Sonntagnachmittag in Wertingen, Katharina und Rainer Hack sowie Peter Uhl und Alfred Semelink treffen sich bei Peter Denzel und Birgit Schretzmeir. Doch es ist kein normaler Kaffeeklatsch unter Freunden. Beim Betrachten der gemeinsamen Urlaubsbilder sind es vor allem die Bilder der letzten Nacht an Bord des Kreuzfahrtschiffes, welche die vier Männer und zwei Frauen an aufregende Stunden erinnern. Sie alle waren Passagiere der Costa Concordia, die von Freitag auf Samstagnacht vor der italienischen Insel Giglio auf Grund lief.
Über 40 Stunden vorher begann für die Wertinger Freundesrunde der Kampf ums Überleben. Es sollte der letzte schöne Abend auf dem Luxusliner werden, bevor es Samstagvormittag nach einer Woche Kreuzfahrt durchs westliche Mittelmeer wieder zurück nach Wertingen gehen sollte. Glücklich und vor allem gesund zu Hause sind sie mittlerweile, Hab und Gut jedoch mussten sie auf dem Schiff zurücklassen.
"Hauptsache wir sind hier"
„Hauptsache wir sind hier“, so alle einstimmig, dennoch berichten auch sie wie viele andere Passagiere von chaotischen Zuständen bei der Rettungsaktion. Als sich das Schiff immer mehr zur Seite neigte, hieß es, auf zu den Sammelstationen und den Rettungsbooten. Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch massive Probleme mit dem Ablassen der Rettungsboote.
„Es dauerte ewig, bis der Alarm ausgelöst wurde“, so Birgit Schretzmeir. Die Wertingerin gehörte mit ihrem Lebensgefährten Peter Denzel mit zu den Letzten, die vom Schiff abgeseilt wurden. Die Anweisung, im Theater zu warten, befolgten die beiden nicht, seilten sich sogar ein Deck nach unten ab und warteten geduldig auf der zum Himmel zeigenden Schiffsseite. „Peter hat anderen Passagieren geholfen über die Reling, die ja nun nach oben zeigte, zu kommen“, erinnert sich die 37-Jährige. Überhaupt seien die Passagiere untereinander überaus hilfsbereit gewesen, was von der Crew nicht gesagt werden kann. Vergeblich versuchten sie auch ihre Freunde über Handy zu erreichen.
Für Rainer Hack gibt es eigentlich nichts Schöneres als eine Kreuzfahrt. Ob er und seine Frau allerdings eine Schiffsreise machen, die sie bereits in den kommenden Monaten antreten wollten, wissen sie noch nicht. Und auch die anderen müssen das Geschehene erst einmal verarbeiten. Seit sie zurück in der Heimat sind, haben die Sechs viel Anteilnahme und Glückwünsche von Freunden und Bekannten entgegengenommen und müssen ihre Erlebnisse immer wieder schildern. Erlebnisse, die sie wohl ihr Leben lang nicht vergessen werden.