Sonntag, 20. August 2017

01. November 2015 07:00 Uhr

Wertingen/Landkreis Dillingen

Letzte Ruhe unterm Baum

Stadtrat Ludwig Klingler will Alternative zur Friedhofskultur. Die Chancen für einen Friedwald stehen gut. Wie Mutter Natur die Grabpflege übernimmt. Von Bärbel Schoen

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Stadtrat Ludwig Klingler setzt sich für einen Friedwald ein.
Foto: Bärbel Schoen

Ludwig Klingler wüsste schon, wo er einmal begraben sein möchte: „Im Donauried unter einer alten Buche.“ Seit Kurzem stehen die Chancen gut. Denn nach langem Suchen hat er ein passendes Areal im Landkreis Dillingen gefunden.

Oft geht der 65-Jährige im Wald spazieren und genießt die Natur. Für Bäume hat der Wertinger schon immer ein Faible: „Bäume sind Symbole des Lebens.“ Als grüner Stadtrat schützt er sie vor allzu schneller Säge, auch, wenn er dafür manchmal belächelt wird. Für Klingler sind Bäume Mitgeschöpfe, die untereinander kommunizieren können. „Wissenschaftlich ist das längst belegt. Ein Baum, der von Schädlingen befallen wurde, kann andere Bäume über seine Blätter und Wurzeln warnen, viele Kilometer weit“, erklärt er.

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Ehrfurchtsvoll verweilt Ludwig Klingler vor Baumriesen, wie der alten Buche am Skulpturenpfad im Donauried. Beigesetzt an den Wurzeln des Baumes – für den früheren Banker ist das ein tröstlicher Gedanke. „Ich wünsche mir einfach einen schönen Platz in der Natur, ein Fleckchen Erde des Friedens.“ Die aufwendige Pflege des Grabes könnten sich die Angehörigen in einem sogenannten Fried- oder Ruhewald sparen. „Meine beiden Kinder leben weit entfernt von hier und werden wohl nicht mehr nach Wertingen zurückkehren.“ Die Pflege im Friedwald übernimmt dann Mutter Natur, und sie schmückt sie mit ihren vier Jahreszeiten. Vor einem Jahr hatte Klingler dem Wertinger Stadtrat seine Idee eines Friedwalds vorgestellt. Über den Antrag wurde allerdings nicht abgestimmt. Dabei sind Baumbestattungen in Deutschland schon seit über zehn Jahren möglich. Nach einer Forsa-Umfrage wünscht sich jeder vierte Deutsche eine Beisetzung im Wald oder auf See. Auch in Wertingen wächst die Nachfrage. Klingler: „Ich habe bereits 40 Anmeldungen von Familien für diese alternative Bestattungsform.“ Bundesweit gibt es mittlerweile rund 200 Bestattungswälder.

Im Landkreis Dillingen könnte es auch bald einen Trauerwald geben, wenn sich die Verantwortlichen einig werden. Klingler: „Ich bin in Verhandlung mit einem Waldbesitzer, der einen großen Wald mit altem Baumbestand im Raum Dillingen besitzt.“ Rechtliche Hürden und die Flächennutzung stünden dem Projekt allerdings noch im Weg. Nach Allerheiligen ist eine Begehung des Waldes mit den Besitzern vorgesehen.

Nachdem die Bayerische Regierung bereits 2005 den Friedhofszwang gelockert hat, steht von dieser Seite nichts mehr im Weg. Seit zehn Jahren können Verstorbene in der freien Natur beerdigt werden. Voraussetzung ist die Kremierung des Toten. Die Asche wird in einer biologisch abbaubaren Urne am Fuße eines Baumes beigesetzt. „Nach etwa zwei Jahren ist man mit der Erde eins geworden“, sagt Klingler. Den Platz im Wald könne jeder nach eigenem Gusto auswählen. Es gebe unterschiedliche Bäume: Familien-, Partner-, Freundschaftsbäume. Ludwig Klingler hat sich bereits umgeschaut und die Preise verglichen. In einem lichtdurchfluteten Mischwald mit heimischen Baumarten wie Buche, Eiche, Lärche, Fichte, Weißtanne und Eibe liegt zum Beispiel der Ruheforst Wildenburger Land in Rheinland-Pfalz. Dort kostet ein Bestattungsplatz einmalig 595 Euro, ein ganzes „Ruhebiotop“ mit zehn Plätzen 3450 Euro – bis zum Jahre 2105.

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