Lauingen Auf der Bierzeltbühne, die volle Maß neben dem Mikrofon, dazu herbe Attacken auf den politischen Gegner und eine Faust, die immer wieder aufs Rednerpult knallt. Nein, in dieser Wahlkampfpose kann man sich Leo Schrell nur schwer vorstellen. Ohne Zweifel will der amtierende Landrat seinen Job sehr gerne behalten. Doch die Wähler will er anders überzeugen - eben so, wie er es an diesem Abend im Lauinger Kastanienhof beim Ortsverband der Freien Wähler, versucht. So, wie ein Gentlemen es tun würde. Von Martina Bachmann

Schrell begrüßt jeden Besucher per Handschlag. Jeder bekommt ein freundliches Lächeln. Und gerade die Damen sind von seinem Charme begeistert. Selbst, so meint eine strahlend, wenn sie nicht alles verstehe, was der Landrat über die Kreispolitik erzähle - der sei einfach "ein toller Mann".
Seit rund sechs Jahren ist Schrell im Amt. Zuvor war er 14 Jahre lang Bürgermeister in Buttenwiesen. Politik ist sein Geschäft. Doch so, wie die Bundespolitiker ihren Beruf ausüben, will Schrell es nicht tun. Schließlich müsse sich ein Kommunalpolitiker bei den Bürgern vor Ort für seine Entscheidungen rechtfertigen. So erinnert er an diesem Abend auch an seine Ziele im Wahlkampf 2004 - und zeigt auf, dass er sie eingehalten hat: "Wort und Tat stimmen überein."
Dafür braucht er kein ausführliches Redemanuskript. Im Kastanienhof hat er lediglich einen kleinen Zettel in der Hand. Auf der Vorder- und der Rückseite hat er sich in seiner schwungvollen Handschrift Notizen gemacht. Seine Ziele sind unter anderem: Der Landkreis Dillingen soll "Bildungslandkreis" bleiben. Die Krankenhäuser sollen in kommunaler Trägerschaft bleiben. Das Gebäudesanierungsprogramm des Kreises soll weiter geführt werden.
Die Eckdaten des rund 82 Millionen großen Kreishaushaltes hat der Familienvater im Kopf. Schrell weiß, wofür wie viel Geld in den vergangenen Jahren ausgegeben wurde. 20 Millionen Tilgungen wurden bezahlt, mehrere Millionen Schulden abgebaut, sagt er. Dennoch sei es gelungen, rund 45 Millionen Euro zu investieren.
Stets verwendet er ein "Wir", das "Ich" ist nicht seine Sprache. Ein Beispiel: "Wir haben es geschafft, den Haushalt zu konsolidieren." Er betont, dass es unter den Mitgliedern des Kreistages jetzt ein gutes Miteinander gebe. "Die Gremien arbeiten über die Fraktionsgremien hinweg." Schrell macht damit auch deutlich: Es geht ihm um die Sache, nicht um die Parteizugehörigkeit.
Auf jede Frage aus dem Publikum weiß der Landrat an diesem Abend eine Antwort - selbst, wenn sie eigentlich gar nichts mit der Landkreispolitik zu tun hat. Er verspricht dabei nichts, was er nicht halten kann. Selbst, wenn mancher Lauinger Wähler enttäuscht darüber ist, dass Schrell ihm in den nächsten fünf Jahren keine neue Sporthalle in der Mohrenstadt bauen will. 45 Millionen Euro Investitionen stünden in dieser Zeit bereits an, erklärt der Landrat.
Schrell gewinnt die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer, in dem er gerade auch auf die Kreiseinrichtungen eingeht, die in der Herzogstadt liegen. So berichtet er, dass in seiner Amtszeit am Albertus-Gymnasium eine Mittagsbetreuung entstanden und eine neue Heizanlage in Betrieb gegangen ist. Und in Lauingen soll in der Zukunft auch das wohl größte Projekt des Kreises verwirklicht werden: der Neu- und Umbau der örtlichen Berufsschule. Rund 20 Millionen Euro wird dieses Projekt wohl kosten.
Der Vater dreier Söhne beginnt seine Sätze mit "meine sehr verehrten Damen und Herren". Er sagt, "wenn Sie mir erlauben". Stets sucht er den Blickkontakt mit seinen Zuhörern. Schrell erläutert Fachbegriffe, macht Dinge plastisch. Er unterstützt seine Worte mit den entsprechenden Handbewegungen. Nur ein einziges Mal wird er laut. Das ist der Zeitpunkt, als er über die Energieversorgung in Deutschland spricht. Dass man Milliarden Euro für Erdgas und Erdöl an Russland zahle, ist für ihn "Nonsens". Deshalb arbeiten die neuen Heizungen des Landkreises mit Holzpellets und Hackschnitzeln. Das Rohmaterial sei ausreichend und stamme aus der Region, antwortet Schrell auf eine Zuschauerfrage. Dort gebe es bereits die ersten Versuche mit schnell wachsenden Hölzern.
Am Ende bittet der 52-Jährige die Besucher, am Sonntag, 14. März, zur Landratswahl zu gehen. Er fordert sie nicht auf. Der Gentlemen äußert seinen Wunsch mit einem charmanten Lächeln: "Wenn es Ihnen möglich ist, mich zu wählen, wäre ich sehr froh."
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