Donnerstag, 23. November 2017

06. März 2017 18:52 Uhr

Wertingen

Kinder entwickeln ungeahnte Kräfte

Wie Wertinger Grundschüler Gefahrensituationen richtig einschätzen, reagieren und Missbrauch verhindern können. Ein klares „Nein“ und Twin Taekwondo können dabei helfen. Von Ulrike Walburg

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Täter sind feige und scheuen die Öffentlichkeit. Grundsätzlich setzten Eltern alles daran, ihre Kinder vor Gefahren zu beschützen. Doch mit zunehmender Selbstständigkeit der Kinder sind der elterlichen Fürsorge Grenzen gesetzt. In einem Grundkurs zum Thema „Eigenschutz“ erlernen Grundschüler aus Wertingen Sicherheitsregeln. Während eines dreitägigen Seminars erwerben die Kinder Abwehrkompetenzen gegen Missbrauch und Gewalt. Die Kinder machen sich mit möglichen Gefahrensituationen vertraut und spielen an praktischen Beispielen Reaktionsmöglichkeiten durch.

Was kann ein Kind zu seinem Eigenschutz tun, wenn es beispielsweise auf dem Schulweg angesprochen wird? „Schnell weglaufen und laut und vehement um Hilfe schreien“, rät Gerhard Meier, Polizeihauptkommissar im Polizeipräsidium Schwaben Nord. Aus seiner umfangreichen polizeilichen Tätigkeit gibt er Erfahrungen zu Prävention von Gewalt an Kinder weiter. Meier ist nebenberuflich Systemgroßmeister in Twin Taekwondo. Mit einem Team von Taekwondolehrern aus der Region vermittelt er in einer optimalen Kombination von Theorie und Praxis den Kindern und ihren Eltern Wissenswertes rund um mögliche Gefahrensituationen. Er gibt den Kindern erprobte Sicherheitsregeln an die Hand. Grundsätzlich diene Angst in ungewohnten Lebenssituationen der Gefahrenabwehr. Allerdings könne sich in Krisenfällen dieser natürliche Schutzmechanismus lähmend auswirken und handlungsunfähig machen.

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Damit in einer Notsituation nicht die Schockstarre überhand nimmt, machen sich die Kinder mit ungewöhnlichen Situationen bekannt. Anhand von praktischen Beispielen üben sie verschiedene Reaktionsmöglichkeiten. Schnelligkeit und Geschicklichkeit trainieren sie in diesem Kurs. Sie überwinden Hindernisse und lernen, dass es beispielsweise bei einer Flucht aus einer gefährlichen Situation sicherer sein kann, von einer Erhöhung auf dem Po runterzurutschen, statt zu springen. Mögliche Verletzungen können dadurch vermieden werden. Was können Kinder tun, wenn sie auf dem Schulweg, gegen ihren Willen festgehalten und hochgehoben werden? Die Grundschülerin Lilly Anwander zeigt, wie es geht. Sie schreit bei dieser Übung so laut sie nur kann. Sie macht mit ihrem Geschrei viel Lärm, reist dem Angreifer Haare aus, zappelt wild mit den Beinen und verteilt darüber hinaus gezielte Fußtritte.

Bei Übergriffen gegen Kinder streben Täter nach Macht und Dominanz. Täter arbeiten perfide, planen ihre Tat und arbeiten mit Schuld- und Schamgefühlen der Kinder. Sie erschleichen sich kindliches Vertrauen, gelten oftmals als überaus engagiert und genießen mitunter hohes gesellschaftliches Ansehen. Den fremden Täter gibt es sehr selten. Meist kommen Täter aus der Familie und dem Bekanntenkreis. Oft schaffen sie Gelegenheiten, um mit dem Opfer alleine zu sein. Verantwortlich für sexuelle Übergriffe ist allein der Täter, Kinder sind Opfer. Sie trifft keine Schuld. Darüber klären die Fachleute während des Seminars auf.

Die Kinder hören in dem Seminar Botschaften wie „Dein Körper gehört nur dir allein“ und denken darüber nach, wer ihnen wann was zu sagen hat. Sie lernen, in einer bedrohlich erlebten Situation den eigenen Eindrücken zu vertrauen. „Es gibt viele Graustufen, zwischen den Extremen, die bedrohlich erlebt werden“, berichtet Meier. Die Entscheidungskraft jedes Kindes müsse gestärkt werden, damit es in der jeweiligen Situation selbstständig wichtige Entscheidungen treffen kann. Die Kinder lernen Nein zu sagen und sich Hilfe zu holen.

In einer Kombination von Theorie und Praxis erhalten sie Hintergrundwissen zu möglichen Gefahrensituationen, um diese besser zu verstehen und einschätzen zu können. „Über Wissen läuft viel“, davon ist Gerhard Meier überzeugt. Ein Weg der Gefahrenprävention sei die Analyse des Schulwegs, so der Polizist. Welche Straßen sind zu überqueren, was gibt es an Besonderheiten zu beachten, und wo gibt es auf dem Weg Rettungsinseln für die Kinder. Eine Rettungsinsel kann ein öffentlicher Ort, eine Tankstelle oder ein Geschäft sein. Ein Ort, an dem ein Kind sich an hilfsbereite Menschen wenden kann. Die Kinder berichten von einer ihnen bekannten Rettungsinsel mitten in der Stadt. Dies sei sogar am Schaufenster mit einem besonderen Hinweisschild gekennzeichnet. Im Notfall könnten die Kinder Hilfe im Schreibwarengeschäft Gerblinger am Marktplatz bekommen.

Die Kinder lernen praktische Abwehrtechniken aus dem Kampfsport TwinTaekwando. „Dieser Sport schult Körper und Geist und unterstützt Kinder darin, die eigene Mitte zu finden“, berichtet Thomas Brugger. Er unterrichtet Kinder in Wertingen in dieser Sportart. Das Eigenschutztraining dient dem Selbstschutz und legt einen Grundstein zum Thema Sicherheit. Mit speziellen Griffen lernen die Kinder, sich aus unterlegenen Situationen zu befreien und sich aus der Gefahrensituation zu entfernen. Die zierliche Marie Ladenmeier hat viel gelernt in diesen drei Tagen des Seminars. Mit einer bestimmten Technik und einem gezielten Schlag entwickelt sie ungeahnte Kräfte und trennt ein Holzbrett in zwei gleiche Teile.

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