Augsburg Eine viermonatige Reise hat gestern in Augsburg ein Ende gefunden: Der Autoklav ist da. Der überdimensionale Druckofen soll die Flugindustrie in ein neues technisches Zeitalter führen. "Mit dieser Innovation können Flugzeuge künftig 20 Prozent Kerosin einsparen", rechnet Peter Schwarz vor. Er ist der Augsburger Werksleiter vom Luftfahrtunternehmen Premium Aerotec - ehemals EADS, die derzeit in Sichtweite der Impuls-Arena ihre neue Dependance errichten. Von Miriam Zissler

Er nahm gestern Vormittag den Ofen in Augenschein. "196 Reifen hat der Transporter. Ich habe sie gerade gezählt", sagt er. Tag für Tag hat er sich nach seinem Aufenthaltsort erkundigt. "Es war klar, dass er ankommt. Aber ich bin sehr zufrieden, dass diese monatelange Detailarbeit so gut aufgegangen und er mit nur vier Tagen Verspätung am Werk angekommen ist", so Schwarz.
Im Mai beginnt die Testphase
Somit liegt alles im Zeitplan. Im Mai sollen die ersten Tests im Werk laufen. Schwarz: "Wir haben einen strengen Winter einkalkuliert und in unserer Baustelle Heizungen und Belüftungen mit eingebaut. Die Bauarbeiter konnten in der geschlossenen Halle bereits durcharbeiten." Hier wird künftig die Rumpfstruktur für das neue Airbus-Langstreckenflugzeug A350 XWB gefertigt. Das ist ein 18 Meter langes und fünf Meter hohes Einzelteil, erklärt Firmensprecher Edmund Reitter, dass hinter den Flügeln der Flugzeuge montiert wird.
Die Innovation ist das verwendete Material. Es werden harzgetränkte Bänder aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen geformt und später im Autoklav gebacken, also gehärtet. "So erhält das Bauteil eine Festigkeit wie Stahl, ist aber leichter als Aluminium. Das ist der erste Schritt in Richtung grünes Flugzeug. Denn durch das geringere Gewicht kann natürlich Treibstoff gespart werden", so Schwarz. Ein Argument, dass zu überzeugen scheint: 500 Flugzeuge wurden laut des Werkleiters bereits bestellt.
Premium Aerotec hat insgesamt 360 Millionen Euro in die neue Technik investiert, davon wurden 180 Millionen Euro in das Werk in Augsburg gesteckt. Der Autoklav kostete 6,5 Millionen Euro.
Heute wird er "eingebettet". Den Weg von Südkorea bis nach Augsburg hat der Autoklav zurückgelegt - doch auch die letzten Meter haben es in sich. Nochmals mussten dafür zahlreiche Vorkehrungen getroffen und nun kurzfristig doch wieder geändert werden. "Zuerst war es zu kalt, dass wir durch Schnee und Blitzeis etwas in Verzug geraten sind. Jetzt ist es viel zu warm. Der Kiesweg zur Rückwand des Gebäudes ist total aufgeweicht", bemerkt Peter Schwarz. Gestern wurde deshalb der Weg nochmals mit neuem und vor allem trockenen Material aufgeschüttet. "Nicht, dass der Transporter samt Druckofen im Schlamm versinkt", so Schwarz.
Der Spezialtransporter wird sich heute um elf Uhr wieder in Bewegung setzen. Ein Autokran hievt ihn vor der Halle auf eine Schiene, der Autoklav wird einige Meter in die Halle geschoben und schließlich wieder durch spezielle Kräne in sein "Bett" gehoben.
Wenn bei den Testläufen alles funktioniert, will Premium Airotec im Juni beziehungsweise Juli mit der Serienproduktion beginnen. Bis zu 300 Mitarbeiter werden maximal in dem Werk beschäftigt werden.
Erst wenn der Autoklav in der Halle steht, kann Andreas Neubauer von der Voss International Speditionsgesellschaft aufatmen. Sie haben den Druckofen am Neckar in Empfang genommen und bis nach Augsburg transportiert. "Wir sind zwar auf Spezialtransporte spezialisiert, aber diese Dimension hatten selbst wir in den vergangenen drei Jahren nicht." Elmar Thur, Oberkommissar des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, kann sich gar nicht an solch einen großen Einsatz erinnern. Ein Jahr Vorbereitungszeit hat es für diesen Transport gegeben.
Im Februar 2009 wandte sich die Spedition mit einem Streckenvorschlag an die Polizei. Gemeinsam mit Vertretern der Landratsämter wurde die Route festgelegt. Bereits Donnerstagnacht steht der nächste Schwerlasttransport an. Der Deckel des Druckofens wird nachgeliefert. Thurl: "Der ist allerdings nur 7,65 Meter breit und wird auf einer Höhe von 1,50 Metern transportiert, damit er die Leitplanken überragt."
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