Wertingen Schwarzarbeit boomt! 2010 könnte ein Rekordjahr werden. Hier eine kleine Reparatur am Wasserhahn - das macht ein Bekannter eines Freundes, dort Fliesenlegen - das erledigt der Nachbar für ein Handgeld und die Haushaltshilfe, die einmal pro Woche bügelt und putzt - sie ist unangemeldet und arbeitet am Fiskus vorbei.

In der Region Wertingen macht man sich Gedanken, wie die Schattenwirtschaft eingedämmt werden kann, denn die Handwerksbetriebe leiden unter dieser Entwicklung, sagt Karl Kratochvil, der Kreishandwerksmeister aus Wertingen. Im Grund befürwortet er die von Finanzminister Wolfgang Schäuble zusätzlich eingesetzten Kontrolleure, stellt aber gleichzeitig den Nutzen in Frage: "Die Kontrolle sollte sich nicht nur auf Großbaustellen konzentrieren, sondern auch auf private Bauten ausgedehnt werden", fordert er. Wenn freitags in der Mittagszeit in Neubauten Maschinen und Motorsägen angeworfen werden, seien in vielen Fällen Schwarzarbeiter am Werk, mutmaßt er. Eine von sechs Arbeitsstunden in der deutschen Bauwirtschaft werde schwarzgearbeitet.
Rückläufige Auftragszahlen
Das macht sich an den rückläufigen Auftragszahlen bemerkbar. Da käme eine Steuerermäßigung, wie sie jüngst die Hotelbranche durchgesetzt hat, den Handwerkern ebenfalls zupass. Kratochvil: "Wir reden schon lange davon, dass hier mehr getan werden müsste." Von der jetzigen schwarzgelben Regierung ist er enttäuscht: "Ich bezweifle, dass wir dieselbe Schützenhilfe erhalten werden wie die Hoteliers", kritisiert der Kreishandwerksmeister. Dabei wäre ein niedrigerer Steuersatz von sieben Prozent ein probates Mittel gegen Schwarzarbeit, glaubt Kratochvil.
"Lasst den Handwerker doch ein bisschen nebenher arbeiten - steuerfrei", verlangt ein Geschäftsmann aus dem Lechtal, der seinen Namen nicht in der Zeitung genannt haben will. "Wenn einer am Samstag für zehn Euro pro Stunde Fliesen legt, will er sich ja etwas leisten können oder sein Benzin finanzieren." Seinem Betrieb habe Schwarzarbeit noch nie wehgetan. "Den Kleinen geht man an den Kragen, die Großen lässt man laufen", ergreift er Partei für die Schwarzarbeiter.
"Ich muss nebenher arbeiten, weil der Lohn für die Familie nicht reicht", begründet ein Maler (Name der Redaktion bekannt). 15 Euro erhält er in der Stunde vom Arbeitgeber, Privatkunden zahlen ein paar Euro mehr. "Man will sich mal was leisten und Rücklagen schaffen", sagt er. Im vergangenen Jahr war die Nachfrage so groß, dass er nicht alle Aufträge annehmen konnte.
Kein Verständnis für Schwarzarbeit hat Patrizia Thiel vom gleichnamigen Friseursalon in Wertingen: "Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt." Schließlich würden dadurch dem Staat Steuergelder und Sozialabgaben vorenthalten, die die Gesellschaft aber dringend bräuchte. Wenn nicht bald gegengesteuert werde, befürchtet sie ein Wegbrechen des Mittelstandes. Doch "wer bildet dann noch aus?", fragt sie sich. Im Friseurhandwerk grassiere Schwarzarbeit besonders stark. Hier sei aber schwer nachzuweisen, ob es sich um Schwarzarbeit oder um reine Nachbarschaftshilfe handelt.
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