Donnerstag, 17. August 2017

20. September 2013 11:46 Uhr

Bliensbach

60000 Hähnchen verhindern

Eine geplante Produktionsstätte für Hühner beunruhigt Bliensbach und die Wertinger Region

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„Ich bin draußen. Ich bin mit dem geplanten Stall doch nicht im Ort!“ versichert der Landwirt Christoph Schmid.

Von Erich Wandschneider

Bliensbach Wenn es nach dem Willen des Landwirts Christoph Schmid geht, wird sich die „Einwohnerschaft“ von Bliensbach drastisch erhöhen. Er plant einen Hähnchenmaststall für 60 000 Tiere.

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Im Wertinger Ortsteil Bliensbach mit seinen gut 200 Einwohnern stößt Schmids Plan nicht nur auf Ablehnung, sondern auch auf Akzeptanz bei der oft noch bäuerlich geprägten Nachbarschaft. Laut Schmid gibt es in seinem Heimatort noch zehn Vollerwerbsbetriebe. Heute schon findet man hier – zwei Kilometer östlich von Wertingen – eine Schweinemast mit 1000 Sauen, Milchkühe, Puten, einen Hähnchenstall, Bullenhaltung.

Schmids Pläne wurden im November 2012 und im Juli 2013 von den Wertinger Stadträten wegen der zu erwartenden Geruchsbelästigung abgelehnt. Doch die Stadt ist nicht die zuständige Genehmigungsbehörde, sondern das Landratsamt Dillingen. Die Stadt Wertingen wird lediglich im Rahmen des Bundesimmissionsschutzgesetzes gehört und liefert routinemäßig ihre Stellungnahme ans Landratsamt. Entscheiden aber muss das Landratsamt nach den geltenden Gesetzen.

Im Juli betonte Christa Marx, die zuständige Juristin in Dillingen, angesichts der Weigerung der Wertinger Stadträte, dass man die schriftliche Begründung der Ablehnung durch die Stadt prüfen würde. Die Juristin weilt derzeit in Urlaub. Gestern betonte ein Sprecher des Landratsamts, dass das Anhörungs- und Beteiligungsverfahren abgeschlossen sei. Und weiter: „Das Genehmigungsverfahren befindet sich in der Entscheidungsphase. Die Rechtslage wird intensiv geprüft. Vor dem Hintergrund des schwebenden Verfahrens kann derzeit keine weitere Auskunft erteilt werden.“

Der Landwirt Christoph Schmid betrieb bis 2011 eine Rindermast in Bliensbach. Vor drei Jahren brannte sein Anwesen ab und er will sich deswegen neu orientieren und künftig als Hähnchenmäster sein Auskommen finden. Bis jetzt geht er davon aus, dass sein Bauantrag gesetzeskonform ist. Das wurde ihm auch vom Landratsamt signalisiert. Er will 700 000 Euro in den Neubau einer Hähnchenmastanlage investieren. Immer wieder wird in seinem Fall das Argument vorgebracht, er solle doch aus dem Dorf hinaussiedeln und außerhalb seinen Stall errichten, um die Nachbarschaft nicht mit Gerüchen zu konfrontieren. Schmid betonte im Gespräch mit der WZ: „Ich bin draußen! Ich bin mit dem Stall nicht im Ort! Der Stall hätte einen Abstand von 500 bis 600 Metern zum Ort!“ Laut Christoph Schmid liegt der Stall vor allem auch 600 Meter entfernt vom Bliensbacher Schullandheim.

Der Fall ist derzeit in der Schwebe. Vor sechs Wochen erklärte Christa Marx im Gespräch mit der WZ die Rechtssituation im Fall, dass man zu der Ansicht gelange, dass die Stadt ihr Einvernehmen zu Unrecht verweigere: „Dann gibt es einen eigenen Verwaltungsakt: Das Landratsamt könnte das städtische Einvernehmen ersetzen und den Genehmigungsbescheid erteilten.“ Allerdings könnte sich die Stadt dann im Gegenzug gegen dieses Vorgehen des Landratsamts vor dem Verwaltungsgericht klagen.

Die juristische Zukunft der Hähnchenmast wird weiter kompliziert durch einen formaljuristischen Fehler, den der Bund Naturschutz (BN) dem Landratsamt vorwirft: BN-Kreisvorsitzender Dieter Leippert klagte in Bliensbach, dass die Veröffentlichung der Auslegung – eine behördliche Zeitungsanzeige – zwar in der Wertinger Zeitung, aber nicht in der Donau-Zeitung erschienen sei, also nicht im gesamten Dillinger Landkreis. Somit habe der bei Blindheim wohnende Leippert von der Auslegung nichts erfahren und konnte nicht reagieren. Dagegen wolle er sich wehren (die WZ berichtete).

Schmids Hähnchenpläne und die Ablehnung der Mastanlage ziehen immer weitere Kreise. Diese Woche lud der BN zu einem allgemeinen Vortrag über Mastställe ins Schullandheim. Dieter Leippert und Hubert Götz vom Schullandheim konnten über 80 Zuhörer aus der Region begrüßen. Ein Teil zeigte sich in der weit über zweistündigen Veranstaltung darüber enttäuscht, dass die Referentin Marion Ruppaner, die eigens aus Nürnberg angereist war, nicht den Fall Bliensbach in den Fokus nahm, sondern in einem gründlichen Referat selbst die Nitrathäufung in Niedersachsen und die Bedrohung afrikanischer Bauern durch Agrarexporte aus der EU thematisierte.

In der Woche vor der Bundestagswahl kamen grüne Politikerinnen wie Bettina Merkl-Zierer, Heidi Teerporten und Christine Kamm nach Bliensbach. Aber auch der Bauernverband war mit Geschäftsführer Eugen Bayer und dem BBV-Kreisvorsitzenden Klaus Beyrer vertreten, der Tierschutz durch Johann Rechthaler. Eine Lösung für Bliensbach fanden die konträr Diskutierenden nicht. Thema war immer wieder die generelle Problematik der Mast, nicht der lokale Fall. Eigentlich ging nur BN-Vorsitzender Dieter Leippert konkret auf den Bliensbacher Fall ein: „Der BN wird versuchen, den Bliensbacher Stall zu verhindern“, versicherte er zum Schluss.

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