Samstag, 25. Juni 2016

17. September 2008 17:20 Uhr

Frauenschlagen

Der Koran verbietet das Verprügeln, aber er erlaubt Schlagen als Signal

"Dürfen Muslime ihre Frauen schlagen?" Das Thema beschäftigt Wertingen, seitdem aufmerksame Besucher in diesem Sommer beim Tag der offenen Tür in den Gebetsräumen in der Laugnastraße in einem dort ausliegenden deutschsprachigen Buch entsprechende Ratschläge fanden, wie eine Ehefrau im Problemfall zu behandeln sei.

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Der Koran verbietet das Verprügeln, aber er erlaubt Schlagen als Signal
Foto: ALFA

Zunächst kamen schon Zweifel auf, ob ein solches Buch damals in den Gebetsräumen tatsächlich zu finden war. Aber die Recherchen der WZ ergaben, dass es sich um das Buch "Erlaubtes und Verwehrtes" des türkischen Islamwissenschaftlers Prof. Dr. Hayrettin Karaman handelt, das auch in deutscher Übersetzung vorliegt.

Bei der 200 Seiten umfassenden Fibel handelt es sich nicht um ein wissenschaftliches Werk, sondern um eine Islam-Fibel als Anleitung für Laien. Der Wertinger Imam (Vorbeter) Ibrahim Isik bestätigte, das dieses Buch zusammen mit anderen beim Tag der offenen Tür ausgelegen sei. Es sei nun nicht mehr in Wertingen vorrätig, da man die unverkauften Bücher nach diesem Tag wieder an die DITIB zurückgesandt habe.

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Aus dem Verkehr gezogen?

Das Buch hat anscheinend schon öfter für Furore gesorgt, denn die DITIB-Zentrale in Köln war schon in früheren Jahren wegen des Textes kritisiert worden. Die dortige DITIB-Sprecherin Ikbal Kilic beteuerte schon vor Jahren, das Buch werde nicht mehr vertrieben. Aber laut Medienberichten aus dem Rheinland - die im Internet einzusehen sind - hatte schon im Jahr 2005 der Kölner DITIB-Geschäftsführer Mehmet Yildirim erklärt, diese Fibel werde umgehend aus dem Verkehr gezogen. Wie auch immer, das Buch lag in Wertingen öffentlich aus.

Die Wertinger Zeitung traf sich zu einem Gespräch mit dem Wertinger Vorbeter (Imam) Ibrahim Isik und seiner Ehefrau Zeynep. Da der Imam die deutsche Sprache nur wenig beherrscht, dolmetschte die in Wertingen lebende Muslimin Elif Demir. Thema des Gesprächs war vor allem der 34. Vers der 4. Sure des Koran, der von Islam-Kritikern auch als "Frauen-Prügel-Vers" interpretiert wird und der auch in Karamans Buch die Grundlage des umstrittenen Kapitels bildet. Worum geht es? Laut Imam Isik gehe es im 34. Koranvers der 4. Sure und im Islam insgesamt keineswegs um das Verprügeln von Frauen. Der Vers beziehe sich auf das Verhältnis der Ehepartner und die Möglichkeiten des Ehemannes, im Problemfall einen Standpunkt zu beziehen.

Allerletzte Maßnahme

Es werde dabei im 34. Vers zunächst vorgeschlagen, mit der Frau zu reden. Fruchte das nichts, solle man die Betten auseinander tun - heute würde man sagen, man solle getrennte Schlafzimmer beziehen. Fruchte auch dieses nichts, dann dürfe geschlagen werden. Der Imam ließ durch seine Dolmetscherin Elif Demir ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei diesem "Schlagen" keineswegs um ein grobes Niederprügeln oder ein Verletzen handeln dürfe.

Es sei vielmehr als Signal zu verstehen, ein Zeichen, wie man es einem ungezogenen Kind durch einen Klapps geben würde. Das sei auch schon das Extremste, was man machen dürfe, denn der Prophet Mohammed sage an anderer Stelle, dass das Gebet des Gläubigen ungültig sei, falls er seine Frau ohne Grund geschlagen habe." Der Imam ließ seine Dolmetscherin verdeutlichen, dass ein Verprügeln der Ehefrau im Islam verboten sei.

Die Wertinger Zeitung erwähnte den Fall eines spanischen Imams, der das prophylaktische Schlagen der Frauen zur Verhinderung unliebsamen Verhaltens befürwortete. Der Wertinger Imam lachte dazu: "Das ist lächerlich!" Er meinte, dem Muslim sei der Erhalt der Familie überaus wichtig. Es ginge darum, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Familie zu erhalten.

Es ginge nicht darum, das Verprügeln von Ehefrauen zu erlauben. Vielmehr sei es ein allerletztes Signal, die Dringlichkeit einer Lage darzutun. Der Mann dürfe keineswegs so prügeln, sodass Spuren der Misshandlung bleiben, nicht ins Gesicht, nicht so- dass blaue Flecken bleiben. Eben das habe auch der in der Türkei viel gelesene Islam-Wissenschaftler Prof. Dr. Hayrettin Karaman wohl gemeint, als er in seinem Buch die Theologie für den Alltag zusammenfasste.

Frau darf nicht zurückschlagen

Dieser 34. Vers der 4. Sure des Korans entspricht nicht deutschen Rechtsempfinden und auch nicht deutschem Recht. Wenn schon geschlagen wird - darf die Frau dann im Islam mit gleicher Münze zurückzahlen und ihrerseits den Ehemann im Problemfall schlagen?

Der Wertinger Imam verneinte das. Das Vorgehen der Frau - im Falle, dass sich der Ehemann schlecht verhält - ist folgendermaßen geregelt: Zuerst wird sie es mit einem Gespräch versuchen. Falls das nichts fruchtet, muss sie zwei Außenstehende als Zeugen des Fehlverhaltens haben. Im Extremfall kann sie die Scheidung einreichen.

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Wertingen | Köln | Rheinland | Türkei

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Ein Artikel von
Erich Wandschneider

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Ressort: Lokalnachrichten Wertingen

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