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27. Oktober 2009 05:12 Uhr

Theologische Lehre der Kirche nicht befolgt

Altenmünster/Violau (her) - Noch nie in der Geschichte der Pfarreiengemeinschaft Altenmünster/Violau hat ein Pfarrbrief im Oberen Zusamtal so hohe Wellen geschlagen wie der vom 10. Oktober dieses Jahres. Darin hatte der neue Wallfahrtspfarrer Andreas Hirsch Richtlinien zum Thema Organspende veröffentlicht. Er bezog sich dabei auf Ausschnitte vom "The Catholic World Report", vom März 2001. Organspenden, so ist im Pfarrbrief nachzulesen, seien demnach "sittlich unzulässig". Einem Menschen, dem man ein lebensnotwendiges Organ entnehme, bringe man um, was gegen Gottes Gebote und Nächstenliebe verstoße, heißt es unter anderem weiter. Das Bistum Augsburg mit Bischof Dr. Walter Mixa an der Spitze erfuhr aufgrund zahlreicher Proteste aus der Bevölkerung von den publizistischen Vorgängen in der Pfarreiengemeinschaft Altenmünster/Violau und hat seine Konsequenzen gezogen. Wie gestern berichtet, trennte sich das Bistum vom 40-jährigen Seelsorger nach nur sieben Wochen im Amt, weil er Ansichten vertrat, die theologisch nicht haltbar seien.

Der Leiter der bischöflichen Pressestelle in Augsburg, Dr. Christoph Goldt, betonte gestern gegenüber unserer Zeitung, dass die Äußerungen von Pfarrer Hirsch nicht die theologische Lehre der katholischen Kirche sei. Diese habe gegen Organspenden nichts einzuwenden. Trotz des Verhaltens von Andreas Hirsch hätte das Bistum Augsburg von einer Trennung abgesehen, wenn der Geistliche bereit gewesen wäre, den Standpunkt der katholischen Kirche im nächsten Pfarrbrief abzudrucken. Dies jedoch habe Hirsch abgelehnt. "Deshalb", so Pressesprecher Goldt, "konnte nicht anders gehandelt werden." Die Trennung von Pfarrer Hirsch sei freilich auch ein Signal an all die Gläubigen der katholischen Kirche: "Diese müssen sich sicher sein, dass unsere Priester den Standpunkt der katholischen Kirche klar vertreten", so Goldt.

Pfarrer Hirsch, der am vergangenen Samstagabend bei der Vorabendmesse in Violau seinen Rücktritt bekannt gab, teilte gestern unserer Zeitung mit, dass er in einem persönlichen Brief an Bischof Dr. Walter Mixa in der vergangenen Woche seinen Rückzug mitgeteilt habe ( Wortlaut im Infokasten).

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Eine, die nach dem Erscheinen des Pfarrbriefs ihre Konsequenzen gezogen hat, ist Ruth Schmid aus Violau. Sie gehörte dem Pfarrgemeinderat an und ließ sich von ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten als Lektorin und Kommunionhelferin freistellen. Sie sei beim Thema "Organspende" auch deshalb so sensibilisiert, weil sie in Violau das Ehepaar Monika und Stefan Hegele persönlich gut kenne. Deren inzwischen fünfjährige Tochter hat im Alter von 26 Monaten eine gespendete Leber transplantiert bekommen, ohne die das Mädchen heute längst nicht mehr leben würde. "Pfarrer Hirsch hat mit dem Pfarrbrief bei Leuten, die über eine Organspende nachdenken viele Ängste geschürt", wirft Mutter Monika Hegele dem Seelsorger vor. Unter anderem steht im Pfarrbrief, dass der "Körper des Spenders reagiert mit Bewegung, Grimassen und sich windet, soweit dem Spender nicht vorher ein Betäubungsmittel gegeben wurde".

Auslöser für die Äußerungen von Pfarrer Hirsch im Oktober-Pfarrbrief war eine allgemeine Informationsveranstaltung des Pfarrgemeinderates Altenmünster im September. Damals hatte eine Ärztin aus dem Klinikum Augsburg sowie der Leiter des Dekanats Dinkelscherben, Pfarrer Karl Freihalter, die Standpunkte aus medizinischer und theologischer Sicht vorgetragen.

Vertretungen aus dem Dekanat

Ruth Schmid und Monika Hegele hoffen, dass nach den ereignisreichen Vorgängen schnell Ruhe in den Wallfahrtsort Violau einkehrt. Die Diözese bemühe sich laut Pressesprecher Goldt um eine baldige personelle Lösung. Noch aber könne nicht gesagt werden, wie lange es dauern wird, bis ein Nachfolger für Hirsch gefunden ist. Bis dato müssen sich die Gläubigen in Altenmünster/Violau mit Vertretungen zufriedengeben, die aus dem Dekanat Dinkelscherben kommen. An der Neubesetzung der Priesterstelle werde aber mit Nachdruck gearbeitet. »WZ-Kommentar und Bayern

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