Holzheim/Münster Die mögliche Schlackedeponie der Lech-Stahlwerke (LSW) in der Sandgrube "Roter Brunnen" bei Holzheim im südlichen Donau-Ries-Kreis bleibt ein heißes Eisen. Der Umweltausschuss des Landtags hat von beiden Seiten Eingaben bekommen, die am 30. September behandelt werden sollen: Neben der Petition der LSW-Belegschaft aus Herbertshofen, die bei einem Scheitern der Deponie um ihre Arbeitsplätze fürchtet, haben sich auch erneut die Gemeinden Holzheim und Münster an das Gremium gewandt. Die Kommunen monieren, dass sich die Regierung von Schwaben nicht an den Beschluss des Umweltausschusses halte, wonach für die Ablagerungsstätte wieder ein großes Planfeststellungsverfahren samt Planrechtfertigung nötig sei.
Zur Petition der LSW-Beschäftigten merken die beiden Bürgermeister Robert Ruttmann (Holzheim) und Gerhard Pfitzmaier (Münster) an, dass Firmeninhaber Max Aicher Ende 2009 bei einem Termin in Holzheim erklärt habe, er drohe nicht mit Arbeitsplätzen.
Ein zentraler Punkt sei, ob die umstrittene Deponie überhaupt notwendig ist. Für die Rathauschefs ist der Fall klar. "Die LSW verfügen andernorts über ausreichende Deponiekapazitäten", heißt es in dem Schreiben an die Mitglieder des Umweltausschusses. In Bayern gebe es eine Reihe geeigneter Ablagerungsstätten. Beispielsweise stünden bei Neuötting und Neustadt/Aisch Deponien leer. "Dort kann sofort eingefahren werden", erklärt Ruttmann.
Kalibergwerk in Thüringen sei "bestens geeignet"
Bestens geeignet für die Lagerung der Schlacke aus Herbertshofen wäre nach Ansicht der Kommunen auch das ehemalige Kalibergwerk in Bleicherode (Thüringen) - und zwar "für 100 Jahre". Max Aicher sei einer der Gesellschafter in Bleicherode. Dort sei sogar ein Bahnanschluss vorhanden. Dem Landratsamt in Donauwörth seien weitere Lagerstätten bekannt, so Pfitzmaier und Ruttmann. Denen zufolge hat sich seit 2000, als die Regierung von Schwaben erstmals die Schlackedeponie bei Holzheim genehmigte, die entsprechende Verordnung grundlegend geändert. Bei der Frage nach der Notwendigkeit würden die LSW "sofort durchfallen", glauben die Bürgermeister. Daher fürchteten sich die LSW vor einem neuerlichen Planfeststellungsverfahren.
Befremdend sei, dass die Regierung von Schwaben augenscheinlich alles dafür tue, dass die Firma ihre Ziele verwirklichen kann. Die Rathauschefs wiederholen den Vorwurf, wonach die Behörde stets einseitig zugunsten der Lech-Stahlwerke handle. Die Regierung beabsichtige, für die Deponie ein weniger aufwendiges Genehmigungsverfahren anzuordnen - was dem Willen der Landtagsabgeordneten widerspreche. "Es muss alles noch einmal auf den Tisch", fordern die Bürgermeister.
Der Gemeinde Holzheim liegen Ruttmann zufolge inzwischen neue Erkenntnisse vor, "die eindeutig ergeben, dass durch eine solche Deponie die Trinkwasservorkommen im unteren Lechtal gefährdet würden". Pfitzmaier teilt diese Einschätzung.
Bei einer Akteneinsicht bei der Regierung von Schwaben hätten von der Gemeinde Holzheim beauftragte Experten (der Sachverständige Dr. Andreas Friz-Töpfer sowie ein Vertreter der Anwaltskanzlei) festgestellt, dass die von den LSW eingereichten Antragsunterlagen "löchrig" seien, teilt Ruttmann mit.
Die Kommune ließ den Würzburger Professor und Geologen Peter Udluft eine hydrogeologische Stellungnahme fertigen. Ergebnis: Er zweifelt an, dass die Sandgrube "Roter Brunnen" als Schlackedeponie geeignet ist. Eine durchgehende geologische Barriere fehle. Schadstoffe könnten ins Grundwasser gelangen. Das in LSW-Plänen vorgesehene Abpumpen von Regenwasser widerspreche den Vorgaben der Deponieverordnung. Auch in anderen Punkten bestehe Klärungsbedarf. (wwi)
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