die Ergebnisse der digitalen Spurenjagd müssen auch vor Gericht Bestand haben. Doch ein Studium ist nicht der einzige Weg in die IT-Forensik. «Weiterbildungskurse neben dem Job eignen sich sehr gut als Spezialisierung», erklärt York Yannikos.

Neben einer soliden Informatikausbildung als Grundlage bringen IT-Forensiker vor allem Lust an Technik mit. Außerdem sollten sie sich in andere PC-Nutzer hineinversetzen können. IT-Forensikerin Marion Liegl findet, dass man in ihrem Beruf zusätzlich viel Einfühlungsvermögen benötigt. «Wenn ich in ein Unternehmen komme, ist das dort meist der erste Sicherheitsvorfall. Um die Situation zu beruhigen, brauche ich dann Fingerspitzengefühl», erzählt sie.

Doch nicht nur in Unternehmen können IT-Forensiker helfen, Verbrechen aufzuklären. Ob Mord, Überfall oder Entführung: Meist hinterlassen Täter digitale Spuren. Sie wertet der IT-Forensiker aus. Wann hat ein Laptop welches WLAN-Netzwerk genutzt? War ein USB-Stick tatsächlich an einem bestimmten Rechner angeschlossen? «Die Beantwortung dieser Fragen kann helfen, einen ganzen Fall zu lösen», sagt Andreas Blum vom Bundeskriminalamt (BKA).

Ein weiterer staatlicher Arbeitgeber ist das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Deutschlands IT-Sicherheitsbehörde. «Wir sind immer auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften», betont Pressesprecher Matthias Gärtner. Bewerber müssen allerdings bereit sein, sich einer Sicherheitsüberprüfung des BSI zu unterziehen. Hier wird die Vertrauenswürdigkeit des zukünftigen Mitarbeiters kontrolliert. (dpa)

Hochschule Abstadt-Sigmaringen: IT-Forensik

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