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22. Januar 2010 05:19 Uhr

Sterben die Wertinger Kneipen aus?

Wertingen (phwi) - Rauchverbot und Wirtschaftskrise sind zwei große Faktoren, die Kneipenwirten das Leben schwer machen. Hinzu kommt, dass viele Jugendliche lieber in Discotheken in größeren Städten gehen. Auch die Lokale in Wertingen haben zum Teil mit diesen Problemen zu kämpfen. In jüngerer Vergangenheit mussten mehrere davon schließen, weil die zahlungskräftige Kundschaft ausbleibt. Darunter das Legère und das Raucher-Club-Stüberl, ehemals Hollywood.

Ahmet Köktürk, Besitzer des P2 ist sich sicher: "Es werden noch mehr Lokale schließen müssen." Er sieht das große Problem in den vielen Partys, die in der Region stattfinden. Gerade im Sommer habe er Probleme mit den Umsätzen, da die Kunden ausbleiben. Trotzdem ist er zufrieden mit dem Geschäft, doch von seiner Cocktailbar in Krumbach weiß er, dass es durchaus besser laufen kann. "Wenn nur zehn Prozent der Leute, die auf die Partys gehen, in die Kneipen gehen würden, könnten alle Wertinger Gastronomen überleben", denkt Köktürk. Die Wirtschaftskrise merke man nur minimal, lediglich der Alkoholkonsum sei in letzter Zeit etwas zurückgegangen. Auch das Rauchverbot sei für das P2 kein Problem. "Unsere Kunden schätzen es, dass ihre Klamotten nach einem Besuch bei uns nicht nach Rauch stinken", erklärt Mustafa Köktürk, Sohn des Gastronomen.

Auch Goran Jovanovic vom Billard-Cafè Las Palmas kennt die Schwierigkeiten mit den Partys, die den ganzen Sommer über veranstaltet werden. "Es gibt jedes Jahr ein Sommerloch", erklärt er. Im Moment könne er sich nicht beklagen. Dies läge aber zum größten Teil an seiner Stammkundschaft, die über die Jahre aufgebaut wurde. "Laufkundschaft gibt es in Wertingen kaum. Alle, die nicht aus der unmittelbaren Umgebung kommen, gehen in den größeren Städten wie Dillingen oder Augsburg fort." Gerade junge Leute würde es vermehrt in die großen Discotheken ziehen.

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Etwas anderes ist Goran Jovanovic auch aufgefallen: "Man braucht fast doppelt so viele Besucher, um die gleiche Anzahl an Getränken zu verkaufen. Die Leute trinken einfach weniger, auch Alkohol." Dies wiederum habe eine weitere Einbuße zur Folge. "Es gibt durchaus Leute, die fünf Bier trinken, aber niemand trinkt fünf Wasser."

In einem anderen Punkt sind sich die beiden Gastwirte auch einig: "Unter der Woche ist in Wertingen wenig los." Dies könnten auch gute Wochenenden manchmal nicht wettmachen.

Einen starken Besucherrückgang verzeichnet auch das Bistro "Lucky 7". Ferdinand Wagenpfeil: "Zur Zeit gehen unsere Umsätze um 30 Prozent zurück." Er denkt, dass das Rauchverbot bei der ersten Einführung schon Leute vertrieben habe.

Erst vor knapp drei Wochen gab es im Piazza einen Besitzerwechsel. Roswitha Zacher führt jetzt das Bistro in der Innenstadt. Ob es gut oder schlecht laufe, könne sie daher noch nicht sagen. "Es kommen schon Leute", so Zacher. Sie glaubt, dass es ein Vorteil sei, das man in ihrem Lokal rauchen darf. Früher habe sie viel als Bedienung in der Gastronomie gearbeitet. "In meiner Jugendzeit war deutlich mehr los." Sie ist sich sicher, dass die Umstellung von Mark auf Euro den Wirten Umsatzeinbußen brachte.

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