Höchstädt Mitte Juli 2007 wurde Anzeige gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Höchstädter Firma Grünbeck erstattet. Der Vorwurf: Untreue. Der Ex-Prokurist, der 30 Jahre lang für Grünbeck arbeitete, soll nach dem Stand im Jahr 2007 rund 1,5 Millionen Euro veruntreut haben. Am kommenden Montag, 17. Januar, um 9 Uhr findet nun der Strafprozess vor dem Landgericht in Augsburg statt. Die Vorwürfe, die dem 69-jährigen Mann jetzt in der Anklage gemacht werden, lauten auf Untreue in 63 besonders schweren Fällen. Die Ehefrau wird wegen Beihilfe angeklagt. Den beiden wird vorgeworfen, sich über eine Briefkastengesellschaft in Irland erhebliche Gewinne in Höhe von 890 000 Euro verschafft zu haben. Von Simone bronnhuber
Grünbeck-Geschäftsführer Dr. Günter Stoll ist froh, dass der Termin jetzt steht. Er wird an diesem Tag als Zeuge auftreten. "Das Ganze soll endlich abgeschlossen werden. Wir wollen nicht länger mit diesem Vorgang von unserer eigentlichen Arbeit abgehalten werden", so Stoll. Dass es so lange gedauert hat, sei bedauerlich. "Man muss akzeptieren, dass es im deutschen Rechtssystem bestimmte Spielregeln gibt. Fälle, bei denen die Angeklagten in Untersuchungshaft sitzen, mussten nun mal vorrangig bearbeitet werden", sagte Stoll gegenüber der WZ. Auch der angeklagte Ex-Mitarbeiter wurde kurze Zeit in Haft genommen.
Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat sich ergeben, dass Filterkerzen, die eigentlich aus Italien kommen, auf Umwegen über eine irische Gesellschaft bestellt worden sind. Den direkten Weg der italienischen Firma, die Kerzen nach Höchstädt zu verschicken, soll der Angeklagte abgeblockt haben. Über diese irische Firma wurde laut Staatsanwaltschaft ein Aufschlag von 17 Prozent berechnet. So soll ein Mehraufwand von 890 000 Euro für die Firma Grünbeck entstanden sein. Dieser Zugewinn soll von 2002 bis 2007 passiert sein.
Nicht nur die Verantwortlichen bei Grünbeck sind froh, dass der Prozess endlich beginnt, sondern auch die Mitarbeiter. In einem anonymen Brief an unsere Zeitung schreiben sie, dass es "eine entsprechende Berichterstattung über diesen jahrzehntelange abzockenden Betrüger" geben soll. Sie beklagen, dass der "Betrüger zusammen mit seiner habgierigen Ehefrau lieber in seine eigene Tasche gewirtschaftet hatte, als seinen Kollegen Weihnachtsgeld zu vergönnen".
Dr. Günter Stoll kann diesen Frust verstehen: "Er war eine Führungskraft, der sich in den für die Firma Grünbeck wirtschaftlich schwierigen Jahren vor die Mitarbeiter hingestellt und allen erzählt hat, dass wir den Gürtel jetzt enger schnallen müssen. Während bei den Mitarbeitern Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld reduziert wurden, floss über eine irische Briefkastenfirma Geld in die eigene Tasche".
Hoffnung auf mehr Chancen im Zivilverfahren
Die vorgeworfene Untreue habe sich konkret im Gehalt bemerkt gemacht. "Deshalb haben wir unsere Mitarbeiter auch regelmäßig über den Stand der Ermittlungen informiert. Insofern ist der Wunsch nachvollziehbar, dass der Ex-Prokurist seiner gerechten Strafe zugeführt wird", so Geschäftsführer Stoll. Mit einem Urteil am kommenden Montag erhoffen sich die Beteiligten auch mehr Chancen für die immer noch laufenden Zivilverfahren. "Wenn er verurteilt wird, dann hätten wir es schwarz auf weiß und könnten das mit bei den Zivilverfahren einbringen", erklärte Stoll. Denn immer noch ist der ehemalige Mitarbeiter Gesellschafter bei der Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH. Vor zwei Monaten hat ein Zivilrichter entschieden, dass er nicht im Interesse der Gesellschaft gearbeitet hatte und deshalb aus der GmbH ausgeschlossen werden kann. Daraufhin hat der Ex-Prokurist Berufung gegen das Urteil eingelegt. Eine weitere Zivilklage läuft wegen Schadensersatz.
"Wir kämpfen seit zwei Jahren, dass er aus der Gesellschaft raus muss und dass der uns entstandene Schaden wieder gut gemacht wird. Wir hoffen, dass nach dem Strafprozess vor dem Landgericht auch diese Zivilverfahren schnell vom Tisch sind", sagte Stoll.
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